Berichte von 09/2019

30Sept
2019

Eine ganz „normale“ Woche

Schon wieder ist eine Woche vorbei und die Zeit hier in Guangzhou beginnt zu fliegen. Und ich muss euch enttäuschen. So langsam erscheinen mir die merkwürdigsten Dinge ziemlich normal: Professoren die laut ins Mikrofon schnaufen; Musik hören ohne Kopfhörer, Rotzen an jeder Straßenecke. Was man zuerst noch als höchst verwunderlich wahrnimmt beginnt langsam Normalität zu werden. Aber nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen: Meine deutschen Manieren stecken mir im Blut und ich werde mich hüten die chinesischen Gepflogenheiten zu übernehmen. Auch an das Essen habe ich mich gewöhnt, obwohl mir mein Magen die letzten Tage zum ersten Mal Probleme bereitet. Montag war ich Nudeln mit Erdnusssauce essen. Sehr sehr lecker, dass sage ich euch. Dienstag genoss ich den Sonnenuntergang bei einer kleinen Joggingrunde entlang des Pearl Rivers. Mittwoch stand dann das nächste Event an: Hot Pot Essen mit 10 anderen Austauschstudenten. Hot Pot ist eine fettigere und schärfere Variante des Fondues. Man packt Stöcke mit Pilzen, Fleisch, u.s.w. in einen Topf und lässt diese zusammen mit Nudeln und Sprossen köcheln. Dabei ist der Topf halbiert: Auf der einen Seite befindet sich die scharfe Brühe und auf der anderen Seite die normale Brühe. Nachdem das scharf gekochte Essen für so einige Schweißtropfen gesorgt hat sind die meisten von uns auf die andere Seite geschwenkt um nicht vollends an dem Hitzetod zu sterben. Das ganze Essen ist eine wirklich gemütliche Angelegenheit, welche sich über mehrere Stunden hinwegzieht. Weitergezogen sind wir an diesem Abend mit anderen 20 Austauschstudenten in einen Club in welchem wir als Promoter agierten. Wodka und drei VIP Tische bekamen wir dafür als „Bezahlung“. Und das war wirklich einer der verrücktesten Clubs den ich jemals besucht habe: Mädels die als Fächer verkleidet auf der Bühne tanzten, eine Art Lasershow, Konfetti und Champagnerflaschen die mit einer riesigen Aufmachung durch den Club getragen wurden. 

Folglich begann der Donnerstag etwas später und nach erfolgreich erledigter Gruppenarbeit hat mich Martin (Chinese) zu einem kleinen und sehr versteckten Restaurant in der Nähe der Uni gebracht. Zwar war die Reaktion auf Bilder meinerseits sehr einstimmig (Bah, das sieht ja ekelig aus. Was ist denn das?!), mein Magen erklärte mir doch, dass es ein wirklich sehr leckeres Essen ist. Zur Vorbereitung aufs Wochenende wurde Freitag ein Ausflug zum Liurong Tempel gemacht und anschließend machten Minot und ich eine kleine Wanderung durch den Xuexiu Park. Dabei traf uns erneut die Erkenntnis: Natur und Trecking ist nicht die Lieblingsbeschäftigung der Chinesen. Überall waren moderne Wege angelegt, ein Freizeitpark war im Park eingebaut und Touristenzüge brachten einen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem erfolgreich absolvierten Unitag sind wir mit den meisten Teilnehmern unseres Kurses am Samstag in ein Restaurant weitergezogen um den Abend ausklingen zu lassen. Dieser Abend war wirklich sehr gesellig und endete unerwartet spät. Somit startete auch der Sonntag relativ gemütlich und mittags ging es dann mit Jung Hoon Choi (Koreaner) zum Quinping Medicine Center. Eine interessante Erfahrung sollte uns dort erwarten. Ein Center, vergleichbar mit dem Textile Exchange Center voller roher Zutaten für die Chinesische Medizin. Getrocknete Fische, Wurzeln und Insekten in den verschiedensten Varianten gab es dort zu erwerben. Die Masse an Seesternen, Seepferdchen und Geweihen ist für uns als Europäer ein sehr unerwarteter und schockierender Anblick. Auch die Gerüche die dort vorherrschten waren für meinen Körper eine Abwechslung. Somit ging es voller neuer Eindrücke zurück in eine Shopping Mall in der dann zu Mittag gegessen wurde. Das Restaurant war jedoch wohl leider eine falsche Entscheidung. Denn mein Magen empfand diese Speise als gar nicht gut und auch heute (Montag dem 30ten September) hat dieser leider noch nicht ganz der Normalzustand erreicht. Vielleicht hilft die Massage zu der ich gleich aufbrechen werde ein wenig :) Morgen geht es dann (bis Sonntag) mit meiner Mitbewohnerin Anne-Claire nach Shenzhen und Kaiping. Die Golden Week (chinesische Feiertagswoche) kann kommen und ich bin bereit. Mal sehen was der Ausflug so bieten wird. Aber eines weiß ich ganz bestimmt: Langweilig wird es nicht. 

23Sept
2019

Eine wundervolle Zeit am Meer

Nachdem sich 3 Tage die Routine eingespielt hatte (Sachen für die Uni, ET will nach Hause telefonieren,…), durchbrochen von einer Party am Party Pier, kam meine Sensationsgier zum Vorschein. Und so dachte ich mir: Constanze du hast eine Woche nichts zu tun und du sitzt hier gerade in China. Was willst du machen? Da ich als ein durchaus sehr durchgeplanter Mensch bereits vor dem Abflug Ideen gesammelt habe, entschied ich mich ganz spontan Flüge nach Hainan zu buchen. Dabei ist Hainan eine Insel im Süden Chinas und als der Touristenort bekannt. Gesagt getan. Flüge wurden gebucht, Sonnencreme und Sonnenhut eingepackt und Samstag dem 14. September 2019 stieg ich in den Flieger von Hainan Airlines auf dem Weg nach Haikou. Durch eine nicht gerade gewollte Landung am 15. September um halb 1 morgens haben ich vorausschauender Weise ein Hotel am Flughafen gebucht. Gewundert hat mich der niedrige Preis bei der Buchung. Aber überwogen hat dabei natürlich die Freude des Sparfuchses. Angekommen stellte sich heraus, warum der Preis so hoch war wie er nun mal war. Die Stecknadel beim booking.com war falsch gesetzt und das Hotel befand sich ca. 10 km vom Bahnhof entfernt. Da der Besitzer des Hotels mir gesagt hat, dass ich ihn anrufen soll, wenn ich ankomme, griff ich nach der Ankunft zum Telefon. Doch wie soll es anders sein: Der Hotelbesitzer konnte natürlich nur sehr sehr gebrochenes und wirklich schwer verständliches Englisch. Nach einer Stunde haben wir uns dann endlich gefunden und mit dem Auto erreichten wir einige Minuten später das Hotel.

Am nächsten Morgen wollte ich mit dem Zug weiter nach Sanya fahren um Strand, Palmen und Sonnenschein zu genießen. Im Hotel wurde ich von dem Vater des Besitzers empfangen, der wirklich keinerlei Englisch verstand. Mit einem Mischmasch aus TukTuk und Auto ging es Richtung Flughafen. Doch plötzlich blieb der gute Herr an einer Haltestelle irgendwo im  Nirgendwo stehen, meinte ich sollte aussteigen und es schien so als wollte er wieder fahren. Nach einigem Protest meinerseits (es war noch keine Laufdistanz zum Flughafen und auch keinerlei englische Beschilderung in Sicht) hielt er ein Taxi an, welches mich dann zum  Flughafenbahnhof brachte. Nachdem es mal wieder, aufgrund fehlender Beschilderung und fehlenden Englischkenntnissen, problematisch war den Bahnhof zu finden, konnte ich problemlos einen Zug buchen und bin nach einer Fahrt mit dem Highspeedtrain mit dem Bus zum Captain’s House,  meinem Hostel, gefahren. Dort wurde ich sehr sehr freundlich begrüßt und wirklich in die Gemeinschaft aufgenommen. Meine Zimmergenossinnen konnten zwar nicht alle Englisch, waren aber wirklich sehr nett und mit dem Google Translater konnten wir uns „unterhalten“. Nach meiner Ankunft um ca. 14:30 bin ich zum Strand in der Nähe des Hotels gelaufen und habe einfach nur die Sonne genossen und gelesen. Gegessen habe ich mittags sehr leckere Nudeln mit leider etwas drögen Skampis und abends hatte ich einen ganzen Fisch mit Gemüse. Gut, dass Keno weit weg  war an diesem Abend denn ich glaube die gefühlten 10 Knoblauchzehen im Essen konnte man nicht nicht riechen :D Abends wollte ich dann eigentlich nur noch in Ruhe ein Bierchen am Strand trinken, doch ein Chinese empfand mein Aussehen doch als ein wenig zu auffällig. Er setzte sich zu mir und wir führten ein interessantes Gespräch über die individuellen Gegebenheiten Chinas. Nach der Rückkehr ins Hostel kam ich mit weiteren Bagpackern bei einem Bier ins Gespräch und wir verabredeten uns am nächsten Tag gemeinsam zum Sanya Bay zu fahren.

So kam es dann auch. Gegen 10 Uhr morgens bin ich mit Lemon (Chinesin), Alex und Mike (beides Deutsche) in den Bus gestiegen. Besonders ereignisreich war der Tag zwar nicht aber wirklich wunderschön. Sanya Bay ist ein über 20 km langer Sandstrand in Stadtnähe und als wir dort ankamen war alles leer. Wir guckten uns um und konnten es kaum glauben: Wir waren fast die Einzigen vor Ort. Ok, ein Grund dafür war wahrscheinlich die Mittagshitze, die wirklich nicht zu verachten war. Doch ein Schattenplatz wurde gefunden, zwischendurch ein kühles Bier geholt und es wurde wirklich zu einem traumhaften Tag. Müde vom Tag sind wir abends mit einem Bierchen zum Hostel zurückgekehrt, haben Uno gespielt und den Abend ausklingen lassen. Dabei kamen immer mehr Menschen dazu, denn die Atmosphäre des Hostels war einfach einladend und unglaublich herzlich.

 

 

 

 

 

 

 

Schon während unseres Strandaufenthaltes haben wir uns verabredet die berühmte Statue von Sanya zu besichtigen. Diese erscheint immer als eine der ersten Google Ergebnisse wenn man sich über die Stadt informiert. Was dabei jedoch nicht so eindeutig aus den Artikeln herauskommt ist, dass diese 40 km entfernt ist und es sich dabei um einen Riesen Tempelkomplex handelt. Völlig unvorbereitet ging es somit mit dem Bus auf eine zweistündige Fahrt, wobei wir unsere Zielstation nach ca. 2 Stunden völlig ausgehungert erreichten. Die Mägen wurden gefüllt und voller Tatendrang ging es los. Angekommen am Eingang traf uns der nächste Schock. Wir waren umzingelt von Touristen. Die Touristenattraktion hatte uns gefangen genommen. Somit wurden Hut und Kamera ausgepackt um sich möglichst schnell der Masse anzupassen. Ein ganz goldener Tempel mit lauter Laternen, eine wunderschöne Natur, der Nashan Tempel,… erwarteten uns. Nach Besichtigung von 4 Tempeln inklusive der Riesen Statue machten wir uns todmüde auf dem Weg ins Hostel. 

Der dritte Tag meiner Reise verlief genauso wie der erste. Nur, dass es anstelle vom Sanya Bay zum Yalowang Bay ging. Und auch die Lautstärke war eine andere als am Sanya Bay. Typisch Chinesisch ging es dort zu. Laute Musik, schreiende Menschen, Animation wo man nur gucken kann und ein ruhiges Örtchen war schwer zu finden. Diesen fanden wir dann an einem Privatstrand eines Hotels. Dort wurde sich gesonnt, gelesen, geschwommen und einfach nur die Seele baumeln gelassen. Nach ca. 3 Stunden machten wir uns auf dem Weg zum Hostel und entschieden auf dem Weg fast einstimmig: Heute wollen unsere Mägen einfach kein chinesisches Essen. Resultierend daraus fanden wir uns eine Stunde später in der Dolphin Bar wieder. Es gab Becks Bier in 0,5 Liter Gläsern und ein Burger mit Käse, Avocado und Speck. Vor allem die Anwesenheit des Käses ließ meinen Magen freudig aufbrummen. Selbst das doch etwas süße Brot konnte meine Freude über diesen Burger nicht dämpfen weshalb ich super glücklich am Abend nach einer weiteren Runde Uno und Bier ins Bett fiel. 

Da mein Flug am Freitag schon um 7 Uhr morgens ab Haikou ging und ich auch die Hauptstadt von Hainan mir ein wenig ansehen wollte, machte ich mich am nächsten Tag mit den Schnellzug von Sanya auf den Weg nach Haikou. Angekommen erlebte ich einen richtigen Kulturschock. Waren in Sanya jede Menge Touristen und die Chinesen vor Ort konnten gebrochenes Englisch, wurde ich nach Verlassen des Bahnhofs wie ein Auto angeguckt, die ganze Zeit auf Chinesisch angesprochen und meine Fragen konnte keiner beantworten. Glücklicherweise nahm mich dort ein Chinese an sich, welcher mich sicher zum Hostel brachte. Zwar konnte auch dort keiner Englisch doch Google Translator rettete mal wieder meine Reise. Der Regenschauer wurde noch abgewartet und dann ging es weiter mit dem Bus Richtung Altstadt. Und diese war wirklich sehenswert. Alte, etwas heruntergekommene, jedoch wunderschöne Gebäude verbreiteten eine tolle Atmosphäre. Indem ich durch die Gässchen streifte gelangte ich zu einem Markt, der größtenteils Fisch verkaufte. Doch auch Gemüse, Fleisch, getrockneten Fisch, getrocknetes Obst,… fanden ihre Abnehmer. Die deutschen Hygienestandards wurden hier natürlich nicht eingehalten und an so  manchem Stand bezweifelte ich ob der Verzehr der Speisen doch nicht in Magenkrämpfen oder Durchfall endet. Es war sehr voll auf dem Markt: Roller fuhren überall durch die Gegend, Hupkonzerte überall und jegliche Art von Gerüchen trafen meinen Geruchssinn. 

Nach einer Pause im People Park und Nudeln mit Rindfleisch ging es zurück ins Hostel wo ich eigentlich früh schlafen gehen wollte. Daran war jedoch leider nicht zu denken. Meine Zimmergenossin arbeite noch lange am Laptop und das Bett war so hart, dass man nur vom Angucken des Gestells blaue Flecken bekam. 

Somit ging nach 2,5 Stunden mein Wecker und da der Bruder der Eigentümerin ein Auto besaß und sich wirklich netterweise bereit erklärt hat mich zum Flughafen zu bringen, verlief alles ohne jegliche Probleme. Um 6:50 flog mein Flugzeug wieder nach Guangzhou, wobei ich mein Ziel 1 Stunde und 15 Minuten später erreichte. Ich nahm die Metro nach Guangzhou und fiel todmüde ins Bett. Der Tag wurde ganz ruhig mit einem Bierchen mit meinen Mitbewohnern ausgeklungen und die nächsten 2 Tage standen ganz im Motto der Universität. So schnell gingen dann auch die letzten 2 Wochen um und jetzt haben wir Montag den 23ten September und ich habe endlich die Zeit und gleichzeitig die Muße alles aufzuschreiben was in den letzten 2 Wochen passiert ist. Rückblickend kann ich sagen: Es war die beste Idee einfach in das Flugzeug zu steigen und nach Hainan zu fliegen. Ich habe tolle Leute getroffen, viele Sachen gesehen und alles in allem eine wundervolle Zeit gehabt. 

 

 

11Sept
2019

Die ersten Versuche des Sightseeings

Völlig ausgeruht konnte ich somit in den nächsten Tag starten. Der erste Sightseeing Tag stand bevor. Mit Kamera bewaffnet konnte mein Touristendasein beginnen. So machte ich mich mit meinem Mitbewohner Minot auf den Weg um eine der Hauptattraktionen Guangzhous zu besuchen: Shamian Island. Eine Insel voller europäischer Gebäude sollte uns erwarten. Doch was wir sahen war eine reine Baustelle. Fast alle Häuser wurden renoviert und nach der Ausstralung beispielsweise einer italienischen Stadt konnte man lange suchen. Nur eine kleine Kirche vor Ort konnte uns überzeugen.Bevor die Enttäuschung Überhand nahm, ging es mit der Metro weiter Richtung Guangxiao Tempel. Ein noch ursprünglicheres Viertel erwartete uns. Religiöse Relikte gab es überall zu kaufen und wir probierten einen Saft, der so süß war, dass Karies und Baktus in meinem Mund wohl eine Party gefeiert haben. Der Tempel an sich war auch wirklich sehr schön und eine spirituelle Atmosphäre hat uns ergriffen.

Völlig beseelt ging es nachmittags zurück ins Apartment. Das Haus wollten wir nicht mehr verlassen, weshalb wir uns daran versuchten Essen zu bestellen. Es gab dabei nur eine einzige klitzekleine Schwierigkeit: Alles war auf Chinesisch. Kein Problem dachten wir uns, nehmen wir einfach mal Google Übersetzer und machten uns nach der Bilderauswahl des Essens an die Eingabe unserer Daten. Soweit so gut. Das uns der Fahrer auf chinesisch und ohne jegliche Englischkenntnisse anrufen würde, das haben wir bei unserer Essensbestellung geflissentlich außer Acht gelassen. 3 unverständliche Anrufe später sind wir dem GPS des Fahrers wie aufgeschreckte Heuschrecken hinterhergerannt, bevor wir festgestellt haben, dass dieser vor unserer Haustür steht. Kaum wurde das Essen mit einem Bierchen am Fluss ausgepackt traf uns der nächste Schock. Die Chinesen liefern tatsächlich rohes Essen, das man dann letztendlich doch noch selber zubereiten muss. Der Sinn dahinter ist mir bis heute unklar, denn lässt man sich nicht Essen liefern, damit man nichts mehr in der Küche machen muss?! Trotzdem sind wir von dem essbaren Essen satt geworden und gingen mächtig stolz nach der ersten eigenen Essensbestellung ins Bett laughing

Samstag und Sonntag standen ganz im Motto der Universität. Investment Valuation, Funds Management und Project Management nahmen mein Wochenende in Anspruch. Samstag Abend ging ich dann noch mit Minot und seinem Buddy Nudelsuppe mit Shrimpsdumbling essen und Sonntag hatte ich meine erste kulinarische Herausforderung. Bei dem Dim Sum Essen mit Francesca und ihrem Buddy gab es Hühnerfüße. Nach keinem Fleisch und nur Fett war ich überzeugt: Wegen mir verliert kein Huhn mehr seinen Fuß. 

Nach einem Wochenende in der Universität habe ich nun weitere zwei Wochen frei, welche ich dazu nutzen möchte Guangzhou und Umland unsicher zu machen. Der Startschuss am Montag bestand darin, dass ich mit Johanna mit der Metro nach Foshan gefahren bin. Nach einigen Schwierigkeiten den richtigen Weg zu finden gelang es uns letztendlich doch den Weg zum Anchestral Tempel zu finden. Eine außergewöhnliche Architektur, renoviert und einfach nur außergewöhnlich überzeugte uns dieser Tempel vollends. Aufgrund des fehlenden Frühstücks beschwerte sich unser Mägen. Glücklicherweise entdeckten wir an der anderen Seite vom Tempel  eine Food Street, sodass die Mägen nicht lange auf ihre Füllung warten mussten. Im „Kong Fu Snack“ gab es Hackbällchen mit einer interessanten Sauce und sehr sehr klebrige, etwas süße Teigtaschen die, wie sollte es in China auch anders sein, mit Fleisch gefüllt waren. Wir haben uns mit dem Essen der klebrigen Teigtaschen wohl etwas zu komisch angestellt, denn die leicht irritierten Blicke unserer Nachbarn ließen nicht lange auf sich warten. Der anschließende Besuch des berüchtigten Liang Gadens stellte sich leider als ein kleiner Missgriff heraus, denn dieser befand sich in der Renovierung. Deshalb ging es beinahe unverrichteter Dinge zurück zum Tempel in dessen Nähe wir uns weitere Gärten ansehen wollten. Auf dem Weg gelangten wir zu einer wunderschönen und sehr modernen Gegend voller kleiner Geschäfte und Restaurants. Nach einer anschließenden Pause in einem kleinen Garten ging es mit der Metro zurück nach Guangzhou und nach einer Pizza erwartete mich freudig mein Bett. 

Am nächsten Morgen machte ich mich um 9 Uhr mit Minot auf den Weg zum Baiyun Mountain. Der Weg dahin stellte sich sogar für uns als nicht chinesisch sprechende Menschen als sehr einfach heraus, da wir mit dem Bus 24 direkt von der Haustür nach einer Stunde das Ziel erreichten. Nach einer anschließenden Stärkung mit gebratenen Nudeln konnte unsere Wanderung losgehen. Der Baiyun Mountain war einfach wundervoll: Verschiedene Pflanzen, ein kleiner Wasserfall, ein wundervoller Ausblick auf Guangzhou, verschiedene Pavillons die zum Erholen einluden,... Es war wirklich eine Wonne. Nach unserer Rückkehr zum Bus Stop hatten wir noch ein wenig Zeit, sodass wir noch den Yuntai Garden entdeckten. Für einen Monat sind dort Figuren aufgebaut die abends beleuchtet werden. Da diese ziemlich pompös aussahen war mir schnell klar, dass ich noch einmal bei Dunkelheit wiederkommen muss. Doch auch außerhalb der Figuren ließen sich die Chinesen nicht lumpen. Es gab einen Rosengarten, einen Steingarten und vieles mehr. Wie sooft erinnerte dieser Park mehr an einen Freizeitpark als an eine grüne Erholungsoase. Minot musste um 19:00 zur Uni, weshalb wir uns um 17:00 auf zum Apartment machten. Und jetzt sitze ich hier und verfasse diesen Text an euch. Leider werde ich diesen Text wohl erst morgen hochladen können, denn WLAN ist für unser Apartment immer noch ein Fremdwort.

06Sept
2019

Es gibt noch so einiges zu organisieren

Der nächste Tag, es war inzwischen der 3.9.2019, begann sehr entspannt. Es wurde ausgeschlafen, ich habe einen Milktea probiert, war einkaufen und wir haben die ersten Macken unserer Wohnung festgestellt: Die zweite Dusche und Toilette funktionieren nicht, es gibt keinen Kühlschrank, Kakerlaken in der Küche, keinen Vorhang in meinem Zimmer, die Balkontür ist kaputt, es ist kein WLAN vorhanden, kein heißes Wasser in der Dusche, u.s.w. Nun heißt es sich nach und nach um die kleinen oder größeren Macken zu kümmern. Durch die Hilfsbereitschaft der Agentur konnten schon einige Macken, wie die kaputten Sachen im Badezimmer und die Balkontür repariert werden. Nachdem mittags mit Anne-Claire Dumpings gegessen wurde und die Lieben zu Hause einmal persönlich über den neusten Stand der Dinge informiert wurden, ging es darum  Guangzhou ein wenig zu erkunden. Mit dem Taxi ging es Richtung Innenstadt und was wir in den nächsten Stunden erlebt haben, war eine ganz andere Seite von Guangzhou als jene, die ich die letzten Tage gesehen habe. Ausschließlich moderne Hochhäuser und Einkaufszentren, wo man nur gucken kann. Adidas, Puma, Lacoste, …, alle bekannte Marken die man sich nur denken kann gab es dort zu kaufen. Nach einem Bubble Tea zum Einstieg ging es darum die Welt der Einkaufszentren zu erkunden. Alleine der Bubble Tea Kauf war schon ein Erlebnis. Da diese Kette so berühmt ist, muss man ca. eine halbe Stunde warten, bis man sein heiß ersehntes Getränk in den Händen hält. In dem Laden war vieles Pink und es gab eine angedeutete Treppe für Bilder in sozialen Netzwerken. So stellte ich einmal meine Topmodell Fähigkeiten unter Beweis und versuchte ein schönes Bild auf der Treppe hinzubekommen. Da ich auf leider von Heidi Klum kein Foto bekommen habe, bekommt ihr auch nicht die Chance mein perfektes Topmodell Bild zu sehen. Weiter ging es durch ein Top Modernes Einkaufszentrum mit vielen westlichen Marken. Doch dann erreichten wir durch eine Unterführung eine Art Unterwelt von Guangzhou. Ein Einkaufszentrum wie man es sich nicht vorstellen kann. Sozusagen das Phantasialand als Einkaufszentrum. Verschiedene Themenwelten, überall blinkten Lichter und fürs Entertainment war zwischendrin auch noch gesorgt. Verkleidete Pandas sprangen durch die Gegend und eine Halle voll mit Schnee (in Guangzhou schneit es nie) stand zum Besuch bereit. Auch ein Sightseeingtrain fuhr jede 20 Minuten durch das Shoppingzentrum, welchen wir dann nahmen um diese verrückte Welt beim Vorbeifahren zu bestaunen. 

 Da sich langsam unsere Mägen bemerkbar machten ging es mit dem Auto zu einem schicken und für chinesische Verhältnisse teurem Restaurant. Dort aßen wir, empfohlen von der Freundin von Anne-Claire, eingelegte Auberginen, Rindfleisch mit einer süßen Sauce und eingelegten Chinesischen Kohl. Das Essen war wirklich sehr sehr lecker und so ging es satt und müde ins Bett. 

Der nächste Tag stand unter dem Motto: Ich brauche eine Bankkarte. Denn nur so kann ich das langersehnte WeChat Pay endlich nutzen. Denn ohne WeChat Pay ist man in China aufgeschmissen. Man bezahlt damit in Restaurants, das Parkticket in der Tiefgarage, Automaten um sein Handy aufzuladen, auf dem Markt, u.s.w. Glücklicherweise war ich so vorausschauend und habe am Tag vorher einen Termin in der Bank vereinbart. Damit ging auch alles sehr schnell. Ich habe ein Bankkonto eröffnet, mein Handy mit WeChat Pay verbunden und nachdem ich meinen  Studentenausweis beantragt und abgeholt hatte, konnte man mich fast als Chinesin bezeichnen. Das ich kein Chinesisch spreche und auch äußerlich nicht gerade in das Muster passe, wurde dabei fast nebensächlich. Abends habe ich mich dann noch mit Sarah und Francesca, zwei Italienerinnen, getroffen und wir sind am Pearl River spazieren gegangen. Die Aussicht hat mich an Frankfurt in XXL erinnert und es war wirklich wunderschön.

Auch der Kanton Tower bei Nacht sieht toll aus. Auf dem Weg sah man Chinesen, die tanzten, Badminton, Plumssack oder Brettspiele spielten. Nach einem Wassermelonensaft und einem Bierchen an unserem Apartment ging es müde ins Bett.

Da wir im zweiten Stock wohnen und ich keine Vorhänge vor meinem Fenster hatte, ging es am 5.9.2019 darum sich Vorhänge zu besorgen. Da diese nur für eine Zeit von 3 Monaten halten mussten, ging es mir nur darum einen Stofffetzen zu besorgen und diesen irgendwie am Fenster befestigen zu können. Aufgrund der Größe der Fenster stellte sich dies jedoch als gar nicht so einfach heraus. So habe ich mich mit Jenny am frühen Vormittag auf dem Weg zum Textile Exchange Center gemacht um mein Vorhaben zu realisieren. Das Textile Exchange Center hat fast die Größe von Sonsbeck und es gibt verschiedene Sparten für jegliche Art von Textilien. So gibt es die Rubrik Knöpfe, Verzierungen, Stoffe, Schnürsenkel, u.s.w. Die gesuchte Rubrik Vorhänge war natürlich, wie soll es auch nicht anders sein, genau am anderen Ende unseres Startpunkts und so sind wir ca. 1,5 Stunden durch die kleinen und sehr geschäftigen Gassen wie zwei Mäuse im Labyrinth herumgeirrt um den Speck, also den Vorhangstoff, zu finden. Schreiende Menschen, überfüllte Motorräder und eine fehlende Beschilderung erleichterten nicht gerade unsere Suche. Doch nach einer langen Zeit hatten wir das Ziel erreicht. Ein nicht gerade schöner, aber effizienter Vorhangstoff und etwas zum befestigen wurde gekauft und es ging für Jenny wieder Richtung Universität und ich machte mich nach dem Einkauf auf den Weg Richtung Apartment um mich für die erste anstehende Hausparty noch ein wenig auszuruhen. Nach einem lustigen Abend mit ein paar Bierchen fiel ich todmüde ins Bett und wachte am nächsten Morgen erst gegen 11:30 auf.

02Sept
2019

Ein schwieriges Unterfangen

Die Wohnungssuche in Guangzhou, was kann man dazu noch sagen. Es ist anstrengend, schwierig und einfach nur zum Kopf schütteln. Nachdem mein Buddy mich am Hotel abgeholt hat sind wir zu einem Dim Sum Restaurant frühstücken gegangen. Denn in China gibt es leider kein Käsebrot zum Frühstück sondern warme gefüllte Teigtaschen, Reis und Suppe. Die so genannten Dim Sum waren sehr lecker. Es gab normale Teigtaschen mit Shrimps, frittierte  Teigtaschen mit Shrimps umwickelt mit Speck und Reis, sehr süße Teigtaschen gefüllt mit einer zuckersüßen Sauce (zu süß für mich) und einem Nachtisch, der die Konsistenz von Wackelpudding hatte und aus Kokkus und Mango bestand.


 

Nach der Stärkung konnte die Wohnungssuche ja eigentlich nur gut verlaufen. Und so machten wir uns auf den Weg um eine Wohnung zu finden. Doch es stellte sich fast als ein schier unmögliches Unterfangen heraus. So wollte keiner eine Wohnung für 4 Monate vermieten oder die Wohnungen waren zu heruntergekommen. Doch am späten Nachmittag haben wir dann eine gefunden, die wir gerne mieten wollten: Modern, relativ sauber und topp ausgestattet. Nachdem dann der Preis um ca. 200 Euro pro Monat noch einmal angestiegen ist, da andere internationale Studenten die Wohnung auch haben wollten, stellte sich jedoch heraus, dass der Landlord keine Steuern gezahlt hat. Dies stellt sich besonders für uns als unmögliches Problem dar, da wir dann nicht in der Lage sind, eine Temporary Residence zu beantragen, welches für uns verpflichtend ist. Da der Landlord zu große Angst vor Strafgeldern hatte, entschied dieser sich uns die Wohnung nicht zu vermieten. Die Agentur der Wohnungsvermittlung hatte nach der Absage ein weiteres Apartment für uns herausgesucht, doch als wir dieses betreten haben, bekamen wir erst mal einen Schock. Das Apartment war unfassbar dreckig, einiges war kaputt und vor allem: es waren keine Möbel in der Wohnung. Es wurde jedoch versprochen, dass am nächsten Tag alles fertig sein sollte. Da wir inzwischen schon verzweifelt waren, die Lage perfekt und die Umgebung wunderschön war (direkt am Pearl River, ein Swimming Pool vor der Haustür, Lampions, eine ruhige Lage,…) haben wir zugesagt uns das Apartment am nächsten Tag nochmal anzuschauen und es dann anzumieten. 

Am nächsten Tag gingen wir morgens zu einer weiteren Agentur um notfalls einen Plan B zu haben. Doch es stellte inzwischen ein fast unmögliches Unterfangen dar, da die passenden Wohnungen zumeist schon vergriffen waren. Da wir ja auch noch unseren Plan A hatten, haben wir uns entschieden eine Mittagspause zu machen. Während dieser bin ich mit Minot und Jenny essen gewesen und wir sind am Pearl River spazieren gegangen. Und dann war es auch so weit und uns erwartete der nächste Schock. Nichts hatte sich während der letzten Stunden getan. Das Apartment sah genauso aus, wie am vorherigen Abend. Nach einiger Diskussion gaben wir dem Landlord weitere 2 Stunden Zeit um die Sachen in die Gänge zu bringen. Während Minot im Apartment blieb um die Fortschritte der Arbeit zu beobachten, sind Anne-Claire und ich zu einer weiteren Agenturen gegangen. Doch auch bei dieser schien unsere Wohnungssuche ein schier unmögliches Unterfangen zu werden. Da Minot uns jedoch berichtete, dass im Apartment gute Arbeit geleistet wird, haben wir uns entschieden dieses Apartment zu mieten und schon mal alle notwendigen Dinge in die Wege zu Leiten. So wurde Bettzeug gekauft und das benötigte Geld für die Kaution und die erste Miete abgehoben. Nach einigen Stunden konnte der Vertrag unterschrieben werden und um ca. 22:00 Uhr verließen wir die Agentur als Mieter eines Apartments in Guangzhou. Darauf wurde erst mal mit einem Bier in der Anlage des Apartments angestoßen, bevor es dann mit dem Taxi ins Hotel ging. Denn am nächsten Tag trafen wir uns sehr früh, um vor der Einführungsveranstaltung der Universität unsere Koffer in die Wohnung zu packen. 

Gesagt getan. Gegen 8:00 Uhr trafen wir uns am Apartment, brachten die Schlüssel zur Agentur (es mussten noch einige Sachen repariert werden) und machten uns auf den Weg zur Universität. Nach einer informativen Einführung (Transportmittel, Kurse, Sicherheit in GZ,…) machten wir uns wieder auf den Weg zur Agentur um, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist, uns innerhalb der nächsten 24 Stunden bei der Polizei zu melden und eine Temporary Residence zu erhalten. Bevor es jedoch wirklich dahin ging, gab es einige Schwierigkeiten mit der Kommunikation mit dem Landlord. Dadurch hatten wir ca. 2 Stunden nichts zu tun und trafen uns mit einer Freundin von Anne-Claire aus Frankreich (die jedoch ursprünglich aus GZ kommt und zur Zeit auch vor Ort ist). Das Essen war wirklich sehr sehr lecker, auch wenn das Restaurant vor Ort wirklich dreckig und keinerlei ansprechend aussah smile. Gestärkt ging es wieder zurück zur Agentur und weiter Richtung Polizei. Kaum angekommen traf uns der nächste Schock. Die Polizei verweigerte uns die Temporary Residence auszustellen, da auch dieser Landlord keine Steuern gezahlt hat. Unter Schock und großer Aufregung ging es zum Haizhu Chiang Government Affairs Center, einer Art Finanzamt, um die Angelegenheit zu klären. Nach unserem Zugeständnis die Steuern in Höhe von ca. 40 Euro zu übernehmen und einen neuen Mietvertrag unterschrieben wurde, bekamen wir die Erlaubnis zur Polizei zurückzukehren, welche uns dann ohne Probleme die Temporary Residence ausstellte. Das musste gefeiert werden. Somit ging es abends darum meine großen Singkünste zu beweisen und zu zeigen, dass nicht alle Hunde sterben, wenn ich zum Singen den Mund aufmache :D. Mit einem Taxi fuhren wir zum Central Business District (CBD). Dort konnte man Räume zum Karaokesingen für eine verschiedene Anzahl von Personen mieten und es gab Bier und Essen zu bestellen. Da wir vorher durch eine Nudelsuppe unsere Kehlen geschliffen haben galt es für uns nur ein wenig Mut anzutrinken und Spaß zu haben: Lady Gaga und Ed Shereen warteten auf uns. Nach drei Stunden Singerei ging es müde zurück ins Apartment. Glücklich konnten wir in den Schlaf fallen, denn das Unmögliche war geschafft: Wir haben ein Dach über dem Kopf.