Berichte von 11/2019

30November
2019

Eine Runde um den See

Bevor ich im Hostel angekommen bin erwartete mich jedoch zuerst eine höchst interessante Zugfahrt. Kaum im Zug eingestiegen erwartete ich einen harten Sitz, den ich auch gebucht habe. Doch was war das? Der Sitzwagen bestand aus einem harten Bett, in dem man sich unten mit 4 Personen hinsetzen sollte. Nicht schlimm, aber einfach nur ungewöhnlich. Nach Ankunft fuhr ich weiter Richtung Altstadt auf dem Weg zum Jade Emu International Hostel, in der Hoffnung ein paar weitere Reisende zu treffen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Direkt am Abend meiner Ankunft unterhielt ich mich mit Yumi, einer Chinesin, die ein Sabbatjahr machte und durch China reiste. Wir entschieden uns am nächsten Tag eine Tour rund um den Erhai See zu machen. So mieteten Gaily, eine weitere Chinesin, Yumi und ich einen Fahrer an, der mit uns am nächsten Morgen starten sollte. Nach erfolgreicher Planung wurde somit der restliche Abend zufrieden mit einem Dali Bier am Kamin verbracht.

Gesagt, Getan. Gegen 9 Uhr trafen wir uns im Gemeinschaftsbereich und fuhren mit einem Minivan los. Vorerst war von dem See noch nicht viel zu sehen. Die Straße über die wir fuhren, führte uns durch Felder und wir erfuhren einige Grundlagen über die Landwirtschaft vor Ort und dessen Anbaumethoden. Der erste Stopp führte uns in das relativ wohlhabende Dorf Xihou am Rande des Sees, 18 km entfernt von der Altstadt Dalis. Die Architektur der Häuser in Dali war ein deutlicher Gegensatz zur Architektur in Lijiang. Anders als in Lijiang war in Dali primär die Bai Bevölkerung vorherrschend. Die Bais sehen die die Farbe Weiß als besonders rein an, weshalb Sie auch ihre Häuser in einer weißen Farbe streichen. Somit ist hier anders als in Liljiang nicht die Holzoptik der Häuser vorherrschend. In Xizhou selber leben heutzutage nur noch 32.000 Menschen, ist jedoch besonders bekannt für die gut erhaltenen historischen Bai Häuser. Und diese Häuser haben wir uns auch genauer angesehen. Mit unserem Guide ging es nach einer Stärkung mit einer Rosenpizza und einer weiteren Spezialität der Region durch die gut erhaltenen mehrere Jahrzehnte alte Häuser. 

Auch der Besuch des dortigen Marktes stand auf unserer Agenda. Besonders die Hühner, die sich leider nicht auf der Stange sondern zu zwanzigst in einem Käfig befanden, erreichten meine Aufmerksamkeit. Das Gerät welches die Federn vom Tier entfernte wäre meiner Meinung nach aufgrund von Tierquälerei in Deutschland nicht zugelassen. Doch schnell hatten wir die Tiere auch hinter uns gelassen und es ging weiter zu unserem nächsten Stopp. Wir hielten Zhoucheng Village, welche bekannt ist fürs batiken und besuchten ein Museum bzw. einen Shop welcher uns die Vielfalt näherbringend sollte. Durch meine nicht gerade ausgeprägte Kreativität und meinen Patschehände war ich höchst beeindruckt in welcher kleinteiligen Arbeit und Filigranität man batiken und welche Kunstwerke man damit alles kreieren kann. Weiter ging es am See entlang zu einem wirklich höchst romantischem Touristenort. Hier haben wir uns von unserem Fahrer für die Mittagspause verabschiedet, sind ein wenig die Gässchen entlanggelaufen und haben Reisnudeln gegessen. Für mich wirklich sehr lecker. Für die beiden Chinesinnen eher mittelmäßig.

Nach der Mittagspause haben wir unseren Weg um den See herum fortgesetzt. Dabei nimmt der See eine Fläche von 215 qkm ein und ist somit der siebtgrößte See Chinas. 116 km haben wir im Laufe des Tages zurückgelegt um diesen einmal zu umrunden. Immer wider hielt der Fahrer an um uns die besonders schönen Flecken des Sees zu zeigen und um uns zu helfen durch wunderschöne Fotospots Instagram-Profis zu werden.

Müde und voller neuer Eindrücke erreichten wir um ca. 16 Uhr das Hostel. Ich habe mich an diesem Tag für die verkehrte Reihenfolge entschieden und nach dem Vergnügen die Arbeit angestrebt. Denn: Meine Wäsche musste noch gewaschen werden. Durch die zeitlich falsche Angabe der Waschmaschine nahm dies dann auch den restlichen Tag in Anspruch.Abends ging ich noch mit Gaily sehr sehr lecker essen. Es gab Schweinerippen mit einer Art Tofupommes, Tofuchips, Gemüse und Reis. Nachdem wir noch ein wenig durch die Altstadt geschlendert sind, ging es auch ins müde ins Bettchen.

Am nächsten Morgen wollte ich mir noch ein wenig die Altstadt von Dali ansehen. Und nachdem ich mit einem Käsebaguette (Die Party in meinem Magen könnt ihr euch nicht vorstellen) frisch gestärkt meine Sachen gepackt hatte ging es los. Doch im Vergleich zu Lijiang hat mich Dali nicht vom Hocker gehauen. Natürlich waren die Häuser sehr schön und faszinierend, meiner Ansicht nach war die Charme der Stadt jedoch keines falls vergleichbar. Um 12 Uhr musste ich auch schon zurück, denn um 1 Uhr begann meine 26 stündige Reise nach Zhangjiajie – Die Avatar Felsen erwarten mich. Und hier sitze ich gerade im Zug, habe mich glücklicherweise für die gepolsterte Liege entschieden und ein ganzes Viererabteil für mich. In ca. 4 Stunden sollte ich das Ziel erreichen und ich bin wirklich mal gespannt wie meine Reise weitergehen wird. Aber alle Spekulationen bringen nichts. Die Zeit wird zeigen was passieren wird ;)

28November
2019

Bis ins kleinste Detail

Lijiang – Bevor ich die Altstadt erkundete waren mein Wissen und meine Erwartungen an diese Stadt minimal. Es beschränkte sich darauf, dass die Stadt damals ein Knotenpunkt des Handels war und es sich um ein UNESCO Weltkulturerbe handelt. Da ich noch Dinge im Internet erledigen musste, war es für mich diesmal unerlässlich in einem Hotel mit sehr gutem WLAN zu nächtigen. Der erste Versuch war leider direkt ein Reinfall. Plüschtiere gab es zwar an jeder Ecke im Innenhof  (die Einsamkeit wurde damit natürlich minimiertwink) und auch das künstliche Gras im Aufenthaltsbereich verstärkte den Kitschigkeitsfaktor, aber der wichtigste Aspekt konnte  nicht erfüllt werden: Das WLAN war in den letzten Tagen kaputt gegangen. Auch das brettharte Bett (an das Schlafen auf einem Brett habe ich mich immer noch nicht gewöhnt) erleichterte meine Entscheidung mir für die nächsten Tage ein anderes Hotel zu suchen. Die nächste Wahl war dafür ein voller Erfolg. Neben einer Heizung im Zimmer (wirklich eine Rarität), gab es eine Heizdecke und als riesigen Bonus sogar eine beheizte Klobrille. Die Beleuchtung am Abend (der Eingang diente bei Vorbeigehenden häufig als Fotokulisse) sorgte für eine wirklich wunderschöne und romantische Atmosphäre. Mit den Hoteleigentümern habe ich während meines Aufenthaltes ein Pläuschchen gehalten. Neben eines Rosentees baten Sie mir Küchlein gefüllt mit Rosenblättern an. Wirklich ein interessanter Geschmack und für jedes Leckermäulchen bestimmt ein großartiger Snack.  

Ruhige Tage habe ich in dieser wirklich wunderschönen Altstadt verbracht. Bis ins kleinste Detail war diese dekoriert. Blumen blühten überall, Lichterketten versprühten ihren eigenen Charme in der Nacht und die Renovierungen der Altstadt haben zum Erhalt der Atmosphäre beigetragen. Stundenlang bin ich durch die Gässchen geschlendert, habe Fotos gemacht und in den  Geschäften gestöbert. Eine Straße war voller Lampions und eine weitere hatte eine Decke aus asiatischen Schirmen. Fast schon kitschig, stellten sie eigentlich die perfekte Kulisse für Instagram Bilder da. Da mir der Fotograf für Bilder dieser Art fehlte machte ich mich an den Versuch die Straßen ohne jeglichen menschlichen  Einfluss abzulichten. Die große Fläche der Altstadt sorgte dafür, dass ich selbst am dritten Tag immer noch wunderschöne Kleinigkeiten der Stadt entdeckte. Beispielsweise die kleinen Glöckchen die ein „Flüsschen“ begleiteten oder ein Baum voller aufgeschriebener Wünsche. Die Blumen, die Wasserkanäle mit den 300 Brücken und die wirklich individuelle Architektur sorgten für eine Schönheit, die nicht in Worte zu fassen ist. Diese Schönheit lässt es auch zur Nebensache werden, dass die Altstadt ganz den Touristen gehört. Wie mir das Internet hinterher verrät, über 11 Millionen Besucher hat Lijiang in einem Jahr. Mitte/Ende November hatte ich jedoch Glück und aufgrund der Nebensaison traten die Horrorvorstellungen nicht ein. Zwar war es aus meinen deutschen Augen gut gefüllt, jedoch war nach Aussage meiner Herbergseltern gar nichts los. Ein Kaffee über den Dächern von Lijiang mit einem Himbeer-Käsekuchen, meinem Buch und Sonnenschein im Gesicht, diese Zeit wird mir wohl lange in positiver Erinnerung bleiben. Auch der Ausblick vom Heilongtan Sees auf die Bergkette des Yulong Xueshan (Jadedrachen Schneegebirge) mit dem Pavillon De Yue Lou („Garten des wiedergewonnenen Mondes“) ist eine weitere bleibende Erinnerung. Einiges an Zeit habe ich in dem Park verbracht, den Ausblick genossen und in „Crazy Asian Girlfriend“ die Geschichte von Rachel und Nick nachverfolgt. Wollte ich eigentlich an einem Morgen den Elephant Mountain besteigen, hat mich das Hinweisschild am Eingang, den Pfad nicht unter 4 Personen zu betreten und die Warnungen im Internet hinsichtlich vergangener Gewalttaten gegenüber Frauen davon abgehalten diesen Aufstieg zu wagen. So habe ich mich darauf beschränkt, traditionell bekleidete Frauen beim tanzen zuzusehen und vor schlecht singenden Karaokesängern zu fliehen. 

Schnell ging die Zeit in Lijiang vorbei. Der Charme der Altstadt hat mich dabei voll getroffen. Jedoch sorgte die Zeit im Hotel auch dafür, dass sich bei mir eine gewisse Einsamkeit einstellte. Glücklich darüber im nächsten Ort ein Hostel gebucht zu haben machte ich mich 27ten November morgens auf den Weg um nicht den Zug nach Dali zu verpassen. 

24November
2019

3200 Meter und die Auswirkungen auf meinen Körper

Shangri-La ist eine überwiegend von Tibetern und Naxi bewohnte kreisfreie Stadt im Nordwesten der chinsesischen Provinz Yunnan und Regierungssitz des Autonomen Bezirks Dêquên der Tibeter. Shangri-La hat circa 130.000 Einwohner und liegt auf einer Höhe von 3200 Metern. 3200 Meter Höhe – Da kann die Höhenkrankheit auftreten? Aber doch nicht bei einem gesunden jungen Menschen, oder? Das dachte ich zumindest als ich mich auf den Weg nach Shangri-La machte. Schon im Nachtzug ging es mir nicht so gut, was ich jedoch eher auf die lange Fahrt schob und im Bus verbesserte sich mein Magen auch nicht gerade. Doch ein kleines Nickerchen wird es wohl richten, dass dachte ich zumindest. Kaum bin ich nach einer wirklich ermüdeten Fahrt im Hotel angekommen traf mich der Schock: Es waren gefühlte -1°C im Hotelzimmer. Verzweifelt wurde die Hoteleigentümerin angeschrieben, ob man das Zimmer ein wenig aufheizen könnte. Und Glück haben, dass kann ich ja. Für 5 Euro die Nacht konnte ich mir einen Heizlüfter leihen, welcher die Temperaturen doch ein wenig verbesserte und auch die Heizdecke sorgte dafür, dass ich in der Nacht keinen Kältetod starb. Auch heißes Wasser gab es im Hotel und das Zimmer an sich war wirklich sehr schön. Für 10 Euro die Nacht hatte ich ein riesiges Doppelbett, viel Platz und ein eigenes, sauberes Bad. Doch nach einer heißen Dusche übermannte mich eine Schlappheit, die ich als aktive Person sonst sehr selten kenne. Den restlichen Tag verbrachte ich deswegen als Serienjunkie und Leseratte im Hotelzimmer und versuchte zu schlafen. 

Am nächsten Morgen wollte ich voller neuer Energie loslegen. So war zumindest der Plan. Und wirklich, zwar war ich noch ein wenig geschwächte, fühlte mich aber bereit den Tag zu starten. Und so ging ich los um die Altstadt und den Tempel ganz in der Nähe des Hotels zu erkunden. Das Hotel, so sollte ich im Laufe des Tages noch herausfinden, hatte auch wirklich eine sehr außergewöhnliche Lage. Vom Innenhof konnte man die Treppenstufen hochsteigen und hatte genau unter dem Tempel eine Liegefläche mit Aussicht auf die Dächer von Shangri-La. Wirklich traumhaft schön. Auch der Spaziergang durch die Altstadt war ein Erlebnis. Zwar ist Shangri-La 2014 durch ein Feuer ziemlich zerstört worden, jedoch sind in den letzten Jahren viele Renovierungen vorgenommen worden. Holzhäuser mit einer individuellen Architektur versprühten ihren eigenen Charme. Das es sich um eine chinesische Touristenstadt handelte, wurde einem nach dem ersten Überblick jedoch auch immer deutlicher. Chinesinnen mit Stöckelschuhen und dünnen Kleidern die versuchten die Treppenstufen des Tempels zu besteigen, war ein allgegenwärtiges Bild. Genauso wie die Touristenstände die sich alle 5 Meter wiederholten und jeglichen Schnick Schnack verkauften. Und dann wagte ich mich an den Aufstieg des Guishan-Tempels. Das Kloster liegt zentral in der Stadt und erstreckt sich über den Schildkrötenberg. Dieser hat mit 21 Metern die größte Gebetsmühle der Welt welche mindestens 6 Leute benötigt um in Gang gebracht zu werden.

 

Normalerweise wäre dieser Aufstieg ein Klacks. Ein paar vereinzelte Stufen nach oben und dann ist es schon geschafft. Doch die dünne Luft die hier vorherrschte, machte das ganze doch zu einem schwierigerem Vorhaben. Luft habe ich gefühlt keine bekommen und die Erschöpfung trat schon nach 10 Stufen ein. Doch es hat sich gelohnt. Oben wartete eine atemberaubende Architektur auf mich und zum ersten Mal sah ich tibetische Gebetsfahnen. Die Fotokulisse war wie aus einem Bilderbuch und die spirituelle Atmosphäre mit nichts zu vergleichen was ich bisher erlebt habe. Doch die Erschöpfung trat nach dem Abstieg vollkommen ein, sodass eine Mittagspause im Hotel anstand. Die Hoteleigentümerin war mir wirklich eine große Hilfe und organisierte mir eine Fahrt zum Songazalin Tempel. 1679 hatte der fünfte Dalai Lama – Ngawang Lobsang Gyatso – den chinesischen Kaiser Kangxi um die Genehmigung gebeten, hatte selbst den Ort ausgewählt, den Tempel aufgebaut und ihm seinen Namen gegeben.  Und so einen Tempel habe ich noch nie gesehen und ist wirklich mit nichts zu vergleichen, was ich bis dahin kannte. Groß und wirklich beeindruckend war schon die Kulisse am Horizont. Und alles was ich dann sah raubte mir den Atem und kann nicht in Worte gefasst werden. Ich hoffe die Bilder können euch ein besseres Bild vermitteln, was mir hier eindeutig nicht gelingt. Voller spiritueller Atmosphäre erfüllt wollte ich noch eine Runde um den See drehen um die Natur ein wenig zu erkunden. Doch was mich auf dem Weg erwartete, war ein reiner Nervenkitzel. Auf dem Weg gab es freilaufende Yaks und eines muss man sagen, die Hörner der Tiere und auch ihre aggressive Außenwirkung machte es nicht gerade zu einer schönen Vorstellung an diesen Tieren ohne jeglichen Schutz vorbeizulaufen. Doch da die Tiere meine Anwesenheit wohl sehr genossen war ich irgendwann eingekesselt und dann dachte ich mir: Augen zu und durch. Einen Rückweg gibt es jetzt sowieso nicht mehr. Also wurde mein Mut zusammengefasst, die Hörner der Tiere ignoriert und wagemutig bin ich an den Tieren vorbeigelaufen. Liebe Yaks, ich danke euch hiermit vielmals, dass ihr eure Hörner nicht an mir ausgetestet habt! Nach meinem Spaziergang bin ich dann mit dem Bus zum Hotel gefahren und da es mir wirklich relativ gut ging habe ich mich entschieden etwas nicht so fettiges essen zu gehen und entschied mich für einen Yak Hot-Pot (Ja, vielleicht auch als Strafe für die grauen Haare, die die se Tiere mir an diesem Tage beschert haben laughing). 

Doch in der Nacht verschlechterte sich mein Zustand wieder etwas, sodass ich mich am nächsten Morgen entschied nicht zum dritten Tempel Shangri-Las hochzulaufen und stattdessen  die Höhenmeter zu reduzieren und den Bus zurück nach Lijiang zu nehmen. Und schon jetzt merke ich wie sich während der Busfahrt mein Zustand verbessert. Also das nächste Mal, wenn ich wieder über 3000 Höhenmeter fahre, werde ich mich auf jeden Fall besser akklimatisieren. Doch trotz aller Wiederstände hat sich der Ausflug mehr als gelohnt. Die spirituelle Atmosphäre und die Einzigartigkeit der Stadt hat mich vollends mitgenommen und wird mir immer in Erinnerung bleiben!

22November
2019

Ein Flugzeug in ein weiteres Abenteuer

Ein richtiges Nervenbündel verließ am Mittwoch dem 20.11.2019 das Apartment. Was soll das wohl werden fragte ich mich: 3,5 Wochen bin ich nun einmal quer durch China alleine unterwegs. Meine chinesisch Kenntnisse sind minimal ausgeprägt und ein wenig Naivität (mir wird schon nichts passieren) habe ich auch im Gepäck. Der Wanderrucksack war mit seinen 16 kg, das sollte ich am Flughafen erfahren, auch gepackt und mit der Metro ging es dann zum Flughafen. Natürlich war ich mal wieder viel zu früh, 2 Stunden später ging es jedoch mit China Eastern Airline los: Kunming eine Stadt in der Yunnan Provinz erwartete mich. Wikipedia hat dazu zu berichten: Die Yunnan Provinz ist eine Provinz im Südwesten der Volksrepublik China. Mit 394.100 Quadratkilometern ist sie etwa so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen. Nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf war es 2015 die zweitärmste Provinz der Volksrepublik China. Nach einem erfolgreichen Flug und einer anschließenden Metro Fahrt erreichte ich gegen Abend das Lost Garden Guesthouse und das es keine Hauptreisezeit war sollte ich direkt bemerken: Ein Sechser-Zimmer nur für mich. Somit konnte ich nach meiner Ankunft ganz in Ruhe noch mit meinen Liebsten in der Heimat telefonieren und habe mich anschließend auf die Suche nach etwas essbarem gemacht. In der Nähe vom Hotel gab es ein kleines Restaurant, in dem es kalte Nudeln und eine typische Nachspeise der Region gab. Frisch gestärkt wollte ich mir vor dem Schlafengehen noch einmal die Dachterasse des Hotels angucken und kam dabei ins Gespräch mit einer tibetischen Familie. Meine fehlenden Chinesischkenntnisse und ihre fehlenden Englischkenntnisse machten das Gespräch etwas stockend aber die moderne Welt machte mit einem Übersetzer immerhin eine Kommunikation möglich. Nach einem gemeinsamen Tee begrüßte ich glücklich die Traumwelt.

Der nächste Morgen ging nach dem Auschecken ganz gemächlich los. Ich bin ein wenig durch die Gegend des Green Lakes geschlendert und es war wirklich schön. An jeder Ecke des Sees konnte man Futter für Möwen kaufen und diese Mästung der Tiere führte dazu, dass man an einem Fleck in China mehr Möwen erspähen konnte, als an der Nordsee. Die Sonne schien und die höchst aufgeregten Chinesen machten den Spaziergang zu einem echten Erlebnis. Zum Frühstück wollte ich mich mit einem chinesischen Grüntee stärken und ließ mich deswegen in einem Teehaus nieder. Mein Kindle wurde ausgepackt und die Geschichte der Crazy Rich Asiens weitergelesen. Doch auch in dem Teehaus blieb ich nicht lange alleine. Mir gegenüber saßen vier ältere Personen, die mich schon länger beobachteten. Plötzlich kam eine Frau vorbei, bat mir Äpfel, Mandarinen und Kürbiskerne an und lud mich ein mich zu Ihnen zu setzen. Mit Händen und Füßen versuchten wir eine Kommunikation zu starten und ich schaffte es sogar mit meinen Chinesischen Kenntnissen zu verstehen, dass ein Pärchen aus Dali und eines aus Lijiang kam. Zu beiden Orten wird mich meine Reise in den nächsten Woche noch bringen und natürlich werden auch darüber weitere Berichte folgen. Nach einiger Zeit gaben Sie mir zu verstehen, dass ich ihnen folgen sollte. Wieso und Warum, dass war mir nicht ganz so klar. Aber da ich nicht viel auf der Agenda hatte bin ich ihnen einfach gefolgt. Gebracht haben sie mich zu einer Art Touristenrestaurant, in dem Sie eine Art Nudelsuppe für mich bestellten. Das Essen wurde begleitet von traditionellen Tänzen und Gesängen und stellte für mich wirklich eine Besonderheit dar. Nach dem Essen haben wir uns verabschiedet und ich machte mich auf dem Weg zum Yuatong Tempel. Die Baustelle vor dem Eingang sorgte für ein Versteckspiel der Extraklasse und nach dem ich das dritte Mal daran vorbeigelaufen bin fand ich den Eingang endlich. Der Yuantong Tempel ist der größte und aktivste Tempel in Kunming mit einer Geschichte von mehr als 1.200 Jahren. Diese hat man Ihm auch wirklich angesehen. Spannende Kunstwerke und eine spirituelle Atmosphäre erwartete mich. Anschließend bin ich noch ein wenig durch die Altstadt geschlendert und habe den Bird und Flower Markt gesucht, der sich am Ende als enttäuschend herausstellte. Vereinzelte Blumen und Vogelstände waren zu finden und auch Hunde wurden verkauft. Sogar mir, als nicht gerade der größten Hundeliebhaberin, taten die Tiere leid, denn der Freiraum der Tiere war doch ziemlich eingeschränkt. Voller neuer Eindrücke ging es nach einem Abendessen zurück zum Hostel, ich habe mich frischgemacht und mich anschließend auf den Weg zum Bahnhof begeben. Ein Nachtzug und eine anschließende Busfahrt von insgesamt 15 Stunden nach Shangri-La erwartete mich. Das mir die anstrengende Fahrt und vor allem die Höhe von Shangri-La zum Verhängnis werden sollte, dass wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

12November
2019

10.000 Treppen zum knackigen Po

Eine Dreitagestour mit 10 Austauschstudenten – Was kann das nur geben? Es stellte sich heraus, alleine der Anfang war schon sehr chaotisch. Nachdem wir Business Ethics hinter uns gebracht haben sind wir sind wir mit der U-Bahn zum Bahnhof gefahren. Normalerweise hatten wir genug Zeit eingeplant, aber kaum waren wir an der frischen Luft kam es zur ersten Zeitverzögerung. Ein Ticketschalter war nicht zu finden. Wie aufgeschreckte Heuschrecken liefen wir über den Bahnhofsvorplatz. Kurz bevor sich die Panik aufgrund der voranschreitenden Zeit einstellen sollte war der Ticketschalter gefunden und ein weiterer Stein wurde uns in den Weg gelegt: Die Passnummer von Anne-Claire wurde falsch hinterlegt. Aufgrund der fehlenden Kompromissbereitschaft der Mitarbeiterin und der Nebensächlichkeit, dass der Zug ausgebucht war, verzögerte die Zeit weiter und die Stimmung zwischen uns allen wurde immer nervöser. So kam es, dass fast alle sich auf den Weg zum Gate machten um den Zug auf jeden Fall zu erreichen. Dennis, der während unseres Trips auf jeden Fall häufiger als Retter agierte, konnte mit seinen hervorragenden Chinesischkenntnissen glänzen, beschaffte Anne-Claire nach einigem Verhandeln noch einen Platz im Zug und schaffte es sogar noch rechtzeitig diesen zu erreichen. Doch auch das italienische Temperament kam bei Einigen heraus, was uns Deutsche doch einige graue Haare bescherte. Soweit so gut. Schon bei der Buchung des Hotels und des Zuges wussten wir nicht genau wo es hinging, doch als uns dann noch die Schaffnerin im Zug fragte, was wir denn bitte in Danxiashan wollten, zweifelten wir doch ein wenig an unserer Destination und warteten gespannt auf die Ankunft. Drei Stunden später stiegen wir aus dem Zug und blickten uns um: Ein menschenleerer Bahnhof und wir waren die Einzigen die an diesem Ort ausstiegen. Was soll das nur geben, fragten wir uns. Auch vor dem Bahnhof gab es kein Taxi und keine größere Straße weit und breit. Doch Dennis war wieder voll in seinem Element. Er fragte den Bahnhofsvorsteher um Hilfe, welcher uns Wiederrum einen Minivan bestellte mit welchem wir unser Ziel erreichten. Kaum im Hotel angekommen wurde ein weiterer Stereotyp bestätigt: Nach anregender Diskussion haben die Jungs es endlich geschafft die Betten aufzuteilen, wohingegen  wir vier Mädels uns nach fünf Minuten einig waren.  Die Betten unserer 5* Unterkunft waren hart wie der Boden und von einer europäischen Toilette konnte man nur träumen. Doch es war  relativ sauber (gemessen natürlich an chinesischen Verhältnissen) und die Eigentümerin wirklich sehr nett. Nachdem dann die Diskussion im Flur endlich verstummten, machten wir uns auf dem Weg zum Restaurant, das uns im Hostel empfohlen wurde. Neben dem normalen Chinesischen Essen wurde von Dennis eine Spezialität der Region bestellt. Hund oder Ratten vieles hatten wir erwartet, dass es am Ende Schnecken wurden, damit hatte jedoch keiner gerechnet. Diese wurden zum Geck des Abends, da das Haus für uns Europäer ein sicherer Schutz darstellte um gegessen zu werden. Nur Alex wurde zum richtigen Chinesen und hatte am Ende den Dreh raus, wie man das Fleisch nach mühsamer Arbeit erreicht. Der Biervorrat des Restaurants wurde von uns noch etwas reduziert und nach einigen Runden Uno sind wir müde ins Bett gefallen.

Der nächste Tag begann um 9 Uhr. Bezüglich des Frühstücks waren wir jedoch gespaltener Meinung. Während die eine Hälfte sich Brot (meiner Meinung nach eher süßen Kuchen) im Supermarkt zum Frühstück holte, passte sich die andere Hälfte an die chinesischen Gegebenheiten an und aß Dumpings, Fried Rice und Nudeln zum Frühstück. Gut gestärkt konnte der Tag somit starten. Diese Stärkung brauchten wir auch. Mit den Bus ging es an das andere Ende des Nationalparks und wir legten mit unserer Wanderung los. Die Natur war wirklich sehr schön. Rote Kalksteinfelsen, die ein wenig an den Grand Canyon erinnerten, und Berge, die sich deutlich von den Alpen unterschieden. Die Wanderwege waren gut ausgeschildert und gefühlte 10.000 Treppenstufen ging es für uns hoch um den Peak zu erreichen. Die Unebenheit und die große Steigung (manchmal um die 70 Grad) machten aus der Wanderung eher eine Kletterei. Doch irgendwann war es geschafft und vollgeschwitzt erreichten wir den Hochpunkt des Berges. Oben angekommen schien zuerst einmal alles alles sehr harmlos. Die ersten Fotos wurden gemacht und die Aussicht genossen. Doch plötzlich geschah es: Nachdem sich nach einiger Beobachtung der erste Chinese getraut hat uns nach einem Foto zu fragen ging das Fotoshooting erst richtig los. Wie in einem Hühnerstall ging es dabei in dem Pavillon auf der Bergspitze zu. Jochem und Maarten erzielten dabei die größte Aufmerksamkeit und das Beiden kein Liebesbrief zugesteckt bekamen war auch schon alles :D. Nachdem auch das fünfte Gruppenfoto geschossen wurde wurde es uns zu viel und wir machten uns an den Abstieg. Die Wanderung führte uns danach vorbei an einem Höhlentempel und atemberaubenden Aussichtsplattformen. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch den See erreicht, das Foto geschossen, was man immer sieht wenn man Danxia Mountain googelt.

Anschließend sind wir unseren knurrenden Mägen gefolgt und haben eine Art Bootstaxi zurück zum Startpunkt genommen. Zurück ging es mit dem Bus wieder Richtung Hotel. Auf dem Weg nahmen wir noch unser Nachmittagsessen ein (es war inzwischen schon ca. 3 Uhr), welches wirklich hervorragend schmeckte. Es gab Hähnchen in 2 verschiedenen Varianten (inklusive Kopf und Füßen), Rind mit Paprika, chinesisches Gemüse mit ganz viel Knofi, Kartoffeln, Schweinerippen und natürlich Reis. Nach dem Schmaus hielten wir alle einen kurzen Nap und trafen uns eine Stunde später wieder um eine weitere Wanderung durchzuführen. Eigentlich war unser Plan den Berg hochzulaufen und den Sonnenuntergang zu sehen, doch die Natur machten uns einen Strich durch die Rechnung. Wolken zogen auf und auch auf dem von uns höchsten zu erreichbaren Punkt versperrten uns Bäume die Sicht sodass es unmöglich war dieses romantische Ereignis erleben zu können. Doch der Ausflug war nicht umsonst. Die Natur hat an diesem Ort Wunder vollbracht. Ein Fels hat durch Naturereignisse die Form eines Penis angenommen. Mitzuerleben wie die Chinesinnen auf diesen Anblick reagieren war wirklich ein Erlebnis. Laut wurde aufgelacht und ganz aufgeregt Fotos in jeden erdenklichen Posen geschossen. Die Abenddämmerung ließ nicht zu, dass wir an diesem Tag noch weiter wanderten, weshalb wir uns erneut ins Hotel bewegten und später am Abend bei Bier und Essen den Abend ausklingen ließen. 

Eine Bootsfahrt die ist lustig eine Bootsfahrt die ist schön. Das war das Motto unserer letzten paar Stunden im Nationalpark. Unser Frühstücksritual wurde wiederholt und nach kurzer Wartezeit betraten wir das Boot, welches uns auf eine 1,5 stündige Tour gemächlich durch den Nationalpark schippern sollte. Das dachten wir zu mindestens. Die Realität war jedoch leider ein wenig abweichend von unserer Vorstellung. Wir durften nicht am Deck des Bootes sitzen und die Beschallung auf chinesisch mit einem wirklich „trommelfellplatzenden“ Sound machten die Bootsfahrt nicht gerade angenehm. Nach ca. 30 Minuten Fahrt machten wir einen Stopp von 45 Minuten an einer kleinen Teeplantage. Dieser war wirklich ganz nett. Die Aussicht über die Berge von oben war wirklich toll und auch durch die Teeplantage zu spazieren ein schönes Erlebnis. Noch vor Ende der doch sehr großzügig kalkulierten Zeit trafen wir uns wieder beim Boot und ohne jegliche Beschallung ging es wieder schnurstracks zurück zum Startpunkt unserer Reise. Wir holten uns anschließend nur noch etwas zu essen, stiegen in das Taxi und nahmen den Zug nach Guangzhou. Arthur und mich erwartete noch eine Gruppenarbeit für Business Ethics, die wir natürlich voller Freude erwarteten. Samstag und Sonntag hatte ich noch Uni und diese Woche ist voll von vier Klausuren und einem Vortrag. Doch ab nächster Woche wird es hier im Blog wieder sehr aufregend. Seid gespannt was kommt, doch eines kann ich versprechen: Langweilig wird es nicht smile.

 

04November
2019

Normaler Alltag auf einem anderen Kontinent

Schon über zwei Wochen ist es her, dass Keno wieder geflogen ist und Ihr seine großartigen Schreibkünste genießen konntet. Natürlich ist die Aussicht die wir Beide gemeinsam haben wunderschön, jedoch fiel mir die erste Woche nicht so leicht. Die Trennung über einen Kontinent hinaus ist dann doch noch etwas anderes als die innerhalb Europas. Außerdem hatte ich die letzten zwei Wochen einen fast routinierten Unialltag am anderen Ende der Welt. Somit gab es nicht besonders viel zu berichten, weshalb der letzte Blogeintrag ein wenig her ist. Doch bevor es Mittwoch mit anderen Austauschstudenten für drei Tage zum Danxia Mountain geht, wollte ich euch noch einmal auf den aktuellen Stand der Dinge bringen. Die Woche nach Keno's Abreise gab es einen wirklich lustigen Barabend  in dem das von Keno und mir sehr gefeierte Youno Spiel ausgepackt wurde. Unsere Kreativität bezüglich dem Erfinden neuer Regeln und ein spitzen Ausblick auf den Kanton Tower führten zu einem höchst gelungenen Abend. Die Tage vor der Klausur am Freitag habe ich ein wenig den Vorlesungsstoff wiederholt. Doch der wunderschöne Unicampus und die 27-30°C Außentemperatur sorgten dafür, dass es mit einem Mango Smoothie in der Hand gar nicht mal so schlimm war seine Klausurenzusammenfassung zu machen.

Die absolvierte Klausur musste natürlich gefeiert werden. Glücklicherweise war ich Freitag und Samstag auf zwei Hausparties  eingeladen, welche beide unter dem Motto Halloween standen. Meine roten Haare  und meine höchst ausgeprägte Kreativität machten es mir mal wieder einfach eine Kostümentscheidung zu treffen. So verwandelte ich mich nach Kauf eines Hutes in eine waschechte Hexe (wie so mancher von euch bestätigen würde: Dafür muss ich eigentlich keinen Hut aufziehen wink). Gelernt habe ich bei der Hausparty folgendes: Ein einziger Shot vom sehr günstigen chinesischen Reisschnaps sorgt am nächsten Tag für tierische Kopfschmerzen und einem Kater den ich durch meinen sehr vernünftigen Alkoholkonsum (und das meine ich nicht ironisch laughing) wirklich nicht verdient hatte. Am nächsten Tag schlenderte ich nach Besuch der Vorlesung Project Management durch die Beijing Road, kaufte mir neuen Grüntee und genoss die touristische Seite der Stadt. Abends habe ich mich dann mit Johanna und Dennis getroffen um unseren Trip zum Danxia Mountain zu planen. Der Zug und das Hostel wurden gebucht und am Mittwoch geht es dann los. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich über die Möglichkeit eine weitere Ecke Chinas sehen zu können. Bis es los geht müssen morgen noch drei Gruppenarbeiten abgeschlossen werden, weshalb eine Berichterstattung erst wieder über den Nationalpark stattfinden wird smile