Berichte von 12/2019

31Dezember
2019

Auf ein Bier mit den Königen

Conni hat in ihrem letzten Blogeintrag damit geendet, dass ich mich „wie ein kleines Kind“ auf den Flug nach Hue freuen würde. Diese Vorfreude auf ein abenteuerliches südostasiatisches Flugerlebnis sollte sich auch als gerechtfertigt erweisen- Unser Flug wurde von VietjetAir durchgeführt, eine stark expandierende Airline mit reichlich Kapazitätsengpässen in der Flotte. So kam es das wir mit 2 Stunden Verspätung unser Flugzeug bordeten. Die rustikale Maschine und ihre Crew hatte die vietnamesische Fluggesellschaft aus Moldawien geleast. Angesichts soviel Globalisierungs-Exotik verlief der Flug dann ziemlich ruhig, denoch gehören Conni und ich nun zu den wenigen Menschen die Ihren ersten gemeinsamen Flug mit einer Airline aus Moldau verbringen durften. Unser Homestay hatte einen Fahrer organisiert, welcher uns am Flughafen in Hue abholen sollte. Dieser stand dann auch am Ausgang der Ankunftsebene mit einem mit unseren Namen versehenen Pappschild bereit. Mit einem Augenzwinkern stellten wir fest, dass wir wohl ziemliche VIPs sind und fuhren anschliessend zu unserem Homestay. Da es durch die Verspätung des Fluges mittlerweile spät war, stand die Suche nach Essbaren ganz oben auf unserer Agenda, nachdem wir in unserer Unterkunft eingecheckt hatten. Dabei stellten wir schnell fest, dass die kulinarischen Möglichkeiten (zumindest in fussläufiger Nähe zu unserem Homestay) doch stark divergierten zu dem was beispielsweise Hanoi geboten hatte. Die meisten Lokale firmierten unter dem Motto „Beer and Coffee“. Die Affinität zum Alkohol- und insbesondere Bierkonsum fiel uns in Hue besonders auf. Unsere erste Anlaufstelle war ein Lokal wo diese Auffälligkeit besonders ausgeprägt war. Ein Bistro aus dem laute selbstgemacht Musik erklang und dazu trunkene Männer sangen schien für Conni genau das richtige für ein zünftiges Abendessen. Da ich, bedingt durch die latente Reizüberflutung, zu träge war rechtzeitig Einwände zu erheben (und Conni darauf hinzuweisen, dass der Boden unter dem Tisch zweier Männer unweit des Lokaleingangs über und über mit zerdrückten Bierdosen übersät war) zog mich Conni auch schon in das Bistro. Spätestens als dann tatsächlich unser geordertes Essen gebracht wurde zeigte sich, dass meine Skepsis durchaus angebracht gewesen war und so zogen wir nach wenigen Bissen des kaum geniessbaren Essens weiter. Aufgrund des niedrigen Preisniveaus sind derartige (kulinarische) Fehltritte kein Problem. Da unsere Mägen immer noch knurrten gelangten wir an einen Strassenstand, wo wir auf winzigen Plastikmöbeln hockend weitere Speisen (diesmal lecker) zu uns nahmen. Danach ging es ins Hotel um in den nächsten Tag (unser einziger vollständiger Tag in Hue) mehr oder weniger ausgeschlafen rein zu starten. 

Am nächsten Tag galt es für uns das Unesco Weltkulturerbe von Hue zu erforschen – nämlich die ehemaligen Palastanlagen aus dem frühen 19. Jahrhundert (die Nguyen Dynastie hauste hier unter anderem). Auch wenn Hue während des Vietnamkriegs massiv zerbombt wurde, so ist doch noch einiges von diesem faszinierenden historischen Gesamtkomplex erhalten. Wir bestaunten die früheren Palastanlagen, die Zitadelle, Pagoden und die Mauer der historischen Palastanlage. Parallelen zum Römerdorf in Xanten (welches ich zu meiner grossen Freude in der Vergangenheit bereits besichtigen durfte) können durchaus gezogen werden, was die Größe des riesigen Areals betrifft. In den Seen der Gärten innerhalb des Palastes schwammen Koi-Karpfen. Für 5000 Dong konnte man Futter erwerben und die bisweilen riesigen Fische füttern – was wir beide mit grossem Vergnügen taten! smile

Nach einigen Stunden im Palast zog es uns danach in das moderne Stadtzentrum von Hue. Wir überquerten den Parfümfluss und tranken einen Kaffee in der „Boulangerie Francaise“ – was ein durchaus treffender Name für einen französischen Bäcker ist. Dort gab es für mich auch ein delikates Schokocroissant, wobei der Genuss mit der Entdeckung einer riesigen Ratte in den Räumlichkeiten des Cafes zumindest ein wenig getrübt wurde. Da ebenso das Wetter ziemlich trüb wurde (ein ständiger Nieselregen begleitete uns an diesem Tag) entschieden wir uns für eine Pause in unserem Homestay. Abends ging es für uns noch in ein wirklich leckeres Bistro, wo wir Banh Khoai und New Lim aßen. Ersteres sind Schweinefleischspiesse die im Zitronengrass gewickelt sind, zweiteres sind Reispfannkuchen mit Ei und Shrimps. Heute packten wir nach unserem Frühstück im Homestay unsere Rucksäcke und gegen Mittag ging es in unseren Nachtbus welcher uns nach Hoi An bringen wird. Der Nachtbus verfügt über Betten, welche wir eigentlich nicht brauchen, da wir nur 3,5 Stunden unterwegs sind – dazu noch mitten am Tag. Momentan „liege“ ich in einem dieser „Betten“ und schreibe diesen Blogeintrag. Der Bus ist so konstruiert, dass sich allenfalls 1,50 m grosse Asiaten darin wohlfühlen. Ich hingegen fühle mich wie ein Käfer den man auf den Rücken gedreht hat. Auch Conni bekundete ihre Freude darüber, dass wir anders als andere Mitreisende keine 16 Stunden in diesem Gefährt verbringen müssen. Wir freuen uns beide sehr auf den Küstenort Hoi An wo wir heute – hoffentlich vielleicht sogar am Strand – Silvester feiern werden! Allen Lesern wünschen wir einen ganz schönen Jahreswechsel und für 2020 alles Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg! Auch im neuen Jahr wird es Blogeinträge geben. wink

29Dezember
2019

Eines der Weltwunder der Natur

Nach einer wirklich perfekt organisierten Überfahrt, was wir besonders jetzt auf der Rückfahrt merken, setzte uns der Bus vor unserem Cát Bà Countryside Homestay ab. Ziemlich abseits gelegen war es genau die Art der Unterkunft nach der wir gesucht haben.: Ziemlich einfache Bungalows mit unfassbar netten Homestay Gastgebern und leckerem Essen. Hundegebell war überall zu hören und das Hühnerscharren begleitete uns in den Schlaf. Weitere Besonderheiten meiner nächtlichen Schlafgegebenheiten gab es übrigens nicht mehr zu berichten, der Sturz auf meinen Hinterkopf bei meinem Fall aus dem Bett hat wohl die herbeigesehnte Normalität herbeigeführt. 

Nach unserer Ankunft ging alles sehr schnell. Wir erfragten uns in dem Homestay was man denn in den übergebliebenen Stunden des Tages (es war bereits 15:00 Uhr) unternehmen könnte und kaum versahen wir uns saß Keno auf einem Roller mit 125 ccm und wir brausten über Cát Bà. Meine Anwesenheit hinten auf dem Roller war wohl keine große Hilfe zur Eingewöhnung, denn die Gewissheit nicht eingreifen zu können sorgte bei   mir zu einem gewissen Unwohlsein. Dieses äußerte sich in schreckhaftem Nachfragen, ob Keno jegliches Hindernis, seien es Rollsplitt oder Blätter, gesehen hat und einem ständigen Ermahnen bloß langsam zu fahren. Einige Nervenzusammenbrüche meinerseits später sind wir auch am Cát Bà Nationalpark angekommen und wir machten uns nach dem Parken des Rollers in einem höchst offiziell aussehendem Parkhaus (Einer Art Pavillon aus Blech) an die Besteigung des Berges. Die Wege waren nicht besonders gut und mein Orientierungssinn spielte auch einmal verrückt, durch Keno’s Delegation gelangten wir jedoch ohne jegliche Probleme nach einigen Minuten (30 anstelle der angekündigten 40) verschwitzt oben auf dem Berg an. Zwar hat uns an dem offensichtlichen Peak eine Schulklasse begrüßt, die man schon 20 Minuten vorher lautstark hören konnte, jedoch haben wir einen kleinen versteckten Weg gefunden, welcher uns weiter hoch führte und wir die Aussicht dort in Ruhe genießen konnten. Bevor wir den Abstieg angingen wurden natürlich Fotos geschossen smile. Unten angekommen wollten wir eigentlich zu einer Seestraße fahren um den Sonnenuntergang zu bestaunen, aber durch meine schlechten Ortsangaben (Meinen Orientierungssinn gibt es immer noch zum umtauschen laughing) gelangten wir an eine andere Stelle. Dies stellte sich jedoch rückblickend als totalen Glücksgriff heraus, denn so fuhren wir noch nach Cát Bà Town und genossen einen unvorstellbar guten Seafood Hot Pot. Neben dem Seafood (Skampis, Muscheln, Tintenfisch und ein undefinierbar zarter Fisch) gab es Gemüse und Nudeln zu verspeisen. Voll gestärkt machten wir uns mit dem Roller zurück zum Homestay und trotz einer wirklich höchst spannenden Folge von „The Sinner“ auf Netflix schlief ich wie ein erschossener Hirsch ein. 

Der nächste Morgen begann relativ früh. Wir aßen ein sehr leckeres Frühstück in unserem Homestay (Bananen-Schoko Pancake, Omelett und Käsebrot) und fuhren mit einem Taxi  mit raveartiger Musik (diese Musik am Morgen sorgte weder bei mir noch bei Keno zu besonders guter Laune) zu Cat Bá Ventures. Und eine Stunde später ging es auch schon los. Mit einem Shuttlebus fuhren wir zum Hafen und stiegen in ein kleineres Boot mit welchem wir uns zuerst die Lan Hay Bucht erkundeten. Ist diese kleiner als die Halong Bucht und besitzt im Gegensatz zu dieser nur 365, anstelle der 2050 Inseln, sind jedoch nicht so viele Touristen vor Ort. Der weitere Umstand, dass nur Boote aus Cat Bá zugelassen waren dort herumzuschippern, half dabei, dass wir manchmal weit und breit keinen weiteren Touristendampfer entdeckten. Meine größte Angst in einem Meer aus Touristen zu ertrinken wurde somit schon direkt am Anfang aus dem Weg geräumt. Zwar war es einigermaßen kalt, doch durch einen dickeren Pullover und langer Hose hielten wir  es gut auf dem Deck aus und genossen die Aussicht. Der Schwimmstopp wurde von uns beiden übersprungen doch kaum ging es ins Kajak waren wir Beide Feuer und Flamme. Meine fehlenden Kajakfähigkeiten sorgen zu Beginn bei uns Beiden für gewisse Reibereien, doch nach einer halben Stunde wurde auch diese Kriegsbeil begraben und wir genossen den Umstand, dass wir fast durch die touristenleere Lan Hay Bucht paddelten. Es ging in verlassene Lagunen und wir erkundeten in den 1,5 Stunden die „Bat Cave" und die „Dark Cave“. Fertig wechselten wir das Schiff und wir erkundeten unsere kleine Kajüte auf dem Boot. Diese stand einem normalen Hotelzimmer nicht nach und wir genossen von unserem Bett aus die Aussicht auf die Halong Bucht. Nach einem  leider kaltem Abendessen stand Tintenfisch fischen auf dem Programm und trotz großem Pessimismus unseres Reiseleiters hat unsere Gruppe einen Tintenfisch gefangen. Ob dieser zuvor als Touristengag aus dem Schiff geschmissen wurde, dass wird uns wohl für immer ein Rätsel bleiben wink.

Der nächste Morgen begann um 7:30 und nach einem ausgiebigem Frühstück mit Pancakes und Früchten begaben wir uns erneut ins Kajak um die Halong Bucht zu erkunden. Keno und ich waren inzwischen ein eingespieltes Team und meine verbesserten Fähigkeiten bekamen sogar ab und zu ein lobendes Wort wink. Durch die vorherrschende Harmonie im Kajak konnte der Ausflug noch mehr genossen werden und es war einfach traumhaft. Vorbei ging es an Kalksteinfelsen und selbst den höchst seltenen Cat-Ba-Langur, auch Goldkopflangur genannt, bekamen wir auf unserer Tour zu Gesicht. Dieser kommt nur auf der Insel Cát Bà in der Halong Bucht im Norden Vietnams vor. Voller Adrenalin erreichten wir wieder das Schiff und nach einer weiteren Schwimmpause (die von uns aufgrund der Kälte und leichter Erkältung erneut übersprungen wurde) und dem Mittagessen machten wir uns langsam auf dem Rückweg. Währenddessen kam auch die Sonne zum Vorschein und so wurde die Sonnencreme doch noch ausgepackt und die letzten Minuten konnten mit einem Buch in der Hand auf dem Deck des Schiffes genossen werden. Es war einfach traumhaft schön und jeder Person die Vietnam und die Halong Bucht auf der To Do Liste stehen hat empfehlen wir Cát Bà und die 2 Tagestour von Cát Bà Ventures.

Bereits gegen 15:00 Uhr erreichet wir voller Glücksgefühle das Homestay und da wir noch        relativ früh am Tag hatten wollten wir noch einen kleinen Ausflug in der Natur unternehmen. Hatten wir erst angedacht mit dem Roller wegzufahren wurde uns jedoch klar, dass wir vor unserer Haustür genau das hatten wonach wir auf der Suche waren. Somit begaben wir uns auf einen kleinen Wanderweg der genau hinter unserem Bungalow begann. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir jedoch noch nicht, dass wir nach Rückkehr das Gefühl hatten ein weiteres Pfadfinder Abzeichen zu verdienen. Der „Weg“, wenn man Ihn überhaupt so nennen kann“ war steil und voller spitzer Steine, bei welchen ein falscher Schritt schon ziemlich gefährlich sein konnte. Aufgrund der aufkommenden Dunkelheit kam unsere Vernunft zum Vorschein und Keno’s Vorschlag doch besser umzukehren traf bei mir auf großes Einverständnis. Somit begaben wir uns auf den Rückweg und mit der Handytaschenlampe in Anschlag ging es langsam wie eine Schnecke, mit der Angst von tollwütigen Hunden oder aggressiven Affen angegriffen zu werden, den Berg hinunter. Die Erleichterung war groß als wir den Boden erreichten und das reichliche Abendessen welches wir anschließend zu uns nahmen hatten wir uns mehr als redlich verdient. Auch begannen wir an diesem Abend unsere Youno Meisterschaft und für die Leute die das spannende Match nachverfolgen wollen, der Zwischenstand ist momentan noch 3:2 für mich. Mal sehen wer zum Ende unserer Reise zum Youno Asienmeister ernannt werden kann smile

Nun befinden wir uns auf dem Rückweg von Cát Bà nach Hanoi um heute Nachmittag in den Flieger nach Hue zu steigen. Keno freut sich schon wie ein kleines Kind auf seinen Flug und ich blicke eher dagegen an. Aber in ca. 4 Stunden haben wir das Ziel erreicht und neue Erlebnisse werden folgen smile

 

 

26Dezember
2019

Ein langersehntes Wiedersehen 2.0

„Ich bin ein Euro. Du kannst mich auch in Dong umtauschen. Dann hast du mehr“. Es ist mitten in der Nacht und ich blicke auf Conni die neben mir im Bett im Schlaf redet. Auf meine schlaftrunkene Rückfrage was mit diesem kryptischen Kommentar wohl gemeint sein könnte, drehte sich Conni, genervt von meiner Begriffsstutzigkeit zur Seite, und ließ mich mit 1000 Fragen im Kopf (nun auch relativ wach) links liegen. Das Conni nun offenbar im Schlaf redet, galt es am nächsten Morgen aufzuarbeiten, genauso wie die Frage was Sie mit dem Kommentar wohl gemeint haben könnte. 

Aber jetzt erstmal von vorne: „Merry Christmas“ waren die letzten Worte von Connis Blogeintrag vom 16. Dezember. Bis Weihnachten waren von da an ja noch einige Tage Abstand, die Conni mit universitären Verpflichtungen in Guangzhou verbrachte. Und wo war ich am 16. Dezember? Auch noch ganz wo anders – sowohl physisch als auch vom Kopf her, noch längst nicht in Asien, sondern im Büro meiner Versicherungstätigkeit, umgeben von den verschneiten Alpen. Dann ging es aber ganz schnell und schon am 22. Dezember saß ich voller Vorfreude in Frankfurt am Flughafen um meinen Flieger nach Hanoi zu besteigen. Am 23. Dezember kam ich bestens gelaunt zu unchristlich früher Ortszeit von 6.20 Uhr an. Mit dem Taxi ging es dann ins Hotel. Auf dem Weg dorthin wurde ich bereits überwältigt von Millionen Roller- und Motorradfahrern die sich in anarchischer Weise durch die Stadt schoben. Auch in engsten, chaotischsten und unübersichtlichsten Situationen legen einige der Fahrer noch hohes Tempo und eine schnittige Fahrweise an den Tag, die nur eine suizidale Absicht vermuten lässt. Angekommen am Hotel, inspizierte ich die Räumlichkeiten und musste enttäuscht feststellen (vielleicht war ich auch etwas von mir selbst und meiner niedrigen Schmerzgrenze enttäuscht) dass ich es in dem beklemmenden Kämmerchen nicht mehr länger aushalten würde. Das Zimmer war irrsinnig laut, denn es lag an einer 8 spurigen Straße (auf der sich die Motorroller drängten und ein durchgängiges Hupen zu hören war) und einer Brückenauffahrt (ein bisschen wie ein Autobahnkreuz), war zugig, und die Dusche im „Bad“ absolut unbrauchbar. Gerade weil ich wusste, dass am Folgetag Conni ebenfalls in Hanoi ankommen würde und dann auch die Weihnachtstage vor der Tür stehen, entschied ich mich zu einer spontanen Neudisposition der Hotelwahl. Ich entschied mich für ein anderes Hotel unweit des ursprünglichen und nahm das Gepäck mit. 

Nun war es bereits Nachmittag geworden und nach einem kurzen Nap machte ich mich auf, ein wenig das Old Quarter von Hanoi zu erkunden, um am nächsten Tag gegenüber Conni mit meinen brillianten Ortskenntnissen protzen zu können. Die Straßen haben einen unglaublichen Charme und immer wieder gibt es Gebäude aus französischer Kolonialzeit die zu einem heterogenen und spannenden Architekturmix sorgen. Zwar ist man in latenter Sorge von einem Roller umgefahren zu werden (da die Bürgersteige durchwegs als Parkplätze für die Roller dienen sind diese unbrauchbar und man ist gezwungen auf die Straße auszuweichen), jedoch hat die Stadt einen wirklich reizvollen Flair. Der Smog war ebenfalls so intensiv, wie ich ihn noch nie zuvor in meinem Leben wahrgenommen habe. Umweltspuren, Umweltplaketten und Katalysatoren scheinen in Hanoi wie progressive und bizarre Wahnvorstellungen aus einer anderen Welt. Es gibt keinen öffentlichen Nahverkehr, außer alter Busse, in der 6 Mio. Einwohnerstadt und jeder der kann fährt mit dem Roller oder Auto – die Folgen für mich waren ein kratziger Hals und die Feststellung, dass die Sensibilisierung für Umwelt und Gesundheit schon radikal divergierend sein kann. Abends gab es eine Pho Suppe für mich und danach ging es wieder ins Hotel wo ich in einen 11 stündigen, komatösen Schlaf fiel.

Und dann war es soweit: Am nächsten Morgen kam Conni aus Guangzhou eingeflogen und ich konnte sie am Flughafen endlich wieder in die Arme schließen. Gemeinsam ging es ins Hotel. Das große Glück einander wiederzuhaben wurde dann noch gesteigert, indem wir uns zu Mittag Frühlings- und Sommerrollen als Lunch beschafften. Mit einem Bier konnten wir auf das Wiedersehen anstoßen. Gemeinsam schlenderten wir durch die Gassen des Old Quarters, besichtigten einen beeindruckenden Tempel in der Mitte eines Sees und bekamen die St. Joseph Kathedrale zu sehen. Dieser ist die französische Architektur direkt anzusehen, schließlich erinnert die Doppelturmfassade an die berühmte Notre Dame in Paris. Am Nachmittag gab es für uns noch einen Egg Coffee (eine lokale Kaffeespezialität mit Ei) bevor es dann ins Hotel ging um sich frisch zu machen für das Weihnachtsessen am Abend. 

Das Restaurant fürs Weihnachtsessen, das „Green Tangerine“ hatte ich bereits 2 Monate zuvor reserviert und wartete mit einem wunderbaren Weihnachtsmenü auf, für welches wir uns entschieden. Neben einer Ying-Yang Suppe, Foie Gras, Weihnachtstruthahn und Mille Feuilles mit französischem Käse gab es einen weihnachtlichen Schokoladenkuchen mit Passionsfrucht, all das begleitet von einem schweren französischen Rotwein. Anders als man es von anderen ganzheitlichen Menüs kennt, waren die Portionen jedoch nicht unbedingt auf die Vielzahl der Gänge ausgelegt, weshalb wir am Ende pappsatt, aber sehr glücklich, das Restaurant verließen. Wir machten uns auf den Weg Richtung St. Joseph Kathedrale um hier noch weiter in Weihnachtstimmung zu kommen. Der Verkehr Richtung Kirche war gänzlich zum erliegen gekommen, es schoben sich die Menschenmassen nur so durch die Straßen. Der Aufwand wurde jedoch belohnt, denn die erleuchtete Kirche mit einem riesigen Weihnachtsbaum davor war wirklich sehr schön. Nach einem Schlummertrunk ging es für uns ins Hotel, wo wir beide sehr müde, satt und glücklich ins Bett fielen

Nach wenigen Stunden Schlaf geschah das eingangs geschilderte: Conni brabbelte im Schlaf vor sich hin. Als ich sie am nächsten Morgen beim Frühstück damit konfrontierte, konnte sie sich ihre nächtliche Redseligkeit, genauso wenig wie ich erklären (denn Umtauschen wollte ich die Conni schon gar nicht, denn ich war ja überglücklich sie endlich wieder bei mir zu haben): Gemeinsam interpretierten wir das Gesagte: Vielleicht stand Conni noch unter Eindruck der tausenden Wechselstuben die es in Hanoi gibt, wo man für 100 Euro ca. 2,5 Mio. Dong bekommen konnte. Trotz dieser nächtlichen Sonderbarkeit versicherte ich Conni, dass ich sie noch nicht umtauschen würde und wir starteten in den Tag. Wir schlenderten zum Train Market, eine Eisenbahnstrecke quer durch die Stadt, auf welcher früher Züge fuhren und wo die direkt auf dem Gleisbett aufgestellten Marktstände immer schnell zusammengepackt werden mussten. Aus Sicherheitsgründen ist dieser Markt jedoch mittlerweile geschlossen. Für uns ging es anschliessend in das Regierungsviertel, wo wir das Ho-Chi-Minh Mausoleum, die Ein-Säulen-Pagode, den Flak-Tower und die Zitadelle besichtigten. Nach all dem vielfältigen Sightseeing erholten wir uns am Nachmittag bevor es Abends wieder ein gehobenes Essen gab (es ist ja schließlich Weihnachten ;)). Wir aßen wunderbare vietnameische Gerichte und erneut ging es satt und zufrieden ins Hotel. Die zweite gemeinsame Nacht während dieser Reise blieb ich von nächtlichen Monologen meiner Freundin verschont, jedoch fiel Conni gegen 3 Uhr nachts aus dem Bett, was angesichts der Breite von mindestens 1,60 Meter eine erstaunliche Leistung war (und nein, so breit habe ich mich nicht gemacht ;)).

Der nächste Morgen begann mit einem Frühstück und anschließend brachen wir auf Richtung Cat Ba. Die mehrstündige Busfahrt nutzte ich um diesen Eintrag zu schreiben. Eine Tätigkeit die nicht nur mir Freude bereitete sondern auch für Conni positiv war, denn sie konnte ein bisschen lesen ohne von Ihrem Freund, der ja nun mit dem Schreiben beschäftigt war, wie sonst immer gestört zu werden. Für uns geht es nun gleich an Bord des Schiffes welches uns auf die Insel bringt. Wir sind gespannt was uns erwartet und freuen uns dem Smog der letzten Tage nun erstmal mit einem Luftwechsel zu begegnen. Und wer weiß, mit was für einer Aktion Conni heute Nacht meine Aufmerksamkeit erregt und die Leser im nächsten Blogeintrag unterhält.

16Dezember
2019

Einen Orientierungssinn zum umtauschen, bitte…

Nanjing – der letzte Ort meiner China-Reise. Ohne besonders viele Erwartungen kam  ich nach der Zugfahrt in dem Mark Young Hostel an. Dachte ich vorher noch, dass ich vieles schon gesehen habe wurde ich dort eines Besserem belehrt. Die detailreiche Dekoration  und die Einrichtung entsprachen den Bildern bei trip.com, doch was dort geflissentlich außer Acht gelassen wurde war, dass die Betten im Gemeinschaftsraum waren. Doch war das nicht genug wurden abends auf einer freien Fläche noch Matratzen ausgelegt und in einer Ecke im Raum Zelte aufgebaut. Das Ganze hatte eher etwas von einer riesigen „Sleepover Party“, als von einem Hostel Schlafsaal. Doch unerwarteter Weise war es von 24:00 bis ca. 9:00 wirklich sehr leise, sodass ich besser schlief als in den Nächten zuvor. Auch der unfassbar kitschige Weihnachtsmann mit einem Tannenbaum und die Merry Christmas Schilder überall sorgten für ein lustiges Bild. Hier war wenigstens mal zu merken (wenn auch in einer unterschiedlichen Art und Weise), dass Weihnachten bald vor der Tür steht. Sonst handelte es sich bei meiner Ecke um den Rockstar Bereich während ein weiterer Bereich die Charakterzüge eines Baumhauses annahmen. Trotz der doch geringen Privatsphäre hat es das Hostel durch die offene Atmosphäre und einem gemeinsamen UNO-Abend geschafft, mich von sich zu überzeugen. Solltet ihr mal in Nanjing ein Hostel suchen – Das Mark Young Hostel ist eine gute Wahl smile. War der erste Schock verdaut machte ich mich noch auf in die Stadt um in den letzten paar Stunden des Tages noch daran etwas Neues zu erkunden. Also fuhr ich in die Ecke die mein Lonely Planet als Kartenausschnitt der Stadt zeigte. Doch besonders außergewöhnlich fand ich diesen Teil der Stadt nicht. Eine asiatische Großstadt wie ich Sie inzwischen gewöhnt war. Alleinig die ungewöhnlich hohe Anzahl an Bäumen in der Stadt fand ich besonders ansprechend. Nach einiger Zeit des Herumirrens bin ich dann zu der Stadtmauer von Nanjing gelangt. Eine Stunde später nach einem Spaziergang auf der Mauer entlang des Xuanwu Sees, bin ich vor der Kälte zurück ins Hostel geflüchtet.

Der nächste Tag revidierte meine Ansicht von Nanjing vollkommen. Voller neuer Motivation startete ich in den Tag und nach einem Kaffee und einem Reiskuchen ging es  mit dem Bus zum Sun Yat-Sen Mausoleum. Angekommen fielen mir erst einmal die Massen an Touristen auf, die ich aufgrund der Nebensaison, nicht gewöhnt war. Jaja ich weiß, ich bin dahingegen wirklich sehr verwöhnt worden in den letzten Wochen… In einer Karawane ging es dann zum Eingang wo ich herausfand, dass man sich ein Ticket reservieren musste. Also hieß es dann zurück Marsch Marsch. Ein Ticket wurde reserviert und nach Eintritt besorgte ich mir einen englischen Audioguide welcher mich auf meiner Tour begleiten und über die historischen Hintergründe informieren sollte. Sun Yat-sen war Revolutionspionier der chinesischen bürgerlich-demokratischen Revolution, Gründer der Republik China sowie Initiator der "Drei Prinzipien des Volkes“ (Prinzip der Volksgemeinschaft, Prinzip der Volksrechte und das  Prinzip der Volkswohlfahrt). Das Sun-Yat-sen-Mausoleum ist das Grabmal für Sun Yat-Sen, dessen Leichnam hier in einem verschlossenen Sarg liegt. Da es, auch nach dem Besuch des Sun Yat-Sen Memorials noch relativ früh war machte ich mich auf dem Weg zur Linggue Scenic Area. Bzw. wollte ich mich auf den Weg machen. Voller Elan und guter Dinge den spannenden Besuch fortzuführen machte ich mich auf den Weg und entschied mich den Schildern zu folgen anstelle meines Google Maps. Dachte ich mir doch, dass die Leute die die Schilder gesetzt haben, doch den Weg besser wussten als so mancher Programmierer. Was ich jedoch nicht einkalkuliert hatte war, dass nach einiger Zeit urplötzlich keine Schilder mehr auftauchten. Da auch mein Orientierungssinn alles andere als hilfreich ist, irrte ich 1,5 Stunden im Kreis bis ich irgendwann wieder am Mausoleum angekommen war, wo ja auch meine Reise zur anderen Scenic Area begonnen hatte. Lieber Gott: Im nächsten Leben hätte ich gerne einen besseren Orientierungssinn! Doch ließ ich mich davon nicht aus der Fassung bringen und machte mich auf zum nächsten Stopp auf meiner Agenda: Das  Ming Xiaoling Mausoleum.  Dabei handelt es sich um das Grab des Kaisers Hongwu, des Begründers der Ming-Dynastie, und seiner Gattin Ma. Auch zu diesem Ort machte ich aufgrund mangelnden Orientierungssinns und einer unfassbar schlechten Beschilderung einen einstündigen Umweg doch irgendwann hatte ich dann auch das Ziel erreicht. Besonders beeindruckend war das Grabmal  ehrlich gesagt nicht, weshalb ich mich auf den Weg zurück in die Stadt machte. Ein Zwischenstopp wurde im Hostel eingelegt, denn der Akku meines Handys, mein lebensnotwendiger Begleiter in China, reduzierte sich drastisch und ich war mir sicher, dass er den Rest des Tages nicht mehr überleben würde.

Nach Studium meines Lonely Planets ging es zum Zhonghua Gate dem Nordtor von Nanjing. Angekommen stellte es sich doch heraus, dass dies auch noch ein Teil der Mauer war, welche ich am vorherigen Tag besucht hatte. Somit entschied ich  mir die Zeit zu sparen und mich lieber auf den Weg zum Konfuzius Tempel zu machen. Dieser war wirklich sehr schön angeleuchtet und die Lage war mitten in der Stadt. Somit konnte ich den Besuch des Tempels mit einer Besichtigung der Stadt verbinden. War der Tempel schön angeleuchtet gab es in der Stadt eine Menge zu Essen und ein Food Court folgte dem Nächsten. Einige kleine Gässchen mit Lichterketten und Windspielen waren auch zu finden. Das werde ich wirklich vermissen: Chinesische Altstädte die bis ins kleinste Detail dekoriert und einfach wunderschön anzusehen sind. So etwas habe ich innerhalb Europas noch nicht gesehen. Müde ging es zurück zum Hostel und ich war wirklich traurig, dass mein Flieger am nächsten Tag mit mir abheben sollte. So viel gab es noch in Nanjing zu entdecken, für diese Stadt hatte ich eindeutig zu wenig Zeit eingeplant. Also kleiner Tipp von mir: Plant bei eurem zukünftigen Besuch drei volle Tage ein. Vieles kann man in dieser Stadt unternehmen, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. 

Jetzt sitze ich auch schon wieder im Flieger und die 3,5 Wochen meiner China-Reise sind vorbei. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten war es wirklich eine wundervolle Reise. Aufgrund meiner Landeswahl (sind ausländische Touristen in China wirklich schwer zu finden und die englische Sprache nicht weit verbreitet) und der Tatsache, dass ich in der Nebensaison unterwegs war, musste ich erst einmal wieder lernen mit mir und meinen Gedanken alleine zu sein. Doch dadurch habe ich durch meine Reise neben einigen Fakten der chinesischen Kultur auch sehr viel über mich selber gelernt. Das ich diese Reise machen konnte, dafür bin ich unfassbar dankbar und ich würde es jederzeit (fast) genauso wiederholen (Aufgrund der Höhenlage würde ich das nächste Mal vorbereiteter Shangri-La besuchen laughing). Doch jedes Ende bedeutet auch ein Anfang und ich freue mich schon nach einer weiteren Woche Uni in Guangzhou auf meine Reise mit Keno durch Südostasien. Natürlich ist es viel schöner die  ganzen neuen Eindrücke, die man während so einer Reise erlebt, teilen zu können. Das ich das mit meinem Partner erleben darf ist einfach nur Perfekt. Auch werdet ihr dann wieder in Genuss von Kenos Schreibkünsten kommen, an welchem laut meiner Oma ein Schriftsteller verloren gegangen ist. Falls ich mich vorher nicht mehr melde wünsche ich euch allen eine wunderschöne, frohe und besinnliche Weihnachtszeit! In diesem Sinne: Merry Christmas!

 

14Dezember
2019

Nach der Ablehnung folgt die Bestätigung

Seine Verehrung für Hangzhou hat Marco Polo deutlich in seinen Schriften herausgebracht, denn er fand es als die schönste und großartigste Stadt der Welt. Das ist meiner Meinung nach vielleicht ein wenig übertrieben, trotzdem hat die Stadt mich mit ihrer Charme eindeutig mitgenommen und eine Reise ist Sie auf jeden Fall wert. Anders als Suzhou konnte ich hier das chinesischen Sprichwort “Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“ nachvollziehen. Obwohl ich dank einem höchst unruhigem Hostelzimmer wirklich wenig Schlaf bekam, verbrachte ich wirklich einen wundervollen Tag.

Zur Abwechslung vertraute ich meinem Lonely Planet und verbrachte den Tag fast genauso wie er es vorgesehen hat, auch wenn ich die Reihenfolge ein wenig umdrehte. Nach einem leckeren Bun Frühstück (So langsam gewöhne ich mich an Teigtaschen mit Hackfleisch zum Frühstück und die Schmacht nach einem Käsebrot wird geringer) machte ich mich auf den Weg zur Leifang Pagode. Von dort aus hatte man einen wundervollen Blick über Hangzhou und den West Lake. Der Westsee in der ostchinesischen Stadt Hangzhou gilt nicht nur in China, sondern weltweit als ein höchst beliebtes Reiseziel. Die Westsee Region, im Südwesten der Stadt, umfasst 60 km², von denen der Westee selber 5,6 km ² einnimmt. Schon von außen fand ich die Pagode ziemlich beeindruckend und auch von Innen war sie mit ihrer Golddecke und den Malereien an der Wand wirklich sehenswert. Auf der anderen Straßenseite der Pagode fand sich der Lingyin-Tempel. Dieser ist einer der ältesten und berühmtesten buddhistischen Tempel in China und eine der Hauptattraktionen in Hangzhou. Meine Leidenschaft für den Besuch Tempel jeglicher Arten, sorgte natürlich auch dafür, dass ich auch diesem  einen Besuch abstattete. Zwar war es nicht der faszinierendste Tempel meiner Reise und auch nicht der mit der spirituellsten Atmosphäre, jedoch war besonders die 21 Meter hohe Bronze Budda-Statue wirklich sehenswert und auch der Ausblick von dem Tempel auf die vorherig besuchte Pagode war einen Ausflug wert. 

 Beschwingt nach diesen Erlebnissen machte ich mich auf den Weg zum Hot Spot am Westlake. Denn von dort fuhren auch die Boote ab, die mein Lonely Planet als Tages To Do vorsah. Ein paar kleine typische Snacks wurden gekauft und auf einer Parkbank mit dem Buch in der Hand genossen und auch das Telefonat mit Keno und meinen Eltern war wirklich wunderschön. Nach 1,5 Stunden kaufte ich mir ein Bootsticket und mit diesem fuhr ich im Sonnenuntergang zu einer Insel, welche mich mit ihrer Schönheit wirklich umhaute. Innerhalb der Insel waren drei kleine Seen und die Spiegelung der Sonne mit den bunten Bäumen im Hintergrund sorgten für ein malerisches Bild. Fotos wurden geschossen und einerseits voller Glücksgefühle, dass ich die Möglichkeit habe all diese wundervollen Dinge zu sehen und andererseits auch voller Gefühle der Zerrissenheit, dass ich diese Eindrücke auch gerne teilen würde, machte ich mich auf den Weg zurück ins Hostel. Nach einem wirklich sehr sehr leckerem Abendessen (einem Chinese Hamburger, Lammstick und einer Beef Roll) machte ich mich an den Erfahrungsbericht über mein Auslandssemester und fiel nach Beendigung müde in mein Bett. Hangzhou du hast mir wirklich sehr gut gefallen. Sollte irgendwann nochmal die Möglichkeit bestehen: Ich komme wieder.

12Dezember
2019

Die Stadt der Gärten

Suzhou – die Stadt, die mich auf meiner Reise bis jetzt ehrlich gesagt am meisten enttäuscht hat. Mein Lonely Planet berichtete mir vor der Reise, dass Suzhou historisch betrachtet für Eleganz und Hochkultur stand. Künstler, Gelehrte, Schriftsteller und Mitglieder der chinesischen High Society wurden von den erlesenen Kunstformen und der zarten Schönheit seiner Gärten angezogen. Doch Suzhou hat im Laufe seiner Historie viel Zerstörung erfahren und vieles wurde durch neue Architektur ersetzt. Trotz allem besitzt laut Lonely Planet die Stadt noch eine Menge Charme, die eine Besichtigung per Rad oder zu Fuß rechtfertigt. Die Gärten Suzhous stellen dabei die Hauptattraktion der Stadt dar. Und genau das war wahrscheinlich für mich das persönliche Todesurteil Suzhous. Aufgrund der Jahreszeit, herbstlich kalt mit 10-15°C, blühte nichts mehr in den Gärten und zwar waren einige Bäume in herbstlichen Farben, die fehlenden Blumen konnte dies jedoch nicht überdecken. 

Für meinen Sightseeingtag in Suzhou habe ich mir drei Gärten rausgesucht welche ich besichtigen wollte. Da jedoch das Ausschlafen nach einer unruhigen Nacht vorging habe ich letzten Endes noch zwei der drei Gärten geschafft. Zuerst ging es zum Garten der bescheidenen Beamten (Humble Administrator Garden). Er gehört zu den UNESCO-Welterben und ist einer der berühmtesten Gärten der Stadt. Der zweite Garten den ich an diesem Tag besuchte war der Garten des Verweilens (Lingering Garten). Auch dieser wurde 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Er ist in mehrere Teile untergliedert. Im östlichen Teil des Gartens befindet sich die Halle des Himmelsäquators, der größte Saal des Gartens. Im Westen kann man durch einen kunstvollen Steingarten spazieren. Im nördlichen Teil befand sich einst ein Gemüsegarten, welcher aber inzwischen vor allem von Topfpflanzen bewachsen ist. Doch zwar ist auch dieser Garten für seine Schönheit weit bekannt, konnte mich aber nicht von dieser vollends überzeugen. Ein erneuter Besuch im Sommer ist jedoch notwendig um ein vollendetes Urteil abgeben zu können laughing.

Des Weiteren standen an diesem Tage noch die „Pingjiang Straße“ und die „Shantang Straße“ auf meiner Agenda. Bei der Pingjiang Straße handelte es sich um die historische Kanalstraße Suzhous wovon ich ehrlich gesagt, durch den Spitznamen Sozhous „Venedig des Ostens“ ein paar mehr erwartet hätte. Entlang dieser Straße und ihren Gassen stehen Bauten mit gut erhaltener traditioneller Architektur, Geschäfte, Teehäuser, Pensionen und Wohnhäuser, die dem Ort eine authentische, historische Atmosphäre verleihen. Meiner Meinung nach war es „ganz nett“, bin ich jedoch (wenn ich ganz ehrlich zu mir selber binb) durch die Altstädte von Lijiang und Fenghuang inzwischen einfach höchst verwöhnt.Auch die Shantang Straße erfüllte meine nicht vorhandenen Erwartungen. Diese wird als die "erste Straße" bezeichnet, denn die 3600 Meter lange Straße weißt eine Geschichte von 1100 Jahren auf und ist die repräsentativste Straße für die Entwicklung der Straßen und Gassen in Suzhou. Doch zur Zeit meines Besuches befand sich auch diese Straße unter vollkommener Renovierung, sodass das hauptsächlich mir dargebotene Bild grüne Netze und Gerüste waren. 

Aufregend war jedoch diesmal die Unterkunft in der ich zwei Nächte verbracht habe. Es handelte sich um ein richtiges Kapselhostel und die Kapsel war aufgebaut wie ein kleines eigenes Raumschiff. Somit fühlte man sich wirklich fast wie im Weltall, wenn man sich zu Bett legte. Sogar die LED-Beleuchtung konnte man von pink, über grün auf blau ändern. Wirklich ein Abenteuer, doch habe ich gemerkt, dass ich offene Hostelbetten (mit einem Vorhang) präferiere, denn obwohl ich genügend Luft durch die Belüftungsanlage bekam führte der geringe Platz bei mir doch zu einem unruhigen Schlaf. 

Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“. Die beiden Städte nahe von Shanghai gelten als älteste und als schönste Städte von ganz China – bis heute. Suzhou konnte mich bei meinem Besuch nicht überzeugen. Mal sehen ob Hangzhou für mich doch einen Teil des Sprichwortes bestätigen kann. Morgen werde ich es sehen und ich freue mich schon auf einen Tag am West Lake smile.

11Dezember
2019

Ein wunderschönes Wiedersehen

Shanghai – die Stadt die neben Peking auch jeder Nicht-Chinese kennt. Es ist die bedeutendste Industriestadt Chinas und hat rund 24,2 Millionen Einwohner. Damit gehört Shanghai neben Peking mit 21,5 Millionen Einwohnern und Chongqing mit unglaublichen 32 Millionen Einwohnern zu den Megacitys in China. Im Kontrast dazu wirkt Guangzhou mit seinen 12,7 Millionen Einwohnern wirklich klein. Kaum am Flughafen gelandet stürzte ich mich auch direkt ins Getümmel und fuhr mit der U-Bahn zu  Ninas vorübergehender Bleibe. Glücklicherweise hatten wir nach Ankunft noch ein wenig Zeit, bis wir mit den Freunden Ninas zum Essen verabredet waren und natürlich haben wir erst einmal unsere Geschichten ausgetauscht. Da sowohl Nina als auch ich aber so einiges zu erzählen hatten, war die Zeit natürlich noch viel zu kurz, doch es sollte sich in den nächsten 3 Tagen noch genügend Zeit ergeben in denen wir uns auf den aktuellen Stand der Dinge bringen konnten.  Gegen sieben Uhr ging es dann zum Abendessen und es war wirklich sehr lecker. Herrschte zu Beginn noch eine gewisse Skepsis über die Qualität des Essens, waren wir nach Füllung der Mägen doch vollends begeistert. Ein anschließendes Bier in einem Pub rundete den rundum gelungenen Abend ab. Es war wirklich sehr schön Ninas Leute in Shanghai kennenzulernen, denn Erzählungen mit Gesichtern vorm inneren Auge sind direkt immer gelungener und besser zu visualisieren.  

Der nächste Tag, wie auch die darauffolgenden, wurde nach einer langen Nacht gemächlich gestartet. Ein Kaffee wurde getrunken und mit einer Frucht in den Tag gestartet. An Apple a Day keeps the doctor away – vielleicht klappt dies ja auch mit einer Pomelo. Auch dabei stirbt die Hoffnung zuletzt. Voller gesunder Vitamine ging es los um die Stadt zu erkunden. Aufgrund meines vorherigen Besuchs von Shanghai vor zwei Jahren war es nicht von Nöten die größten Touristenattraktionen zu besuchen. Somit begannen wir mit einem Besuch des Heiratsmarktes am People’s Park. Dieser findet jeden Sonntag statt und verzweifelte Mütter befinden sich dabei auf der Suche nach den perfekten  Schwiegereltern. Denn im Park werden Frauen und Männer zur Heirat angeboten. Alter, Größe, Gewicht und Einkommen all diese Informationen werden auf einem Zettel dargeboten. Die Eltern oder Großeltern verhandeln über die angebotenen Personen. Mache bieten professionell an, manche sehr einfach. Auch ein Foto ist nicht immer dabei. Meiner Ansicht nach fraglich wie eine  Entscheidung ohne Foto getroffen werden kann (Das Aussehen ist meiner Meinung nach doch eine nicht ganz irrelevante Nebensache laughing). Es ist wirklich lustiger und gleichermaßen auch ein wenig verstörender Anblick, wie Personen fast ein wenig verschachert werden. 

Doch trotz vorherigem Besuch der Touristenattraktionen durfte ein Besuch des Bunds natürlich nicht fehlen. Aufgrund des Wochentags (Sonntags) war sehr viel los doch ein Fotospot wurde gefunden und das obligatorische Shanghai-Foto geschossen. Ein Kaffee rundete den Besuch des Bundes ab welcher dadurch versüßt wurde, dass es sich bei dem Café um einen der leisesten Orte handelte, die ich in China bis jetzt gefunden habe. 

Anschließend folgte ein Besuch des Shanghai Towers und nach einem erfolgreichen Ticketkauf haben wir den Aufstieg mit dem Aufzug gewagt. Der Shanghai Tower ist 632 Meter hoch und der Aufzug wurde vom Guiness Buch der Weltrekorde als einer der schnellsten Aufzüge ausgezeichnet. Für unseren Besuch haben wir dabei den perfekten Zeitpunkt gewählt. Den Sonnenuntergang konnten wir vom 180sten Stock beobachten und dachten wir vorher noch, dass es sich um Smog handelte welcher uns die Sicht versperrte stellte es sich hinterher als eine Reflexion der Sonne heraus. Da wir auch die vollkommen beleuchtete Skyline sehen wollten warteten wir noch eine Stunde und genossen anschließend den tollen Ausblick der uns dargeboten wurde (nicht das er vorher auch schon wundervoll war smile). 

Habe ich vor meinem Besuch noch nicht ganz so viel davon mitbekommen, dass es sich momentan um die Vorweihnachtszeit handelt, ist bei mir in Shanghai ein klein wenig Weihnachtsfeeling aufgekommen. Jeder der mich kennt weiß, dass ich normalerweise, kaum dass weihnachtliche Stimmung aufkommt, auf dem Weihnachtsmarkt mit einer  Tasse Glühwein in der Hand, zu finden bin. Als Nina mir erzählte, dass in Shanghai einen echten Christkindlmarkt zu finden ist war ich als zertifizierter Glühweinprofi natürlich Feuer und Flamme. Zwar war der Weihnachtsmarkt ziemlich klein, doch konnte man ihn von einem deutschen Weihnachtsmarkt kaum unterscheiden. Alleinig die Musik sorgte für einen kleinen Stimmungsbrecher, ist Helene Fischer beispielsweise auf einem Kölner Weihnachtsmarkt schwer zu finden. Doch der Geschmack des Glühweins war unverfälscht, weshalb aus einem Glühwein dann doch drei Lühli wurden und wir angetrunken nach einer Portion Duplings nach einem wirklich sehr schönen Tag ins Bett fielen.  

Die nächsten zwei Tage begannen erneut in aller Ruhe. Ganz in Ruhe wurde aufgestanden und der Tag mit einem Kaffee und der zweiten Hälfte der Pomelo begonnen. Doch da es nach einem ganz gemächlichen Morgen auch schon 12 Uhr war, liefen wir zu einem kleinen Restaurant, welches Nina als sehr empfehlenswert empfand. Von außen her unscheinbar besagte alleine die Schlange vor dem Restaurant dass dort gutes Essen zu finden ist. Nach Nudeln mit Semsampaste und einer Art Schnitzel kann ich der Schlange und der Michelin Empfehlung von 2019 zustimmen: Super lecker und eine deutliche Empfehlung ist dieses Restaurant wert. Genauso wie die Soup Dumplings die wir am anderen Tag zu Mittag aßen. Ein kleiner unscheinbarer Laden mit einer Schlange vor der Tür ist immer ein gutes Zeichen um ein gelungenes Mittag-/Abendessen zu sich zu nehmen. 

Sonst verbrachten Nina und ich die Tage damit durch die French Concession zu schlendern, Tianzifang zu erkunden und einfach nur die gemeinsame Zeit zu genießen.  In der French Concession galt über viele Jahrzehnte ausschließlich französisches Recht und Frankreich stellte hier die Polizei und die zivile Verwaltung. So sind noch heute zahlreiche Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert erhalten geblieben und der französische Flair ist meiner Meinung nach noch heute deutlich zu spüren. Tianzifang befindet sich innerhalb der French Concession und ist ein Künstlerviertel in Form einer Fußgängerzone. Es ist bekannt für seine engen Gassen, in denen Künstlergeschäfte, Designerstudios, Galerien, Boutiquen, Bars und Cafés zu finden sind. Hatte Nina am Montag Abend noch die Verpflichtung ihre Vorlesung zu besuchen, habe ich diese Zeit genutzt um ein wenig meine weitere Reise zu organisieren. Denn Dienstag Nachmittag machte ich mich schon auf den Weg um den Zug Richtung Suzhou zu erreichen. Es waren wirklich sehr schöne Tage in Shanghai und ich persönlich habe es sehr genossen ein wohl bekanntes Gesicht wiederzusehen. Danke für die tolle Zeit Nina! Ich bin gespannt auf alle weiteren Berichte wenn wir uns im März in Köln wiedersehen!

07Dezember
2019

Eine Reise in die Vergangenheit

Der berühmte Schriftsteller „Rewi Alley“ aus Neuseeland hat Fenghuang als die wohl schönste Stadt Chinas angepriesen. Nach meinem Besuch dieser Stadt kann ich sagen: Ja es handelt sich um eine wunderschöne Stadt, in der die Vergangenheit noch deutlich zu spüren ist, aber die schönste Stadt für mich bleibt auch nach diesen Tagen eindeutig Lijiang. Die Einwohner Fenghuangs leben laut vorheriger Recherche im Internet ein sehr einfaches Leben, weit weg von anderen Plätzen Chinas und weg der modernen Zivilisation. So konnte ich während meiner Zeit Frauen beobachten, die auch heute noch ihre Wäsche am Fluss waschen und Angler die für das Abendessen der Familie viel Zeit am Fluss verbrachten. Aber auch Frauen in traditioneller Tracht die Souvenirs für Touristen verkauften waren ein dauerhaftes Bild der Stadt. Denn, so wie auch alle Orte meiner Reise zuvor, war Fenghuang bezüglich der Anziehungskraft für Touristen keine Ausnahme. Laut Lonely Planet „strömen die Touristen in Scharen herbei“. Doch auch hier war die Nebensaison deutlich zu spüren. Den Schlafsaal musste ich nur mit einer weiteren Chinesin teilen und auch in den kleinen Gässchen musste man sich nicht wie auf einem deutschen Weihnachtsmarkt durch die Gänge schieben. 

In meinen zwei Tagen vor Ort habe ich versucht die Atmosphäre aufzusaugen und meine Zeit viel damit verbracht Leute zu beobachten. Der Fluss Tuo Jiang verläuft mitten durch das Herz der Altstadt und neben wackeligen Holzbrücken und Trittsteinen gab es auch standhafte Brücken die das überqueren dieses Flusses ermöglichen. Einzigartige hölzerne Häuser, die auch Diaojiaolou (Häuser mit hängenden Beinen) genannt werden, waren am Rande des Flusses zu finden. Diese versprühten ihren eigenen Charme und ich habe es wirklich sehr genossen am Morgen entlang des Flusses spazieren zu gehen und das Treiben zu beobachten. Auch in meinem Buch bin ich gut vorangekommen. Denn obwohl es auch hier vor Ort ca. 10-15°C sind schien die Sonne und die vielen Sitzmöglichkeiten am Rand luden regelrecht zu einer Lesesession ein. 

Auch die Altstadt war wirklich schön. Zur Zeit meines Besuches waren jedoch sehr viele Renovierungen zu Gange und durch die etwas verrotteten Gebäude kann auch gesagt werden, dass dies wohl dringend nötig war. Alte und kaputte Lampions hingen in der Stadt und die Wege waren aufgerissen. Eine Schar von Bauarbeitern war während meines Besuchs wie eine Ameisenfamilie damit zu Gange Lampions abzuhängen und Straßen neu zu verlegen. Einiges an Zeit habe ich damit verbracht durch die Altstadt zu schlendern und in den Gassen verloren zu gehen. Jaja mein Orientierungssinn. Auch so weit weg von Zuhause ist dieser wirklich nicht besser geworden. Ich bin mir inzwischen sicher: In dieser Hinsicht müssen wohl alle Hoffnungen aufgegeben werden. 

Auch die „Phoenix East Gate Scenic Area“ habe ich in meiner Zeit in Fenghuang besucht. Kam ich am Anfang des Weges noch an sich in Renovierung befindenden Bungalows vorbei kam ich schnell zu einem Aussichtsplattform. Dort wurden natürlich erstmal mein Buch und einige Snacks ausgepackt und der Magen gefüllt. Gestärkt ging es weiter über eine wunderschöne künstlich errichtete Brücke und vorbei an einigen Pavillons und auch an einer Gegend mit roten Schirmen im Himmel. Dabei wurde ich stark an den Film „Eine zauberhafte Nanny" erinnert, welche immer mit einem Schirm erscheint und damit auch  am Filmende ihren Abflug vornimmt. Ein weiteres Voranschreiten im Park ermöglichte es mir nach einer einstündigen Wanderung den Nahua Tempel zu erreichen. Imposante Figuren und eine Menge an Gold eröffneten sich mir. Wirklich höchst beeindruckend und egal wie viele Tempel ich in den letzten Jahren besucht habe: Es wird nie langweilig. Jeder einzige ist individuell und versprüht seine eigene Atmosphäre. So kam es auch, dass ich fast jeden Tempel in der Altstadt im Laufe meiner Zeit besichtigt habe. War einer ganz pink, war ein anderer über die Maßen bunt und ein dritter Tempel ermöglichte eine kitschige Fotokulisse mit einem tollen Ausblick.

Nach drei Tagen sitze ich jetzt wieder am Flughafen und in einer Stunde beginnt das Boarding. Auf geht es nach Shanghai. Nina ich komme, und mach dich bereit, ich möchte mit dir die Stadt erobern.smile

04Dezember
2019

Auf den Spuren der Na’vi

Die letzten 4 Tage sind wirklich wie im Flug vorbeigegangen und waren unfassbar anstrengend, atemberaubend und einfach nur wundervoll. Nach meiner doch ziemlich ermüdenden Zugfahrt bin ich in Zhangjiajie angekommen. Doch schon während der Zugfahrt habe ich herausgefunden, dass dies nicht meine Endstation der Reise darstellen wird. Und so nahm ich direkt im Anschluss einen Fernbus nach Wulinyuan, wo meine Reise zu den Na’vi begann. Dabei stellen die Na’vi im Film Avatar die humanoiden Bewohner des Mondes Pandora dar. Doch die Entdeckungstour sollte am Tag der Anreise noch nicht direkt losgehen, denn die Müdigkeit stand mir dafür doch ein wenig im Weg. So wurden nur noch Fried Nudels im Hostel gegessen, geduscht und dann war es auch schon Zeit schlafen zu gehen. Doch an diesem Abend traf ich auch im Gemeinschaftsraum des Hostels auf Jean-Phillippe, welcher am Tag vorher angekommen ist. Wir entschieden die Entdeckungstour am nächsten Tag gemeinsam anzutreten.

Nach ein paar Stunden Schlaf begann auch schon unser Ausflug in eine wirklich unvorstellbare Welt, die es schaffte mich auf jeder weiteren Aussichtsplattform aufs Neue zu begeistern. Zu Fuß ging es zum Eingang des Parks und die Tickets (gültig für drei Tage) wurden gekauft. Nach Eintritt ging es zu Beginn mit dem Bus zum Anfang des Wanderweges und da die Wettervoraussagen an diesem Tag noch wirklich relativ bescheiden waren (glücklicherweise aber kein Regen) entschieden wir uns an diesem Tag noch relativ weit unten am Berg zu bleiben. Doch kaum kamen wir nach ca. einer halben Stunde am Wanderweg der uns ausgewählten Region an, erwartete uns dort eine schlechte Nachricht: der Weg war gesperrt. Doch durch eine vorherige Internet Recherche ließen wir uns davon nicht beeindrucken, ignorierten das Schild und machten uns auf den Weg. Diese Entscheidung stellte sich nicht als falsch heraus. Zwar musste man manchmal über einige Bäume steigen und die Blätter waren nicht von den Wegen geräumt, sonst hinderte uns aber nichts daran den Weg entlangzulaufen und die Aussicht zu genießen. Einen Vorteil hatte die Sperrung der Wege auf jeden Fall: Obwohl es sich um eine der Top-Touristendestinationen Chinas handelte begegneten wir auf dem Weg keiner Menschenseele. Besonders der Hawk Beak Peak konnte an diesem Tag begeistern. Auf einem durch die Natur gebildeten Bogen ging es zu einer Plattform welche einen außergewöhnlichen Ausblick lieferte. Die eingeschränkte etwas nebelige Sicht an diesem Tage sorgte für ein mystische Atmosphäre und schon sehr früh am Tag konnte ich verstehen wovon James Cameron, der Regisseur von Avatar, in seinem Film beeinflusst wurde. Eine Atmosphäre wurde von den „Bergen“ versprüht, die weder in Bildern noch in Worten zu beschreiben ist. Am Nachmittag gegen 3 Uhr erreichten wir das Ende dieses Wanderweges waren zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr beschwingt den Nationalpark weiter zu entdecken. Und so machten wir uns auf den Weg um das Hyangshi Dorf zu erreichen. Doch der Weg stellte uns vor eine große Herausforderung. Hatten wir vorher schon einige hunderte Treppenstufen bestiegen ging es nun ca. 2 Stunden ohne Pause bergauf. In Hochhäusern gesprochen sind wir meiner Meinung nach mindestens in den 30ten Stock gestiegen. Doch wie Keno so schön sagen würde: Irgendwoher müssen meine neu entstandenen Hermes Beine ja auch herkommen. laughing Doch oben erwartete uns leider aufgrund des Nebels ein etwas eingeschränkter Ausblick. Doch glücklicherweise zog es sich erst nach ca. 5 Minuten ganz zu, sodass wir den mystischen Ausblick noch für eine kurze Zeit genießen konnten. Ein Abstieg war jedoch aufgrund der vorangeschrittenen Zeit unmöglich, weshalb wir mit der Gondel den Abstieg vornahmen. Nach einer Busfahrt nahmen wir ein Taxi mit zwei anderen Chinesinnen zurück zum Hostel. Völlig erschöpft fiel ich nach absolvierten 33.252 Schritten früh ins Bett um den nächsten Tag voller neuer Energie zu starten. 

Da wir die Hauptattraktion des Parks am darauffolgenden Tag besuchen wollten begann der Tag früh gegen 8 Uhr. Mit dem Parkbus ging es wieder ein Stück in den Park hinein und die erste halbe Stunde wiederholten wir den gestrigen Weg. Doch dieser sah aufgrund des blauen Himmels und der Sonne die uns beglückte ganz anders aus. Doch dann erfolgte eine andere Abbiegung und unsere Hoffnungen vergrößerten sich, endlich einen Navi zu entdecken. Doch wir trafen zu erst einmal auf fabelhafte Ausblicke, die eine Beschreibung meinerseits nur zu 100% übertreffen können. Das Gefühl dort an einer Plattform zu stehen und sich einerseits über den Dingen der Welt erhaben und andererseits unglaublich klein zu fühlen ist unvergleichbar. Und dann war es auch endlich so weit. Wir erspähten einen Hexapede. Zwar war dieser nur aus Eisen und die Farbe hat ein wenig unter den fotowütigen Touristen gelitten, doch kann die Expedition somit als erfolgreich absolviert betrachtet werden. Ich kann behaupten: Ich bin für eine kurze Zeit nach Pandora gereist. So langsam stellte sich das Hungergefühl ein und mit Kartoffeln wurde sich auf auf eine Treppenstufe gesetzt. Lange aßen wir das wirklich sehr sehr schlechte Essen (die Kartoffeln bestanden nur aus altem Fett – was meinem Magen übrigens dem Rest des Tages noch Probleme bereitete) in Ruhe. Doch kaum wollte ich den schrecklichen Geschmack mit einer Mandarine verbessern, kam ein scheinbar tollwütiger Affe auf uns zugeraunt. Dachten wir zuerst das er vielleicht die Fleischsticks von J.-P. wollte, fauchte er mich jedoch direkt an und kaum begann ich zu flüchten,  begann er die Verfolgungsjagd. Voller Angst schmiss ich ihm erst die Wasserflasche vor die Füße doch davon ließ er sich nicht beeindrucken. Er wollte meine Mandarine. Das sah ich dann auch als meinen letzten Ausweg und schmiss Ihm mein Essen vor die Füße. Zufrieden und mit einem gefälligem Grinsen im Gesicht ließ er mich  nach Erreichen seines Ziels in Ruhe. Eine Verfolgungsjagd mit einem Affen, dass kann auch nicht jeder von sich behaupten. Aufgebracht wurde der Weg fortgesetzt doch weitere 100 Treppenstufen später gelangte das Geschehene langsam in den Hintergrund und stattdessen trat die Erschöpfung in den Vordergrund. Nach dem Heaven Pillar (Hallelujah Mountain = Avatar Mountain) ging es zur weiteren Touristenattraktion der Greatest Natural Bridge. Doch diese konnte (vor allem auch durch die Vielzahl der Menschen) nicht besonders überzeugen. Mit dem Bus ging es nach Beendigung des Weges in die Yangjiajie Region. Vorbei ging es an unfassbaren Ausblicken und irgendwann  gelangten wir zu meinem Höhepunkt der gesamten Zeit im Nationalpark. Wir erreichten einen Felsen, den man mit einer Leiter besteigen konnte. Und von da oben hatte man einen Ausblick den es nur mit einem Wort zu beschreiben gibt: WOW! Fotos wurden geschossen und einfach das aufkommende Gefühl genossen. Nach dieser Erfahrung machten wir uns  an dem „Corridor in the Cliffs“ vorbei auf den Weg zurück zur Talstation der Yangjiajie Gondel. Doch der Weg war doch länger und mit mehr Stufen bestückt als wir gedacht haben und drei Stunden später erreichten wir mit schmerzenden Füßen und einer Tagesbilanz von 30.717 Schritten unser Ziel. Mit einigen Bussen und einem geteilten Taxi erreichten wir gegen halb 7 das Hostel. Nach dem Abendessen wurde ich von der Müdigkeit übermannt und machte mich kurz darauf schon auf den Weg ins Bett. 

Nach den über 60.000 Schritten der vergangenen zwei Tage hat meine Achillesferse doch ein wenig „Halt Stopp“ geschrien, weshalb wir einen chinesischen Touristentag einlegen wollten. Also fuhren wir nach Erreichen des Parks mit der Tianzi Mountain Gondel nach Oben auf den Tianzi Mountain und wurden nach einer kurzen Busfahrt übermannt von weiteren Ausblicken welche wieder einmal mit Worten unbeschreiblich sind. Und so ging es eigentlich den gesamten Tag weiter. Wir gelangten von einer Plattform zur nächsten und wurden jedes Mal aufs neue überwältigt. Allein die Bimmelbahn die wir am Ende nahmen und die uns an den schönsten Ausblicken vorbeiführen sollte war eine Enttäuschung. An unserem Fahrer war eine Karriere als Rennfahrer verloren gegangen und an das Genießen des Ausblicks war nicht zu denken. Ziel war ein Aussichtspunkt welcher an die Schönheit der Anderen nicht herankam und man sich für 20 Yuan fotografieren lassen konnte. Inzwischen war es jedoch auch schon 16:00 Uhr, weshalb wir uns langsam auf den Rückweg zum Hostel machen und drei Busse und eine Gondelfahrt später erreichten wir auch unser Ziel. Müde wurde noch zu Abend gegessen und wir stellen fest: Chinesische Touristen können wir nicht sein. Denn trotz aller Anstrengungen wenig zu laufen legten wir auch an diesem Tag 23.893 Schritte zurück.

Heute handelt es sich um einen reinen Transfertag, den meine Füße auch dringend benötigen. Ich habe in Ruhe ausgeschlafen und mich dann zum Busbahnhof begeben. Leider lag das Hostel mit der Abfahrtszeit des Busses ein wenig falsch, weshalb ich nun gegen 19:00 noch im Bus auf dem Weg nach Fenghuang sitze und hoffentlich gegen 21:00 das Hostel erreichen werde. Rückblickend muss ich sagen es waren anstrengende aber einfach wundervolle Tage. Dieser Nationalpark mit seiner Natur wird mir auf jeden Fall lange in Erinnerung bleiben.