12November
2019

10.000 Treppen zum knackigen Po

Eine Dreitagestour mit 10 Austauschstudenten – Was kann das nur geben? Es stellte sich heraus, alleine der Anfang war schon sehr chaotisch. Nachdem wir Business Ethics hinter uns gebracht haben sind wir sind wir mit der U-Bahn zum Bahnhof gefahren. Normalerweise hatten wir genug Zeit eingeplant, aber kaum waren wir an der frischen Luft kam es zur ersten Zeitverzögerung. Ein Ticketschalter war nicht zu finden. Wie aufgeschreckte Heuschrecken liefen wir über den Bahnhofsvorplatz. Kurz bevor sich die Panik aufgrund der voranschreitenden Zeit einstellen sollte war der Ticketschalter gefunden und ein weiterer Stein wurde uns in den Weg gelegt: Die Passnummer von Anne-Claire wurde falsch hinterlegt. Aufgrund der fehlenden Kompromissbereitschaft der Mitarbeiterin und der Nebensächlichkeit, dass der Zug ausgebucht war, verzögerte die Zeit weiter und die Stimmung zwischen uns allen wurde immer nervöser. So kam es, dass fast alle sich auf den Weg zum Gate machten um den Zug auf jeden Fall zu erreichen. Dennis, der während unseres Trips auf jeden Fall häufiger als Retter agierte, konnte mit seinen hervorragenden Chinesischkenntnissen glänzen, beschaffte Anne-Claire nach einigem Verhandeln noch einen Platz im Zug und schaffte es sogar noch rechtzeitig diesen zu erreichen. Doch auch das italienische Temperament kam bei Einigen heraus, was uns Deutsche doch einige graue Haare bescherte. Soweit so gut. Schon bei der Buchung des Hotels und des Zuges wussten wir nicht genau wo es hinging, doch als uns dann noch die Schaffnerin im Zug fragte, was wir denn bitte in Danxiashan wollten, zweifelten wir doch ein wenig an unserer Destination und warteten gespannt auf die Ankunft. Drei Stunden später stiegen wir aus dem Zug und blickten uns um: Ein menschenleerer Bahnhof und wir waren die Einzigen die an diesem Ort ausstiegen. Was soll das nur geben, fragten wir uns. Auch vor dem Bahnhof gab es kein Taxi und keine größere Straße weit und breit. Doch Dennis war wieder voll in seinem Element. Er fragte den Bahnhofsvorsteher um Hilfe, welcher uns Wiederrum einen Minivan bestellte mit welchem wir unser Ziel erreichten. Kaum im Hotel angekommen wurde ein weiterer Stereotyp bestätigt: Nach anregender Diskussion haben die Jungs es endlich geschafft die Betten aufzuteilen, wohingegen  wir vier Mädels uns nach fünf Minuten einig waren.  Die Betten unserer 5* Unterkunft waren hart wie der Boden und von einer europäischen Toilette konnte man nur träumen. Doch es war  relativ sauber (gemessen natürlich an chinesischen Verhältnissen) und die Eigentümerin wirklich sehr nett. Nachdem dann die Diskussion im Flur endlich verstummten, machten wir uns auf dem Weg zum Restaurant, das uns im Hostel empfohlen wurde. Neben dem normalen Chinesischen Essen wurde von Dennis eine Spezialität der Region bestellt. Hund oder Ratten vieles hatten wir erwartet, dass es am Ende Schnecken wurden, damit hatte jedoch keiner gerechnet. Diese wurden zum Geck des Abends, da das Haus für uns Europäer ein sicherer Schutz darstellte um gegessen zu werden. Nur Alex wurde zum richtigen Chinesen und hatte am Ende den Dreh raus, wie man das Fleisch nach mühsamer Arbeit erreicht. Der Biervorrat des Restaurants wurde von uns noch etwas reduziert und nach einigen Runden Uno sind wir müde ins Bett gefallen.

Der nächste Tag begann um 9 Uhr. Bezüglich des Frühstücks waren wir jedoch gespaltener Meinung. Während die eine Hälfte sich Brot (meiner Meinung nach eher süßen Kuchen) im Supermarkt zum Frühstück holte, passte sich die andere Hälfte an die chinesischen Gegebenheiten an und aß Dumpings, Fried Rice und Nudeln zum Frühstück. Gut gestärkt konnte der Tag somit starten. Diese Stärkung brauchten wir auch. Mit den Bus ging es an das andere Ende des Nationalparks und wir legten mit unserer Wanderung los. Die Natur war wirklich sehr schön. Rote Kalksteinfelsen, die ein wenig an den Grand Canyon erinnerten, und Berge, die sich deutlich von den Alpen unterschieden. Die Wanderwege waren gut ausgeschildert und gefühlte 10.000 Treppenstufen ging es für uns hoch um den Peak zu erreichen. Die Unebenheit und die große Steigung (manchmal um die 70 Grad) machten aus der Wanderung eher eine Kletterei. Doch irgendwann war es geschafft und vollgeschwitzt erreichten wir den Hochpunkt des Berges. Oben angekommen schien zuerst einmal alles alles sehr harmlos. Die ersten Fotos wurden gemacht und die Aussicht genossen. Doch plötzlich geschah es: Nachdem sich nach einiger Beobachtung der erste Chinese getraut hat uns nach einem Foto zu fragen ging das Fotoshooting erst richtig los. Wie in einem Hühnerstall ging es dabei in dem Pavillon auf der Bergspitze zu. Jochem und Maarten erzielten dabei die größte Aufmerksamkeit und das Beiden kein Liebesbrief zugesteckt bekamen war auch schon alles :D. Nachdem auch das fünfte Gruppenfoto geschossen wurde wurde es uns zu viel und wir machten uns an den Abstieg. Die Wanderung führte uns danach vorbei an einem Höhlentempel und atemberaubenden Aussichtsplattformen. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch den See erreicht, das Foto geschossen, was man immer sieht wenn man Danxia Mountain googelt.

Anschließend sind wir unseren knurrenden Mägen gefolgt und haben eine Art Bootstaxi zurück zum Startpunkt genommen. Zurück ging es mit dem Bus wieder Richtung Hotel. Auf dem Weg nahmen wir noch unser Nachmittagsessen ein (es war inzwischen schon ca. 3 Uhr), welches wirklich hervorragend schmeckte. Es gab Hähnchen in 2 verschiedenen Varianten (inklusive Kopf und Füßen), Rind mit Paprika, chinesisches Gemüse mit ganz viel Knofi, Kartoffeln, Schweinerippen und natürlich Reis. Nach dem Schmaus hielten wir alle einen kurzen Nap und trafen uns eine Stunde später wieder um eine weitere Wanderung durchzuführen. Eigentlich war unser Plan den Berg hochzulaufen und den Sonnenuntergang zu sehen, doch die Natur machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wolken zogen auf und auch auf dem von uns höchsten zu erreichbaren Punkt versperrten uns Bäume die Sicht sodass es unmöglich war dieses romantische Ereignis erleben zu können. Doch der Ausflug war nicht umsonst. Die Natur hat an diesem Ort Wunder vollbracht. Ein Fels hat durch Naturereignisse die Form eines Penis angenommen. Mitzuerleben wie die Chinesinnen auf diesen Anblick reagieren war wirklich ein Erlebnis. Laut wurde aufgelacht und ganz aufgeregt Fotos in jeden erdenklichen Posen geschossen. Die Abenddämmerung ließ nicht zu, dass wir an diesem Tag noch weiter wanderten, weshalb wir uns erneut ins Hotel bewegten und später am Abend bei Bier und Essen den Abend ausklingen ließen. 

Eine Bootsfahrt die ist lustig eine Bootsfahrt die ist schön. Das war das Motto unserer letzten paar Stunden im Nationalpark. Unser Frühstücksritual wurde wiederholt und nach kurzer Wartezeit betraten wir das Boot, welches uns auf eine 1,5 stündige Tour gemächlich durch den Nationalpark schippern sollte. Das dachten wir zu mindestens. Die Realität war jedoch leider ein wenig abweichend von unserer Vorstellung. Wir durften nicht am Deck des Bootes sitzen und die Beschallung auf chinesisch mit einem wirklich „trommelfellplatzenden“ Sound machten die Bootsfahrt nicht gerade angenehm. Nach ca. 30 Minuten Fahrt machten wir einen Stopp von 45 Minuten an einer kleinen Teeplantage. Dieser war wirklich ganz nett. Die Aussicht über die Berge von oben war wirklich toll und auch durch die Teeplantage zu spazieren ein schönes Erlebnis. Noch vor Ende der doch sehr großzügig kalkulierten Zeit trafen wir uns wieder beim Boot und ohne jegliche Beschallung ging es wieder schnurstracks zurück zum Startpunkt unserer Reise. Wir holten uns anschließend nur noch etwas zu essen, stiegen in das Taxi und nahmen den Zug nach Guangzhou. Arthur und mich erwartete noch eine Gruppenarbeit für Business Ethics, die wir natürlich voller Freude erwarteten. Samstag und Sonntag hatte ich noch Uni und diese Woche ist voll von vier Klausuren und einem Vortrag. Doch ab nächster Woche wird es hier im Blog wieder sehr aufregend. Seid gespannt was kommt, doch eines kann ich versprechen: Langweilig wird es nicht smile.