Berichte von 01/2020

29Januar
2020

Das Highlight Kambodschas: Angkor Wat?

Wie Keno bereits beschrieben hatte sind wir nach einer höchst anstrengenden und abenteuerlichen Busfahrt um 5 Uhr morgens in Siem Reap angekommen. Die Stromerei durch die Stadt erlaubte uns durch die Pub-Street einen Einblick in die Partyszene der Stadt (so früh morgens war noch eine gewisse Katerstimmung zu spüren) und selbst in den Tempelanlagen vor Ort waren englische Übersetzungen zu finden. Die internationalen Einschläge des Ortes konnten schon nach den ersten Stunden nicht verleugnet werden. Schon nach 4 Stunden hatten wir das Gefühl alles Wichtige der Innenstadt gesehen zu haben und kehrten zum Hotel zurück. Nach einer kurzen Wartezeit (in welcher der vorherige Blogeintrag entstand) bezogen wir unser Zimmer und ruhten uns ein wenig aus. Voller neuer Energie konnten wir somit in den Nachmittag starten. Keno’s Recherchen hatten zuvor ergeben, dass in Siem Reap eine außergewöhnlich große Driving Range zu finden war und da wir noch genug Zeit hatten machten wir uns mit dem Tuk-Tuk auf dem Weg, damit Keno mir die Welt des Golfs ein wenig näher bringen konnte. Verglichen mit anderen Driving Ranges war diese wohl, nach Keno’s Aussage, besonders modern und luxuriös. Nach einer kurzen Einführung von Keno bezüglich der richtigen Stellung und des angemessenen Abstandes zum Ball schlugen wir 100 Bälle und am Ende des Tages habe ich mich dabei wohl gar nicht so blöd angestellt (Anmerkung Keno: Ich würde sogar von ausgesprochen talentiert sprechen ;-)). Müde ging es zurück und nach einem Abendessen und einer weiteren Folge unserer neuen Serie „Secret City“ ging es für uns auch schon ins Bett und wir sagten dem Tag eine Gute Nacht, denn am nächsten Tag sollte das Ausflugsziel auf unserer Agenda stehen, weshalb viele Leute wohl überhaupt nach Kambodscha reisen: Angkor Wat. 

Mit Nina trafen wir uns um 9 Uhr an unserem Hotel und begannen das Abenteuer in Begleitung mit dem Tuk-Tuk Fahrer Kim. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Ticketschalter ging es direkt zum (angeblichen) Highlight der Reise: Angkor Wat. Der Tempel ist das Wahrzeichen Kambodschas und sogar auf der Nationalflagge abgebildet. Dieser wurde zwischen 1113 und 1150 vom König Suryavarman II erbaut und erst im 13 Jahrundert in ein buddhistisches Kloster umgebaut. 2 Stunden besichtigten wir den wirklich höchst beeindruckenden Tempel, machten Fotos und ließen die Atmosphäre einfach nur auf uns wirken. Positiv überrascht waren wir davon, dass wir nicht in dem Ausmaße von Touristenmassen überrannt wurden, wie wir es uns zuvor vorgestellt hatten. Doch hatten insbesondere Nina und ich uns die Tempelanlage noch größer und irgendwie beeindruckender vorgestellt. 

Vor der Mittagspause ging es noch zu zwei weiteren Tempel der Angkor-Anlage. Der Bayon Tempel, bekannt aufgrund seines großen Buddha Kopfes in der Mitte der Anlage stach schon von außen hervor und die Architektur des Gebäudes konnte uns von außen besonders begeistern. Er ist die zentrale Tempelanlage der alten Tempelanlage Ankor Thom und bekannt für seine steinernen Gesichter in den Tempeltürmen. Nach der Stärkung ging es noch zum Ta Prohm, welcher auf spektakuläre Art und Weise von Bäumen überwuchert war. Aufgrund vorheriger Recherche hatte ich besonders hohe Erwartungen an diesen Tempel und nach dem äußeren Rundgang war ich zuerst einmal enttäuscht von den Bildern die uns dargeboten wurden. Doch kaum betraten wir das Innere des Tempels wandelte sich meine Enttäuschung in Faszination. König Jayarvaman VII hat diesen Tempel ursprünglich einmal seiner Mutter gewidmet und ursprünglich handelte es sich dabei um ein großes Kloster. Am Ende des Tages hatten besonders Keno und ich einen Tempel-Overload und waren von der Hitze völlig fertig.

Ein gutes und sättigendes Abendessen war deshalb dringend notwendig. Wir baten Kim uns an einem Restaurant rauszulassen, welches uns am vorherigen Tag schon besonders positiv ins Auge gefallen war. Auf Tischen mit kleinen Plastikstühlen wurden Tischgrills platziert und bei einem Bier genossen wir Rind, Tintenfische, Hühnchen und Gemüse die unseren Empfinden nach etwas zu stark gewürzt, aber trotzdem ausgesprochen lecker waren. Wir verabschiedeten uns bei Nina und zogen Revue über einen wirklich ereignisreichen und sehr schönen Tag.

Am nächsten Tag stand insbesondere der Flug nach Lang Prabang (Laos) auf der Agenda. 5 Stunden hatten wir jedoch noch vor Abflug Zeit und so mussten Keno und ich natürlich dem örtlichen Minigolfplatz einen Besuch abstatten. Mit rockartiger Musik wurden wir begrüßt und wir spielten die Golfbälle 2 Runden durch die Tempelanlagen. Am Ende stand es unentschieden und ohne große Zickereien oder Enttäuschungen konnten wir unseren Rückzug antreten. Keno’s Aufregung stieg immer weiter an, denn der Flug mit Lao Airlines mit einer Propellermaschine stellt wohl (das Verständnis meinerseits hält sich dafür ehrlich gesagt in Grenzen) eine Besonderheit dar. Der weitere Ablauf lief auch wirklich reibungslos. Wir checkten im Hotel aus, fuhren mit der Khmer-Rikscha zum Flughafen und stiegen kurze Zeit später in den Flieger. Ein neues Land erwartete uns welchem wir beide mit großer Neugier entgegensehen. Hallo Laos: Wir kommen und sind gespannt auf alle neuen Erfahrungen welche wir bei dir machen werden!

27Januar
2020

Gefangen von der Unterwasserwelt

Nun ist es an der Zeit, die Tage auf der Insel Koh Rong Samloen Revue passieren zu lassen. Ein Blogeintrag der heute mal ausnahmsweise nicht auf Achse im Bus oder Minivan verfasst wird, sondern gegen Mittag im Hotel in Siem Riep, während wir darauf warten unser Zimmer alsbald beziehen zu dürfen. 

Nun aber erstmal ein paar Tage zurückgespult: Wie Conni zuletzt berichtet hat, erreichten wir die Insel regelrecht im Rausch der Geschwindigkeit, nachdem unser Minibusfahrer, genauso wie der Speedbootfahrer mit Rennfahrerambitionen ihre Arbeit verrichteten. Wir bezogen unsere sehr einfache Unterkunft und tranken ein Willkomensbier an der Bar, über welche wir die nächsten Nächte verbringen sollten. Nach einem westlichen Abendessen ging es dann auch für uns ins Bett. Der nächste Tag war ein reiner Strandtag. Wir durchwanderten einen Dschungelabschnitt und erreichten den „Clear Water Beach“ – ein absolut traumhafter und menschenleerer Strandabschnitt, dessen Wasserklarheit dem Namen mehr als gerecht wurde. Nach einigen Stunden dort, ging es am Nachmittag wieder zurück, um dann noch ein wenig durch unser sehr kleines Dorf zu spazieren und abends kambodschanisch zu Abend zu essen. Unsere Beobachtungen bis dahin: die Insel ist sehr faszinierend und hat ihren ganz eigenen Charme. Es gibt nur ganz wenige Einheimische, ein paar ausländische Betreiber von Gasthäusern, Bars oder anderen Dienstleistungen und ansonsten einen ziemlich heterogenen Touristenmix, welcher neben Chinesen primär aus Backpackern besteht. Alles auf der Insel wirkte recht ursprünglich, bisweilen gar archaisch. Warmes Wasser gab es nirgends, und auch eine Toilette mit Spülung war schon eher eine Besonderheit. Befestigte Straßen sucht man vergebens und die wenigen Roller die es auf der Insel gibt, dienen eher den Einheimischen als Spielzeug um damit am Strand entlangzubrausen. Die Gangart auf der Insel war seeehr entspannt. Sowohl die Kambodschaner als auch im besonderen die örtlichen Expats hatten bisweilen eine nahezu bräsige und traumtänzerische Ausstrahlung. Schnell merkten wir, dass die Insel dazu einlädt jedes Zeitgefühl über Bord zu werfen und aus der Realität auszubrechen. Die Möglichkeiten zu lächerlich günstigen Preisen überall Bier zu trinken waren schier unbegrenzt, Zigarretenpackungen waren bereits für einen Dollar zu erwerben und auch Marihuana allgegenwertig. All diese Möglichkeiten wurden offenbar auch reichlich genutzt von Einheimischen und Gästen, was die langsame und schläfrige Gangart auf der Insel erklären könnte. Die Hippies vor Ort, genauso wie der ein oder andere Tourist imaginieren dabei einen besonderen Individualismus den sie auf der Insel leben – uns kam dies jedoch teilweise austauschbar vor: so gab es ein veganes Restaurant, gemeinsames Yoga am Morgen und überall westliches Essen, vornehmlich Burger, Barbecue, Pizza und Pommes. So kollidierten zum einen die besondere Einsamkeit und Ursprünglichkeit des Ortes mit einem gewissen „künstlichen“ touristischen Einfluss durch die Backpacker. Nun aber genug mit derlei stereotypen Sozialstudien ;)

Am nächsten Tag sollte unser Kurs zum Erwerben des Tauchschein beginnen, auf welchen wir uns sehr freuten. Von früh morgens an saßen wir in der Tauchschule und wurden mit Lernvideos konfrontiert, machten Wissenstests und zuletzt die obligatorische theoretische Abschlussprüfung. Am späten Nachmittag mussten wir noch unsere Schwimmkompetenz unter Beweis stellen und 200 Meter am Stück absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir es kaum erwarten den Schulungsraum zu verlassen und endlich ins Meer zu springen. Am Tag drauf ging es dann los mit dem praktischen Teil der Ausbildung. Wir hatten nach dem theoretischen Input großen Respekt vor den anstehenden Trainingstauchgängen und Prüfungen die es im Wasser zu absolvieren galt. Auch die Vorfreude und der Respekt vor den ersten Atemzügen unter Wasser war riesig. Unser Tauchlehrer Joey, welcher aus Irland stammt, machte einen tollen Job. Über den Kurs hinweg war er stets gelassen, ruhig und geduldig mit uns und durchwegs professionell. Wir waren beide sehr froh, ihn als Tauchlehrer erwischt zu haben. Nachdem wir uns mit dem Equipment vertraut gemacht hatten, ging es auch schon ohne große Umschweife auf das Boot der Tauchbasis und raus aufs Meer. Wir rüsteten uns auf, und bauten die Sauerstoffflasche an das Atemgerät und die Tarierweste (BCD =Buoyancy Control Device), welche durch „auf- und abpumpen“ des Sauerstoffs massgeblich dazubeiträgt ob man abtaucht oder auftaucht und somit den Auftrieb regelt. Und dann hieß es Maske auf, Flossen an und los geht’s: Wir sprangen ins Wasser und die ersten Atemzüge unter der Wasseroberfläche waren fantastisch. Ein unglaubliches Gefühl! Allerdings galt es auch das in der Theorie gelernte anzuwenden und verschiedene Techniken zu üben und erfolgreich unter Beweis zu stellen. So ging der Tag nach den Trainingtauchgängen und zwei Deep Water Dives zu Ende und wir ließen den Abend mit leckerem kambodschanischem Essen ausklingen. Dabei konnten wir unsere ersten Eindrücke der faszinierenden Unterwasserwelt reflektieren: wir hatten Fischschwärme gesehen, Korallen und auch einige etwas größere Fische hatten uns „Hallo“ gesagt. Dabei hatte Conni gegen Mittag auch eine unangenehme Begegnung mit einem Stonefish, der (gut getarnt) Angst hatte, dass sie sich am Meeresgrund auf ihn setzten würde und daher ungerührt zubiss. Die Schmerzen waren Conni anzusehen und zuerst waren wir alle in großer Sorge, auch wegen der potentiellen Giftigkeit eines solchen Bisses. Doch Conni, die bereits zuvor bewiesen hatte, dass sie eigentlich eine Teil der Meereswelt ist (Zitat Joey „She breathes like a fish“ – im Bezug auf den gerigen Sauerstoffverbrauch von Conni – bei mir hieß es nur „You are a heavy breather) biss die Zähne zusammen und mittags wurde der Biss mit Essig behandelt. Darüber sprachen wir abends auch, aber zu diesem Zeitpunkt war die Verletzung schon viel besser geworden. 

Abends fielen wir todmüde in Anbetracht der vielen Eindrücke ins Bett um dann am nächsten Morgen nach einem guten Frühstück wieder bei Joey und der Tauchschule aufzuschlagen. Wieder bauten wir selbstständig unser Equipment zusammen und wieder ging es aufs Schiff an die Tauchplätze um erneut unsere Fähigkeiten zu überprüfen. An diesem Tag standen zwei weitere Deep Water Dives an, von denen  uns der letzte Tauchgang auch auf eine Tiefe von mehr als 15 Metern führte. Am späten Nachmittag verkündete Joey dann, dass wir uns nun erfolgreich „PADI Open Water Diver“ nennen dürfen. Damit dürfen wir nun offiziell überall auf der Welt mit einem örtlichen Taucher gemeinsam die Unterwasserwelt entdecken. Davon wollen wir vielleicht schon in Malaysia mittelfristig Gebrauch machen! Wir freuen uns sehr den Tauchschein gemacht zu haben und natürlich musste mit Joey und den 3 weiteren Kursteilnehmern (1 weiterer war mit Conni und mir Joey zugeteilt, die anderen beiden hatten einen anderen Tauchlehrer, absolvierten den Kurs aber zeitlich parallel mit uns) angestossen werden! Das Bier floss dann doch reichlicher als ursprünglich erwartet und so verbrachten wir viele Stunden in der Bar bis wir dann abends ins Bett fielen. 

Der nächste Tag war bereits der Tag unserer Abreise. Wir mussten einen Nachtbus von Sihanoukville (der durch und durch abscheuliche Ort am Festland wo wir mit dem Speedboot von der Insel aus hingebracht wurden) nehmen. Um die Zeit in Sihanoukville zu minimieren, beschlossen wir noch einen Tag am Strand von Koh Rong Samloem zu verbringen und dann am späten Nachmittag das letzte Boot aufs Festland zu nehmen. Dort angekommen erwartete uns dann wieder Sihanoukville – der Ort war uns bei der Anreise schon überaus negativ aufgefallen. Zum Glück hatten wir in dem anarchischen, staubigen Ort, der eine einzige chinesische Großbaustelle zu sein scheint nur wenige Stunden zu überbrücken bis dann am Abend unser Bus losfuhr. Durch ein Missverständnis irrten wir uns allerdings um eine Stunde in der Abfahrtzeit. Durch Improvisationsgeschick und großer (überraschender) Hilfe eines Tuk-Tuk Fahrers vor Ort, gelang es uns noch einen alternativen Bus zu erwischen. Zwar mussten wir in Phnom Penh gegen Mitternacht umsteigen, jedoch waren wir einfach nur froh Richtung Siem Reap unterwegs zu sein und Sihanoukville hinter uns lassen. Die Busfahrt war dann überaus unkomfortabel. In einem dreckigen und engen Schlafbus (es gab auf beiden Fahrten keine einzigen Touristen an Bord) ging es nach Siem Reap wo wir um 5 Uhr morgens übernächtigt ankamen. Natürlich hatte unsere Unterkunft noch kein Zimmer für uns so früh morgens, jedoch bekamen wir ein kleines Frühstück. Dann zogen wir los, um unseren ersten Streifzug durch Siem Reap zu unternehmen. Davon sind wir gerade zurückgekehrt und nehmen an, nach wenigen Stunden fast alles von diesem Ort gesehen zu haben. Ein paar schöne Tempel, eine Pub-Street und ein Markt stellten die Besonderheiten unserer ersten Ortsbegehung dar. Aber eigentlich sind wir ja auch hier, um morgen unser großes Highlight des Ortes zu Gesicht zu bekommen: Angkor Wat. Wir sind gespannt, was uns bei diesem sogenannten neuen Weltwunder morgen erwartet!

21Januar
2020

Von der Traufe ins Paradies

Nach einer diesmal nicht so langen Reise mit der Khmer-Rikscha erreichten wir unsere gebuchte Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Begrüßt wurden wir von zwei Hunden mit denen sogar ich im Laufe der Zeit warm wurde und der eine sogar eine Streicheleinheit bekam. Im Gegensatz zu den Hunden waren wir von den französischen Gastgebern kein bisschen begeistert. Sie kümmerten sich um nichts, waren außerordentlich ungepflegt und verbrachten ihre ganze Zeit Ricard und Bier trinkend an der Theke mit einem Joint in der Hand. Genau diese Attitude spiegelte sich auch in der Unterkunft wieder. Hatten wir aufgrund wundervoller Bilder bei booking.com und top Bewertungen wirklich relativ hohe Erwartungen, wurden wir nach Ankunft enttäuscht. Es war ziemlich dreckig, das Bungalow-Zelt war schimmelig und weder ein Safe noch ein Schloss für die Tür waren vorhanden. Auch die Lage am Salzfeld hatten wir beide uns schöner vorgestellt. Doch die Müdigkeit übermannte uns nach der Ankunft und da wir aufgrund der abgeschiedenen Lage keine anderen Option hatten entschieden wir beide uns einen Burger zu essen, welcher auch wirklich lecker war. Nach zwei Bier und einigen Runden Youno (ich führe übrigens immer noch :D ) fielen Keno und ich müde nach einem sehr ereignisreichen Tag, welchen Keno ja bereits im vorherigen Blog beschrieben hat, ins Bett.

Auch der nächste Tag sollte ein rollerreicher Tag werden. Unser Ziel: der Preah Monivong Nationalpark. Dieser liegt ca. 20 km entfernt durch Kampot, im Süden Kambodschas und , so lasen wir, ist bekannt für seine reine und einzigartige Natur. Wie auch unsere Gastgeber und die Unterkunft war auch der Roller von keiner außerordentlich guten Qualität. Somit war bei mir die Stimmung hinten auf dem Roller relativ angespannt, was die Fahrt zum Bokor Hill Nationalpark etwas unentspannt machte. Nebenbei erwähnt ist Keno wirklich ein sehr guter Fahrer, auch wenn manchmal der kleine Junge rauskommt und das Gaspedal, meiner Meinung nach, ein wenig mehr gedrückt wird als es gedrückt werden muss. Unsere Erwartungen an den Nationalpark waren eine tolle Natur und eine Wanderung dessen anschließendes Ziel der Popovil Wasserfall sein sollte. Doch wie so häufig trafen unsere Erwartungen nicht ein. Mit dem Motorrad erreichten wir das Eingangstor schneller als erwartet und wir brausten noch ca. weitere 20 km über eine sehr gut erhaltene und fast menschenleere Straße, welche wir uns auch in Deutschland häufig wünschen, durch die Natur. Von Wanderwegen war weit und breit nichts zu sehen. Überrascht stiegen wir am Ziel, welches uns das Navi vorgab, von unserem Motorrad und standen vor einem Restaurant welches Brasilien BBQ anbot und eine chinesische Atmosphäre versprühte. Der Doller Eintritt (für uns Beide) inkl. 2 Wasser wurde gezahlt und wir sahen nach 20 Metern (das zum Thema Wanderung) ein ausgetrocknetes Flussbett. Das hätte man sich außerhalb der Regenzeit vielleicht auch denken können… Angetan von der wirklich mysteriösen Atmosphäre des Ortes stiegen wir erneut auf den Roller und fuhren über menschenleere Straßen zur Bokor Hill Station. Vorbei kamen wir dabei an den 100 Rice Fields. Dabei handelte es sich nur um eine ausgedörrte Fläche auf welcher Touristen Steintürme bauen. Dieser Ort stellte aufgrund seiner Atmosphäre und Verlassenheit einen sehr guten Foto Spot dar, bei welchem wir lustige Fotos schossen und auch ich meine ersten Meter auf unserem Geschoss fuhr. Doch nicht gerade traurig überließ ich Keno den Lenker und nach ca. 10 Minuten Fahrt erreichten wir die Station. Bokor Hill Station ist ein verlassener Ort und besitzt das Image einer Geisterstadt. Seit 2018 wird die Gegend dort renoviert und als Hotel geführt. Generell begegneten uns auf dem Weg sehr viele Baustellen, manche sahen aus als seien sie in Betrieb wohingegen andere aussahen als seien sie verlassen worden. Wir fragten uns: Welche Vision wird dort wohl verfolgt?!? Verwirrt sind wir darüber immer noch, denn welche Touristen diese Riesenkomplexe füllen sollen ist uns weiterhin noch sehr unklar. Zurück zum Bokor Hill. Der mystische Tempel und auch die Kirche aus der Französischen Kolonialzeit in der Nähe wurde noch ein Besuch abgestattet. Wohnten in dem buddhistischen Tempel noch Mönche, war die Kirche eine Ruine und den Figuren in der Krippe, welche sich noch im Innenraum befand, wurden entweder das Gesicht entnommen oder der Kopf abgehackt. Wir konnten aufgrund der totalen Abgeschiedenheit verstehen warum dieser Ort während der vietnamesischen Invasion 1979 von den Roten Khmer als Versteck genutzt wurde und  in den 1990er Jahren noch eine der letzten Hochburgen war. Unsere Mägen meldeten sich inzwischen und aufgrund fehlender Optionen vor Ort machten wir uns auf den Rückweg. An einer Art Autobahnraststätte noch innerhalb des Parks, machten wir Halt und unsere Mägen konnten mit Fried Rice und Fried Nudels gefüllt werden. Vor Ort konnten wir ein Zwischenfazit ziehen: Zwar erwarteten uns keine schönen Wanderwege doch war der Ort aufgrund seiner mystischen aber auch wirklich verwirrenden Atmosphäre einzigartig und höchst sehenswert. Wir haben den Ausflug und die Fahrt durch eine traumhafte und dschungelartige Natur sehr genossen und können zum Bokor Hill sagen: Es handelt sich unserer Meinung nach um den Perfekten Ort um einen Horrorfilm zu drehen. 

Halt machten wir nach ca. einstündiger Fahrt in Kampot selber. War der Ort mit einer Mischung aus französischer und asiatischer Architektur, seinen bunten Häusern und den Cafés wirklich sehenswert, gefiel uns das Publikum vor Ort leider überhaupt nicht. Viele alte Männer die offensichtlich darauf warteten, dass der Abend eintritt und sie ihren Gelüsten nachkommen können. Doch unsere Kaffeesucht sorgte dafür, dass wir uns in einem Café niederließen und bei einem Eiskaffee Billard spielten. Beide sind wir keine guten Spieler, trotzdem kam der Spaß dabei nicht zu kurz. Auch schmiedeten wir beide Pläne, was wir mit unserem Abend anfangen wollen. Von unseren Gasteltern (der einzige hilfreiche Tipp) haben wir die Empfehlung bekommen zum Greenhouse zu fahren, dort Kajak zu fahren und Abend zu essen. Nach einen Blick auf TripAdvisor und dessen guter Bewertungen entschieden wir uns auf die 20 minütige Fahrt zu begeben. Bereut haben wir es nicht: Auf der Fahrt dorthin ging es durchs ursprüngliche Kambodscha und wir genossen es uns den Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Auch das Greenhouse an sich zog uns direkt in den Bann. Gelegen war es an einem breiten Fluss und die Natur drumherum war wunderschön. Auch das Personal war sehr freundlich und unser 3 Gänge Menü für 15 Euro einfach unfassbar lecker. Wir waren dabei so angetan, dass wir von unserer bisherigen Planung absahen und für die darauffolgenden 2 Nächte dort einen kleinen Bungalow mieteten. 

So kam es, dass wir noch eine Nacht in unserem Zelt schliefen und am nächsten Tag mit der Khmer-Rikscha zum Greenhouse zurückkehrten. Was für eine perfekte Entscheidung: die nächsten 2 Tage verliefen wie im Paradies. Das Essen einfach unbeschreiblich gut, das Personal freundlich und unser Bungalow sehr gemütlich. Kein Wunsch blieb bei uns beiden offen. Den ersten Tag nutzten wir um im Fluss baden zu gehen und Keno und ich aktivierten unsere Motivation und schwammen von der einen Seite des Kampot River zur Anderen. Eine sportliche Betätigung die wir Beide etwas vermisst hatten. Sportlich ging es an diesem Tage auch weiter. Für eine Stunde mieteten wir uns ein Kajak und machten eine kleine Tour durch die Mangroven. Traumhaft schön, was dadurch nochmal verstärkt wurde, dass weit und breit keine Menschenseele zu sehen war. Diese sportliche Betätigung musste unser Körper erstmal verkraften und somit wurde die restliche Zeit lesend in einer Hängematte verbracht. Auch der nächste Tag sollte sportlich vonstatten gehen. Wir liehen uns zwei Stand-up paddle boards und wir beide sollten zum ersten mal uns mit diesem Geschoss aufs Wasser begeben. Keno bewies eindeutig mehr Geschick als ich, mein Koordinationssinn machte das ganze für mich doch ein wenig zu einer Herausforderung. Doch ein gutes Stück kamen wir voran, bis die Kinder aus uns beiden herauskamen und wir uns gegenseitig ins Wasser stießen. Nach einigen misslungenen Versuchen von Keno das Board wieder zu besteigen, kringelte ich mich bereits mit lautem Lachen auf meinem Board, welches ich zuvor erfolgreich bestiegen hatte. Doch es stellte sich heraus, dass Kenos Board eine Macke hatte und voller Wasser lief und somit das Besteigen unmöglich war: Unser Ausflug nahm somit die Wendung von einem harmonischen (vom Wasser stoßen abgesehen) Ausflug zu einer Teambuilding Maßnahme. Zuerst versuchten wir beide auf einem Board zu fahren, dies schlug jedoch fehl und wir fanden die optimale Möglichkeit, dass einer schwimmend neben dem Board und der andere paddelnd den Weg zurücklegte. Nachdem meine Kondition beim Schwimmen relativ schnell versagte bewies sich Keno als großer Held und Schwamm die gewaltige Strecke bis zum Greenhouse. Völlig fertig kamen wir dort an und ich entschloss mich mir eine Massage direkt am Fluss zu gönnen. Die perfekt gelegenen Massagehüttchen waren uns bereits wohlwollend in den letzten Tagen aufgefallen. Mit einem Boot wurde ich von einem sehr gutaussehenden Mann (das musste sogar Keno eingestehen), welcher auch im Traumschiff arbeiten konnte, abgeholt und nach einem Fußbad wurde ich ins Hüttchen geführt. Mich erwartete ein traumhaftes Erlebnis und nach 90 Minuten saß ich mit einem Ingwertee gestärkt wieder im Boot und wurde von Keno in Empfang genommen. Der Tag wurde sehr entspannt zu Ende gebracht und nach einem kleinen Ausflug nach Kampot lagen wir im Bett und sagten diesem wunderschönen Tag eine Gute Nacht. 

Am nächste Tag verabschiedeten wir uns nach einer erneuten Schwimmrunde schweren Herzens vom Greenhouse und stiegen in Kompot in einen Minivan, welcher uns zuerst nach Sihanoukville brachte und wir dann zwei Stunden später das Speatboat nach Koh Rong Salomoen nahmen. Beide Fahrten wurden wir von Rennfahrern herumkutschiert: Formel 1 und ein Speadboatrennen ist nichts dagegen. Mit über 80 km/h brausten wir über das Wasser und anstelle der 2 stündigen (wie im Internet angekündigt) Fahrt betraten wir nach 35 Minuten überglücklich die Insel. Hier werden wir nun die nächsten 5 Tage verbringen, denn wir beide haben uns entschieden vor Ort einen Tauchschein zu machen. Wir sind voller Vorfreude und ganz gespannt. Morgen geht es los und ihr könnt gespannt sein: Wir werden berichten! :)

17Januar
2020

Geh doch dahin wo der Pfeffer wächst

Zu später Stunde erreichten wir Kep. Dort hatte Conni einen sehr einfachen Bungalow mit runden (!) Grundriss (was Conni sehr süß fand…) gebucht, welchen wir direkt bezogen, nachdem uns der Bus vor den Toren der Unterkunft abgesetzt hatte. Mitten im Dschungel gelegen, hatten die Hütten, welche nur eine Steckdose und keine Toilette beziehungsweise Dusche hatten, ihren ganz eigenen Charme. Zu später Stunde galt es an diesem Abend noch unsere Mägen zu füllen und was konnte da naheliegender sein, als ein Spaziergang zur Küste, um in einem der dortigen Seafood-Restaurants, direkt neben dem legendären Crab-Market von Kep einzukehren. Wir hatten fantastischen Fisch und Conni einen Krebs – alles so frisch, als seien die Tiere direkt vom Meer auf unsere Teller gehüpft. Das Verspeisen des Krebs stellte Conni vor große Herausforderungen und am Ende wurde in barbarischer Manier mit den Händen an dem Corpus Delicti herumgezerrt um auch an das letzte Gramm Fleisch heranzukommen. Auf jeden Fall war es unfassbar delikat und so zogen wir zufrieden in unsere Unterkunft. 

Am nächsten Tag schliefen wir länger, frühstückten und zogen bei Tage los um den Crab Market zu erkunden. Dann ging es weiter in den eigentlichen Ort Kep. Dort war ein schöner und irgendwie faszinierender kleiner Hauptstrand. Hier mieteten wir uns für 5 Dollar für den Tag zwei Liegestühle und einen Schirm und legten die Füße hoch, lasen und schwammen ab und an im Golf von Thailand – es war natürlich eine Wonne! Der Strand war dahingehend besonders, dass er sehr untouristisch war, wahnsinnig entspannt und ruhig noch dazu. An der Straße die am Strand entlangführte waren hunderte Hängematten unter den Palmen aufgespannt, von denen allerdings nur wenige bevölkert waren. Zu unserer Überraschung waren auch Affen teilweise die Nutzer dieser Hängematten. Abends ging es naheliegenderweise erneut in eins der fantastischen Seafood Restaurants am Crab Market und dieses Mal traute auch ich mich an die Krebse heran, allerdings stellte ich mich dabei noch unbeholfener an als Conni. 

Nach diesem Tag des Faulenzens hatten wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen. Abends sollte es für uns schon nach Kampot gehen, darum standen wir früh auf um den Tag zu nutzen. Wir lagerten unser Gepäck bei dem Schweizer Gastgeber Michael und liehen uns einen Roller von ihm. Dann düsten wir los. Unser Ziel war eine Pfefferfarm im Dschungel und der sogenannte Secret Lake. Durch unsere hemdsärmelige (man könnte auch sagen dilletantische) Navigation fuhren wir unbekümmert querfeldein, nachdem wir unsere eigenliche Route irgendwie verlassen hatten. Ich kam mir zwischendurch auf dem Roller vor, wie ein Rennfahrer der Rallye Dakar. Es ging durch Sand- und Kiesabschnitte und zwischendurch fuhren wir mit dem Roller auf einem allenfalls 10 Zentimeter breiten Sandstreifen der als „Weg“ fungierte. Die Natur war allerdings atemberaubend und kaum in Worte zu fassen. Die Hitze war allerdings auch enorm! Wir freuten uns die Pfefferfarm zu erreichen. Dort stärkten wir uns mit Wasser und Kaffee und bekamen dann zu zweit eine Führung über die Farm und wurden zu kleinen Pfefferexperten ausgebildet. Wichtiges Learning: Roter, weisser und schwarzer Pfeffer kommt von der selben Pflanze (selbst das war uns nicht bewusst) – die Unterschiede in der Optik liegen an der Verarbeitung. Am Ende verkosteten wir die Pfeffersorten, tranken Pfeffertee und kauften auch (was bei einer kostenlosen Führung implizit erwartet und auch angemessen ist) ein bisschen Kep Pfeffer und Pfeffertee. Wir fuhren weiter und kehrten am menschenleeren Secret Lake (der wirklich abgelegen ist und damit zurecht seinen Namen trägt) ein. Dann ging es für uns an ein Salzfeld. Hier konnte man allerdings vom eigentlichen Produktionsprozess nur wenig sehen. Die Abenddämmerung trat ein und wir beendeten unsere Motorroller Tour wieder am Strand vom Vortag um der Sonne für den Tag Tschüss zu sagen. Wir holten unser Gepäck ab und dann ging es auch schon mit der Khmer Rikscha nach Kampot, wo wir nach diesem Tag voller Eindrücke ziemlich spät und müde aufschlugen. Was haben wir in Kep gelernt? Wir waren jetzt da wo der Pfeffer wächst, und wir müssen beide noch üben um gesellschaftsfähig Krebs essen zu können! 

15Januar
2020

Neues Land neue Abenteuer

Wieder lädt eine Busfahrt (diesmal sitzend = große Freude!) dazu ein, einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Jetzt sind wir in Kambodscha und haben bereits sehr viel zu sehen bekommen! 

Zur Wahrung einer chronologischen Erzählweise, bedarf es nun den Sprung drei Tage zurück. Mein erfolgreicher Besuch beim Kieferorthopäden, wo meine „Bezahlung“ aus einem vernachlässigbaren Unkostenbeitrag und gemeinsamen Fotos mit der Belegschaft bestand (die Fotos wurden von der Praxis bereits auf der Facebook Fanpage veröffentlicht – ich bin jetzt offiziell Testimonial einer vietnamesischen Zahnarzt- und Kieferorthopädiepraxis) galt es für Conni und mir Can Tho zu verlassen. Unser nächster und letzter Halt in Vietnam sollte Chau Doc sein. Dieser Ort ist Durchlaufstation, um dann wie von Conni im letzten Blogeintrag beschrieben, mit dem Speedboot weiter nach Kambodscha zu fahren. Bezüglich Chau Doc hatten wir keinerlei Erwartungen, jedoch wurden wir für die eine Nacht die wir dort verbringen wollten mit einem wirklich guten Hotel positiv überrascht. Mit Kennerblick stellte ich zu der Ausstattung und dem Interieur des Hotels große Parallelen zum deutschen Holiday Inn Express Standard fest, was unsere Erwartungen an diese Station übertraf. Und auch unser letzten Abendessen in Vietnam war eine Wonne: auf einer Terrasse direkt am Mekong River gab es für uns einen herrlichen Hot-Pot begleitet von Cocktails und zum Abschluss einem guten Ricard Pastis (dieser ist sehr verbreitet – eine der positiven Folgen der französischen Kolonialzeit in Vietnam;)).

Am nächsten Tag war es dann soweit: Wir fuhren nach Kambodscha. Über unser Hotel hatten wir am Vorabend bereits die Speedboottickets gebucht. Unser Rezeptionist hatte uns mitgeteilt, dass auch der Transfer zum Port inklusive sei. Was sich unseren schlaftrunkenen Augen am nächsten morgen um 6.45 Uhr (dramatisch früh!) bot, war jedoch ein dreirädriges Fahrrad mit einer hölzernen Sitzbank hinter dem Sattel des Fahrers. Unsere Bemühungen den alten, hageren Fahrradchauffeur dazu zu bringen nur das Gepäck zu befördern und uns laufen zu lassen wurden abgewiesen und so sassen wir müde auf der wahnsinnig engen und wackeligen Rikscha und wurden durch das gerade erwachende Chau Doc kutschiert. Müde und verschämt nach unserer unfreiwilligen Rikschafahrt erreichten wir den Hafen. Nachdem der Fahrer sein wohlverdientes Trinkgeld erhalten hatte betraten wir das schnittige Speedboot und kurz darauf düsten wir los. Wir folgten den Lauf des Mekong Flusses und an der Grenze zu Kambodscha wurde an einer Polizeistation auf einem Ponton festgemacht. Der Kapitän und der begleitende Guide kümmerten sich um die Pass Formalitäten und wir setzten unsere Fahrt fort, nur um 3 Minuten später auf kambodschanischen Staatsgebiet anzulegen und dort die Einreiseformalitäten zu erledigen. Als wir das Schiff verliessen, traf meine wohlplatzierte Pointe „Hier siehts direkt ganz anders aus“, bei Conni nur auf ein müdes lächeln. Ähnlich ermüdend wie mein Humor sollte sich das Einreisprozedere heraustellen. Dieses wurde überwiegend auch von der Schiffscrew erledigt, jedoch mussten bei den uniformierten Beamten noch Fingerabrdücke und ein Foto abgegeben werden. Dies sollte für alle Reisenden über eine Stunde dauern. Nachdem unsere Pässe den bunten Kambotscha Visums Sticker erhalten hatten ging es jedoch flott weiter mit unserem Speedboot. Nach weiteren 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir Phnom Penh. 

Ein Blick aufs Handynavi zeigte uns, dass es vom Anleger zum Hotel nicht allzu weit war, darum schlugen wir die Angebote der aufdringlichen Tuk-Tuk Fahrer aus und stapften durch die stechende Hitze los Richtung Hotel. Und sehr schnell wurde uns klar, dass wir etwas vergleichbares zu Phnomh Penh noch nicht erlebt hatten. Die Stadt zeigte sich von Beginn an sehr anders, als alles was wir zuvor in Vietnam gesehen hatten. Wir erreichten unser Hotel (welches sich als eine Oase der Ruhe in dem irrsinnig chaotischen, bisweilen anarchischen, Phnom Penh herausstellen sollte) parkten unser Gepäck im Zimmer und gingen erstmal eine Kleinigkeit essen. Eine Besonderheit in Kambotscha betrifft die Währung: praktisch alle Geschäfte werden in US-Dollar abgewickelt, die eigene Währung ist hingegen unbeliebt und wird allenfalls als Wechselgeld für Beträge unter 1 USD verwendet. Dies führt bei Ungeübten erstmal zu holprigen Bezahlvorgängen. Hinzu kommt, dass in Kambodscha eine eigene Schrift existiert. Diese Schrift tangiert nicht nur die Buchstaben, sondern auch die Zahlen sehen anders aus als bei uns. Auf den Geldscheinen der eigenen Währung sind ebenfalls diese kambodschanischen Zahlen aufgedruckt und nur sehr klein und versteckt eine „Übersetzung“ mit den uns geläufigen Zahlen – erstmal gewöhnungsbedürftig. Nach der Stärkung ging es dann los: Wir liefen durch die sengende Hitze zum nahegelegenen Palast und der im Gelände liegenden Silberpagode. Unsere kulturelle Ambition wurde jedoch durch die „Palastwache“, einem gelangweilten Mann in einem Häuschen hinter einem völlig wirkungslosen Metalldetektor beendet, als dieser verkündete wir seien zu luftug angezogen und müssten die Knie bedecken um das Gelände zu betreten. Darum entschlossen wir uns um eine Vertagung dieser Programmpunkte und liefen weiter zum Unabhängigkeitsdenkmal. Dort angekommen stellte sich dieses als sehr unspektakulär heraus, da es eigentlich nur eine große Verkehrsinsel war. Geschafft von der Hitze bestellten wir per App ein Grab Tuk-Tuk und für uns folgte die erste gemeinsame Tuk-Tuk Fahrt überhaupt. Abends gingen wir essen und konnten in unserem authentischen Khmer (so nennen sich die Kambodschaner) Restaurant bestaunen wie Nudeln traditionell per Hand hergestellt wurden. Danach tranken wir noch einen Cocktail bei einem bunt erleuchteten Stand am sonst sehr dunklen Straßenrand. Von dort wurden wir Zeugen wie einem alten, westlichen Ehepaar von einem Motorroller aus die Digitalkamera gestohlen wurde. Ein krimineller Akt der in Millisekunden vonstatten ging und für uns beide eine eindringliche Warnung war, in Kambodscha noch mehr auf die Wertgegenstände aufzupassen als zuvor. Uns beide hat der Vorfall beschäftigt, weil wir zuvor die beiden sogar beobachtet hatten und ich bereits durch meinen Kommentar „Schön, dass es auch so alte Individualreisende in diesem Land gibt“ eine Art emotionale Bindung zu den Bestohlenen hergestellt hatte. Für Conni und mir ging der Abend zu Ende und völlig müde – wir waren am Morgen schließlich schon vor 6 Uhr aufgestanden, fielen wir ins Bett. Unser Fazit bis dato zu Phnom Penh: deutlich ärmer als alles was wir in Vietnam gesehen hatten, eine sehr dunkle Stadt (viel weniger Elektrizität, es waren mitten im Zentrum der Millionenstadt viele dunkle Ecken), ein völlig chaotisches Verkehrsaufkommen, so wie man es sich in Indien vorstellt, eine teilweise gesetzlose Mentalität und oftmals eine kollektive Lust- und Planlosigkeit die man einigen Menschen einfach unterstellen musste. Trotz allem: der erste Bettler der uns in Kambodscha ansprach war ein gestrandeter Deutscher Sextourist. Der Tourismus in Kambodscha ist viel weniger ausgeprägt als in Vietnam, ein ganz anderer Tourismus und insbesondere in Phnom Penh wie wir am Folgetag insbesondere feststellten, auch ein sehr spezieller Tourismus. 

Der nächste Tag sollte unser einziger volle Tag in Phnom Penh sein, dementsprechend umfangreich war unsere Agenda. Wir brachen relativ zeitig morgens auf und besuchten den Königspalast und die Silberpagode. Beides sehr beeindruckende, traditionelle Bauwerke die mit ihrem Prunk sehr aus der teilweise sehr offensichtlichen Armut die drumherum herrscht, herausstechen. Nach diesem obligatorischen Sightseeing-Punkt, zog ich mir wieder schnell eine kurze Hose an (bei 34 Grad ein ratsames Unterfangen) und bestellten uns ein Tuk-Tuk mit dem wir ca. 1 Stunde für 5 USD fuhren. Wir fuhren raus aus der Stadt zum Choeung Ek Gedenkzentrum. Hierbei handelt es sich um eines der Killing Fields. In den Killing Fields, welche es in ganz Kambodscha verteilt gab, fanden unter dem steinzeitkommunismus von Pol Pot Massenhinrichtungen statt. Ab 1975 war Choeung Ek einer der Orte wo im Zuge dieses Genozids zehntausende Menschen den Tod fanden. Insgesamt starben unter der Herschafft der Roten Khmer in Kabodscha 3 Millionen Menschen. Kamnodschaner töteten unter einem ideologischen Regime Kambodschaner. Choeung Ek ist das bedeutsamste Gedenkzentrum zu diesem extrem dunklen Kapitel der kambodschanen Geschichte. Ein unvorstellbarer Genozid in der jüngeren Geschichte. Conni und ich waren positiv angetan (wenn man das so sagen kann) von der würdevollen und erinnerungskulturell gelungenen Gedenkstätte. Es gab keine touristische Ausschlachtung und einen sehr hochwertigen mehrsprachigen Audioguide, der kurz und dennoch eindringlich die Geschehnisse dieser Zeit darstellte. In einer großen zentralen Gedenkstupa, liegen in Vitrinen zehntausende Schädel der Toten des Choeung Ek Killing Fields. Dies ist der zentrale Punkt dieser ehemaligen Massengräber. Conni und ich fanden den respektvollen Umgang mit dieser Tragödie löblich. In Vietnam hatten wir uns beispielsweise gegen den Besuch der Tunnel von Cu Chi entschieden (und stattdessen das Kriegsmuseum in Ho Chi Minh City besucht), wo viele Tausend bei dem Vietnamkrieg ihr Leben liessen, nachdem wir zuvor in Rezensionen von der makabren Inszenierung die dort für Touristen geboten wird, gelesen hatten. So gibt es dort eine Shooting Range, wo man selber mit den Waffen aus der damaligen Zeit schiessen darf und es können „lustige“ Fotos in den Schachteingängen geschossen werden. Im guten Widerspruch dazu stand die Erinnerungskultur bei der Gedenkstätte bei Phnom Penh. 

Nach diesem nachdenklich stimmenden Besuch fuhren wir zurück ins Stadtzentrum von Phnom Penh. Mittlerweile war der Nachmittag stark vorangeschritten und liefen noch ein wenig durch die Staßen der Innenstadt um das dortige Chaos auf uns wirken zu lassen. Dabei stellten wir auch, wie bereits erwähnt, einen relativ präsenten Sextourismus fest – was sich in die Präsenz einer eher speziellen Touristenklientel manifestierte (Stereotypisch weiße, alte, grimmige, eher ungepflegte, birnenförmige Männer). 

Heute setzten wir diesen Stadtrundgang fort, besuchten noch die Markthalle mit französischer post-kolonialer Architektur und Wat Phnom, eine schöne Pagode. Vor ein paar Stunden fuhr dann unser Bus los, welchen wir mit zwei Gedanken bordeten: 1. Wir haben in sehr kurzer Zeit wahnsinnig viel – und unser Meinung nach alles relevante – von Phnom Penh gesehen. 2. Wir freuen uns beide sehr auf die Natur. Die heiße und chaotische Stadt war zugegebenermaßen doch relativ anstrengend, jedoch auch super sehenswert. Jetzt freuen wir uns auf den Luftwechsel und die Strände von Kep! Sofern kein Sand vom Strand die Tastatur verklemmt, wird von dort der nächste Blogeintrag folgen :).

12Januar
2020

Mit (nicht ganz so) handsome John durchs Mekong Delta

Angekommen in Ho Chi Minh City kamen Keno und ich nach einer erneuten Grab Fahrt im Hotel an, welches sich nach einer ausgewählten Sondierung unsererseits 2 km vom Busbahnhof befand. Wirkte der aller-, allererste Blick noch ok, stellten wir dann auf dem ersten Blick doch sehr schnell fest, dass es sich um eine unverschämte Drecksbude handelte. Offensichtlich war das für uns beide zwar überaus abschreckend, aber einem schien es sehr zu gefallen: Dem Gecko der sich nach einiger Zeit aus der losen Tapete unseres Hotelzimmers heraus traute. Zuerst blieb dieser jedoch unentdeckt und Keno und ich machten uns auf dem Weg um unsere unzufriedenen Mägen zu befriedigen. Waren wir diese Nacht in einer höchst umtouristischen Ecke gelandet lief auch dieses Abendessen sehr authentisch ab. Wir landeten an einem Straßenstand und wurden überrascht mit überaus leckeren Nudeln mit Ente und einer anschließenden Suppe mit Klößen (wir beide werden nun mal leider nicht von einer vietnamesischen Portion satt…). Nach Rückkehr schliefen wir dann mit unserem ungewollten Mitbewohner ein.

Nach einer doch etwas unruhigen Nacht machten wir uns zu Fuß auf zum Busbahnhof. Die 2 Kilometer wurden ohne Probleme zurückgelegt und wir waren fasziniert von der Größe des Abfahrtsortes. Ein Gewusel wie in einem Ameisenhaufen erwartete uns und dank einheimischer Hilfe gelangten wir rechtzeitig in den richtigen Bus, welcher uns dann nach Can Tho bringen sollte. Dabei handelte es sich, so meint auch mein Reisebegleiter, um den angenehmsten Schlafbus unserer Reise. Die Vorhänge vor den Sitzen machten eine Abschottung vor den anderen Reisenden möglich und die Sitzgröße war auch mehr an Keno’s Größe angepasst. Entspannt erreichten wir somit mittags Can Tho und machten uns direkt am Morgen an die Entdeckung der Stadt. Doch was wir im Laufe des Tages sahen begeisterte uns ehrlich gesagt gar nicht. Es handelte sich um eine chaotisch, laute und unserer Meinung unspektakuläre Stadt. Auch die sonst sehr guten kulinarischen Möglichkeiten waren eingeschränkt. Aufgrund fehlenden ansprechenden Möglichkeiten gingen wir zur Top 1 auf TripAdvisor, doch auch dieser Laden war ein totaler Reinfall. Die Frühlingsrollen waren schlechter als die aufzubackenden Rollen im Supermarkt und der Papayasalat ungenießbar. Somit gingen wir auch mit keinerlei Erwartungen zu dem Nachtmarkt in Nähe unseres Homestays. Dieser konnte uns jedoch überzeugen: Gab es frischen Fisch, der gegrillt oder als Hot-Pot zubereitet wurde, und Becks Ice Bier, welches nicht das Bier war was es in Deutschland zu kaufen gibt (süffig aber nicht süß) und eindeutig für den asiatischen Markt produziert wurde. Wir speisten sehr gut und genossen die wirklich authentische Atmosphäre. So hätten wir beide nie gedacht, dass wir jemals das Spiel Jordanien-Nordkorea in einem Publikum gucken würden, welches eindeutig für Nordkorea mitfiebert. Nach Erreichen des Betts legten wir uns sehr schnell schlafen denn unser nächster Tag sollte ungewöhnlich früh beginnen.

Denn gegen 4:30 Uhr ging bereits unser Wecker und eine halbe Stunde später wurden wir von unserem Guide, der sich selber als Handsome John bezeichnete, an unserem Homestay abgeholt. Mit einem Taxi ging es zum Hafen und mit einem kleinen Bötchen machten wir uns auf dem Weg zu den Swimming Markets. Keno und ich merkten in der Zwischenzeit, dass 4:30 Uhr aufstehen nicht unsere Uhrzeit war und nutzten die Zeit um zu uns selber zu finden und aufzuwachen. Wiedererwarten gelang mir dieser Prozess deutlich besser als Keno, welcher erst gegen 8:30 Uhr seine ganzen Fähigkeiten wiedererlangte (wohingegen dann mein Zusammenbruch erst nach erfolgter Tour am Nachmittag kam). Vor Sonnenaufgang erreichten wir den Swimming Market Cai Rang welcher aus Handelsschiffen bestand. Diese verkauften alles, was auch auf einem normalen Markt zu finden ist: Früchte, Gemüse, etc. Doch auch Lotterieschiffe und Boote welche Kaffee und Suppe verkauften. Damit wurden wir auch mit einer Suppe zum Frühstück eingedeckt, die Lehne wurde als Tisch umgebaut und wir genossen das Gericht mit Aussicht auf den Markt. Nach der Stärkung machten wir uns auf den Weg zum zweiten Swimming Market. Dieser war sehr klein (um die 5 Bötchen) und eindeutig nur auf Touristen ausgelegt. Wir wurden mit Ananas versorgt, was mich überaus freute und Keno hingegen Angst vor eine Vitaminschock bekam laughing. Auch einen Kaffee auf den wir uns schon eine längere Zeit sehnten bekamen wir ausgehändigt und glücklich schipperten wir zu einer Fruit Farm. Wir sahen Kokosnüsse, Sternfrüchte, Bananen, Pomelo, usw. wachsen und Handsome John erzählte uns etwas über die individuelle Anbauweise. Geparkt wurden wir anschließend in dem dortigen Restaurant und wir wurden nahezu gedrängt etwas zu kaufen. Diese weit verbreitete Tat senkte unsere Laune etwas doch kaum schipperten wir mit unserem Bötchen durch etwas kleinere Gässchen und wir die Natur genießen konnten besserte sich diese exponentiell wieder auf. Fotos wurden gemacht und der doch etwas romantische Augenblick genossen. Auf dem Rückweg wurde ein weiterer Stopp an der Reisnudelfabrik eingelegt. Ein weiterer eindeutig für Touristen angelegte Rundgang wurde hingelegt und wir beide übten uns an dem Bedienen einer Schneidemaschine. Das aufgedrängte Video vom nicht ganz so Handsome John wird wohl in den nächsten Tagen bei uns beiden im Papierkorb des Handys landen. Gegen 12:00 erreichten wir das Homestay und wie oben erwähnt kam nach dem Mittagessen mein Zusammenbruch. Todmüde war ich zu nicht mehr viel zu gebrauchen (und Keno auch nicht, da nach vielen weiteren Obstsorten zum Probieren, der Vitaminschock tatsächlich eingetreten war) und da wir beide nicht mehr das Gefühl hatten etwas in der Stadt verpasst zu haben, machten wir uns einen ganz gemütlichen Nachmittag. Abends haben wir sehr lecker (mal wieder waren wir darüber überrascht) Sushi essen und früh ging zu Bett.

Heute Morgen war Keno noch beim Kieferorthopäden (nichts schlimmes, nur am Retainer hatte sich etwas gelöst) was sich jedoch als überaus positive Erfahrung herausstellte. Seiner Aussage war die Praxis sauber und das Personal schien qualifiziert. Nun sitzen wir beide im Bus, dessen Busfahrer Rennfahrer sein sollte. Wie Keno bereits im letzten Blogeintrag geschrieben hat wollen wir nun morgen das Speetboat von Chat Doc nach Phnom Penh nehmen. Wir sind beide sehr gespannt, was für Erlebnisse wir in Kambodscha haben und natürlich werden wir euch auf diesem Wege weiter berichten.smile

10Januar
2020

Sonne, Strand und Sprudelwasser

Erneut lädt eine Fahrt im Schlafbus (wieder mal am helllichten Tage – es bleibt ein Geheimnis der Vietnamesen, warum man nicht einfach normale Sitzbusse benutzt, sondern die Touristen mit den grässlichen Schlafbussen quält und demütigt) dazu ein, die letzten Tage Revue passieren zu lassen und einen Blogeintrag zu verfassen. Conni liegt neben mir in der Liege (dieses Mal im zweiten Stock des Busses, wo es besonders schauklig und unbequem ist) und hat sich soeben mit dem Schicksal abgefunden, die Fahrt liegend verbringen zu müssen, da ihre Rückenlehne defekt ist. Heute geht es wieder nach Ho Chi Minh City, was erstmal einfallslos klingt, da wir von dort aus auch nach Mui Ne gestartet sind. Jedoch werden wir abends ankommen, nur eine Nacht in Saigon verbringen und dann morgen in der Frühe weiter nach Can Tho, der größten Stadt im Mekong Delta, ganz im Süden von Vietnam, fahren. So vermeiden wir eine schlaflose Nacht im Schlafbus und kommen morgen Mittag ganz entspannt in Can Tho an. Mittelfristig wollen wir dann vom Mekong Delta über dem Wasserweg nach Kambodscha reisen. Nun gilt es aber erstmal die vergangenen 5 (Sonnen-)Tage in Mui Ne zu reflektieren.  

Nach unserer letzten Busfahrt, aus Saigon kommend, kamen wir abends an unserem Homestay an. Dort erhielten wir einen Bungalow für die nächsten zwei Nächte. Unser erster Eindruck von Mui Ne war eher zwiespältig. Die örtlichen Touristen kommen zum allergrößten Teil aus Asien und Russland. Der Anteil an Russen ist so hoch, dass die meisten Restaurants und Läden Anschläge auf kyrillisch haben und überall russische Übersetzungen zu lesen waren. Überhaupt stellten wir schnell fest, in einer absoluten Touristenhochburg gelandet zu sein, wenn auch in der Nebensaison. Mui Ne liegt an der Küste des südchinesischen Meers (dem Pazifik). Der ursprüngliche Ort liegt auf einer Landzunge (hier wohnen vor allem die Einheimischen wie wir am nächsten Tag herausfanden) und die Touristen tummeln sich an einigen Kilometern entlang der Küste. Dort kann man den Aufbau des Ortes am besten vom Wasser aus beschreiben: zuerst kommt der Strand, dann Hotels und Resorts, dann auf deren Vorderseite die Strasse und dann auf der anderen Straßenseite wieder Restaurants, Läden und einfachere Unterkünfte ohne Strandzugang. So zieht sich der Ort über viele Kilometer entlang der Küste. Der örtliche Tourismus zeigte sich in verschiedenen Ausprägungen: die Küche war sehr international – so gab es einige indische Restaurants, Pizzerien, Burgerbuden, aber auch  eine „Schweizer Hütte“ und ein deutsches Restaurant namens „Ratinger Löwe“. Nach einer kurzen Recherche stellten wir fest, dass die kulinarische Situation vor Ort etwas schwieriger war, als an den Orten zuvor, insbesondere was die Omnipräsenz guter vietnamesischer Küche anging. So landeten wir schliesslich bei einem indischen Restaurant. Nach einem scharfen Chicken Tikka Massala (bei mir von permanenten, schärfebedingten Schluckauf begleitet) zog es uns dann an den Strand. Dort wurde uns dann (trotz der nächtlichen Dunkelheit) der Reiz von Mui Ne deutlich. Wir wanderten am Strand entlang, tranken schließlich direkt an der Küste noch ein paar Biere als Schlummertrunk, konnten dabei die Wellen hören und den Ausblick auf die Palmen genießen. 

Am nächsten Tag starteten wir mit dem üblichen Entdecker-Spirit und liehen uns in unserer Unterkunft einen Roller für den Tag. Bei sehr warmen Temperaturen von bis zu 34 Grad, tat uns der Fahrtwind auf unserem Gefährt sehr gut. Wir düsten Richtung Mui Ne und fuhren durch den ursprünglichen Ort auf eine Landzunge. Dort landeten wir schliesslich am südlichsten Punkt wo wir die Füße ins Wasser streckten. Der Ausblick war zwischendurch einzigartig: Hunderte kleine, kunterbunte Fischerboote liegen im Hafen von Mui Ne verteilt, dazu strahlender Sonnenschein, Palmen und Sandstrände. 

Wir setzten unsere Tour fort und entschlossen uns dazu, die größte Sehenswürdigkeit von Mui Ne anzusteuern: die White Sands Dunes. Conni hatte im Vorfeld bereits viel über eine mögliche Falle auf der Fahrt zu den Dünen erzählt. Die Mui Ne Police Trap, ist das systematische Ausbeuten von Touristen durch korrupte Polizisten, die auf der Strecke zu den Dünen lauern und vermeidliche Verstöße von Rollerfahrern ahnden. Man muss dazu sagen, dass einige Touristen auch durchaus eine Strafe verdient hätten, angesichts der schlechten und gleichzeitig schnittigen Fahrweise (oftmals angetrunken und ohne Helm). Da Conni und ich jedoch nach Studium einschlägiger Blogs bereits wussten was uns auf der Strecke erwarten könnte hatten wir das Portemonnaie tief im Rucksack vergraben und ein paar US-Dollar griffbereit, um diese den Polizisten im Bedarfsfall zustecken zu können. Wir schwangen uns auf den Roller und sausten an der Küste entlang und genossen die traumhafte Aussicht auf einer fast menschenleeren Straße. Conni war angesichts der möglichen Polizeikontrolle etwas nervös, genauso wie meiner vermeintlich rasanten Fahrweise. Weder kam es jedoch zu einer Polizeikontrolle noch war meine Fahrweise zu zügig (Kommentar Conni: Bei der schnittigen Fahrweise handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung, die ich durch meine Kommentare von hinten jedoch deutlich eingedämmt habe). Im Gegenteil, wir genossen die Fahrt durch die herrliche Landschaft und den Fahrtwind der uns um die Nasen wehte. Wir erreichten die White Sands Dunes und ruhten uns nach der Fahrt erstmal in den bereitgestellten Hängematten aus. Danach zogen wir los und stapften durch den wüstenartigen Sand die Dünen empor. Die sengende Hitze knallte hier aufgrund nicht vorhandener Bäume besonders stark auf uns herab. Glücklicherweise hat Conni einen Fetisch für Sonnencreme, sodass wir zu jedem Zeitpunkt bestens eingecremt der Sonne trotzten. Die Dünen waren beeindruckend, jedoch wurde der Eindruck etwas getrübt durch zahlreiche Jeeps und Quads die durch die Dünen heizten. Wir waren jedoch zu einem recht frühen Zeitpunkt am Tage dort, sodass noch relativ wenig los war. Nach einer Stärkung traten wir den Rückweg an und machten dabei einen Abstecher zu den Red Sand Dunes. Eine ganz kleine Dünenformation, diesmal mit rotem Sand. Dort konnte man Plastikbretter ausleihen mit denen man die Dünen herunterrutschen konnte – ein Unterfangen dem Conni mit grosser Freude nachkam. Bei unserer Rückkehr war  es mittlerweile später Nachmittag geworden und wir schafften es gerade noch den Sonnenuntergang am Strand mit einem kühlen Bier in der Hand zu genießen. 

Am nächsten Tag stand ein Umzug in unser nächstes Hotel an. Dieses hatte ich am Vortag  aussondiert und befand sich unmittelbar am Meer (jedoch ohne Strand, was die Betreiber jedoch nicht von dem großspurigen Namenszusatz „Resort“ abhielt). Nach dem Frühstück und einer anschließenden Partie Tropical Minigolf (Conni gewinnt natürlich…) packten wir unsere Rucksäcke und checkten für 2 Nächte in diesem, nur wenige hundert Meter von unser vorherigen Unterkunft entfernten, Hotel ein. Wir hatten ein nettes Zimmer mit Balkon und  Palmen- und Meerblick und man konnte zu jedem Zeitpunkt die Brandung im Zimmer hören. Nachdem wir den Hotelpool testen zog es uns für den Nachmittag an den Strand. Dort verbrachten wir den restlichen Tag, beobachteten die zahllosen Kitesurfer – ein Sport dem wir uns auch gerne mal widmen wollen – und lasen und genoßen die Sonne in vollen Zügen. Abends gab es Burger für uns und die ein oder andere Youno Partie, wobei ich diese sogar für mich entscheiden konnte. Der nächste Tag, unser letzter voller Tag in Mui Ne, ist schnell erzählt: Frühstück, Strand, Füße hoch, Mittagssnack, Strand, Füße hoch, Abendessen. Das Abendessen war für Conni eine besondere Wohltat, denn es gab eine wirklich gute Pizza und sogar Sprudelwasser. Beides kulinarische Perlen, auf die sie während der China-Zeit verzichten musste. Derart gestärkt und erholt ging es wieder ins Resort.

Heute haben wir vormittags noch den „Fairy Stream“ mit dem Motorroller angesteuert. Dabei handelt es sich um ein Flüsschen/ Rinnsal, durch welches die Besucher waten können und dabei spannende Felsformationen bestaunen können. Ein wirklich schönes und besuchenswertes Ziel in der Natur. Unser Glück war, dass wir sehr früh am Tag dort waren und so von großen Menschenmassen verschont wurden. Nun sitzen wir wieder im Schlafbus um dann in ca. 3 Stunden in Saigon anzukommen und dann unsere Reise wie eingangs beschrieben fortzusetzen. Wir sind sehr gespannt, was uns dann am Mekong Delta erwartet!

05Januar
2020

Ein lehrreicher Halt

Viele weitere spannende Eindrücke und Abenteuer die hatten wir wirklich in Ho Chi Minh City. Wie sollte es anders sein hatten wir mit Keno’s neuen Lieblingsairline (unverständlich wenn man mich fragt) erneut zwei Stunden Verspätung und nach einem Flug mit ca. einem halben Meter Fußraum sind wir gegen 18:00 Uhr gelandet. Nach einer erfolgreichen Fahrt mit einem Grab (dem asiatischen Uber) ging es nach den Strapazen der Reise (Ja unser Leben hier ist schon wirklich sehr schwer laughing) und erfolgreicher Jagd eines sehr leckeren Bahn Mi (Bánh mì ist dabei der vietnamesische Begriff für eine bestimmte Art von belegtem Brot) ins Bett um am nächsten Tag das Sightseeing Programm in Ho Chi Minh City zu starten. 

Aufgrund der fehlenden Rückmeldung der kontaktierten Free Walking Touren übernahm Keno am darauffolgenden Tag das Ruder und führte mich wie ein zertifizierter Stadtführer durch die City. Dabei ist natürlich außer Acht zu lassen, dass ein vermehrter Rückgriff auf Wikipedia während des Tages von Nöten war. Los ging es am Wiedervereinigungspalast. Konzipiert durch den Architekten Ngo Viet Thu stellte es die Residenz und den Arbeitsplatz des Präsidenten von Südvietnam während des Vietnamkriegs dar. Der Palast war der Ort, an dem das Ende des Vietnamkrieges besiegelt wurde. Am 30ten April 1975 kamen vor Ort die ersten kommunistischen Panzer an und die Zeit scheint seitdem stillzustehen. Die Architektur war eindeutig den 70/80ger Jahren zuzuordnen und von dem besonders gut erhaltenen Zustand der Architektur und Inneneinrichtung waren wir wirklich sehr beeindruckend. Vorbei ging es an den Konferenzsälen, den Gästezimmern, dem Schlafgemach des Präsidenten, dem Bunker, dem Helikopterlandeplatz, u.s.w. Der Dokumentarfilm der am Ende des Rundgangs gezeigt wurde sorgte dafür, dass uns zu Ende des Besuchs der geschichtliche Zusammenhang zwischen der Indochina/Kolonialzeit, dem Vietnamkrieg und der Gegenwart klar wurde. Es war ein höchst interessanter und lehrreicher Aufenthalt vor Ort und jedem der einen Besuch von Ho Chi Minh City plant, empfehlen wir diesen mit einem Besuch des Wiedervereinigungspalastes zu verbinden. Voller Euphorie über diesen höchst erfolgreichen Besuch ging es für uns vorbei an dem Notre Dame, dessen Besuch aufgrund von Wartungsarbeiten zurzeit nicht möglich ist und dem historischem Post Office zurück zum Hostel um den notwendigen Zimmerwechsel zu vollziehen. Dieser wurde vollzogen und nach einer Stärkung mit Rippchen, Reis, Gemüse und einem Dragon-Smoothie ging es zum zum War Remnants Museum. Angekommen waren wir geschockt von den Touristenmassen die sich schon fast durch das Museum schoben, aber nach einigen Minuten gewöhnten wir uns daran und begaben unseren Besuch. Besonders die Fotografien der Kriegsopfer und insbesondere die Auswirkungen des Agent Orange waren keine leichte Kost und regten uns beide sehr zum Nachdenken an. Bei Agent Orange handelt es sich um die militärische Bezeichnung eines chemischen Entlaubungsmittels, das die USA im Vietnamkrieg großflächig zur Entlaubung von Wäldern einsetzte um die Tarnung durch den dichten Dschungel zu erschweren. Daran erkrankten viele hunderttausend Bewohner der betroffenen Gebiete und noch heute sind bis zur dritten Generation die Auswirkungen zu sehen. Das vor Ort drei Opfer selbstgemachte Souvenirs verkauften fanden wir eher als ein zur Schaustellen der Menschen und Geldmacherei, welches uns beide eindeutig nicht überzeugte. Nachdenklich verließen wir das Museum und auf der Suche nach etwas leichterer Kost schlenderten wir noch ein wir noch ein wenig durch die Stadt. Dabei gelangten wir zu einem Haus welches bekannt für seine Instagram Fotos ist. Innerhalb dessen befanden sich Cafes und Boutiquen die zum Stöbern einluden. Dazu musste Keno auch hinhalten, der sich natürlich auch direkt beschwerte, dass es sich um ein höchst „frauenaffines“ Gebäude handelt. Dieser indirekten Kritik musste ich nach einigen Minuten der Observation auch zustimmen. Es befanden sich zwei Gruppenarten im Gebäude: Entweder waren es Frauengruppen oder Pärchen, bei denen der Mann von der Frau hinterhergezogen wurde. Doch schon nach ca. 30 Minuten war Keno erlöst und völlig fertig ging es zurück ins Hostel. Nach einer kurzen Pause machten sich auch unsere Mägen bemerkbar und wir gingen zu einem Restaurant ganz in Nähe, welches uns am vorherigen Abend positiv aufgefallen war. Nach einer höchst chaotischen Essensbestellung hatten wir einen Fisch auf dem Tisch, den Keno vorher ganz begeistert aus dem Aquarium aussuchen durfte. Zuerst bereiteten wir die eine Hälfte als Hot Pot zu, bevor wir die andere Hälfte gegrillt verspeisten. :) Anschließend fuhren wir zu dem Tagesprogramm, auf das Keno sich den ganzen Tag schon freute. Es ging auf eine Rooftop-Bar, der Heli Bar. Wie wir später aus dem Internet erfuhren ist auf diesem Helikopterlandeplatz in der 52ten Etage noch nie ein Helikopter gelandet, doch begeisterte uns Beide die herausragend individuelle, doch etwas hässliche Architektur. Folgend auf dem Cocktail Genuss ging es zurück zum Hostel und nach einem weiteren Netflix Suchtmoment ging es für uns Beide in die Heia. 

Ein leckeres Frühstück in einem Top bewerteten Café von TripAdvisor erfolgte und nun sitzen wir Beide im Schlafbus und haben die beiden schlechtesten Plätze ergattert. Für Keno ist ein Sitzen darin unmöglich und auch meine Freiheit war sehr eingeschränkt. Doch aufgrund der freien Platzwahl sitzen wir hier nun einigermaßen bequem (wie es halt in diesem Bus geht) auf dem Weg nach Mui Ne. Es erwarten uns ein paar Strandtage auf die wir Beide uns sehr freuen. In 2,5 Stunden sollten wir nach einer fünfstündigen Fahrt unser Ziel erreichen, wir werden sehen ob alles so klappt wie wir es erwarten smile

03Januar
2020

Zwei Leuchten bei den Lampions

Momentan sitzen wir am Flughafen von Hoi An und in Bälde steht unser Flug nach Ho Chi Minh City an. Wieder geht es in die Lüfte mit meiner neuen Lieblingsairline Vietjet Air. Die letzten Tage haben wir in Hoi An verbracht, wo uns der Schlafbus zuvor hingebracht hatte. Hoi An – das ist das Synonym für Touristenmassen und Kitsch, aber auch Lampions und eine malerische, romantische Altstadt. Nach Ankunft suchten wir unser Hotel auf, wo wir die nächsten 3 Nächte verbringen wollten. Zwei Feiertage standen für diesen Zeitraum auf der Agenda: Silvester/ Neujahr und natürlich Connis Geburtstag. Unser Zimmer in der Unterkunft hatte einen herrlichen Balkon, von dem wir die Aussicht auf den naheliegenden Fluss genießen konnten und auch ein Pool durfte nicht fehlen. Abends zogen wir los um Essen zu fassen und da wir beide keine Lust auf vietnamesische Küche hatten, fiel die Wahl auf ein kleines Sushi-Restaurant. Wir genossen sehr leckeres Sushi (über die Qualität waren wir beide wirklich positiv überrascht!). Gestärkt für die Silvesternacht zogen wir weiter in die Altstadt von Hoi An. Im Strom der Touristenmassen wurde man von unzähligen Straßenhändlern angesprochen und sollte so zu allerlei Konsum motiviert werden. Wir wurden schnell durch die besondere Stimmung in den Gassen von Hoi An gefesselt: Tausende bunte Lampions leuchten um die Wette und die alten Gebäude, die Palmen und die warmen Temperaturen schaffen eine ganz spezielle Atmosphäre. Zwar feiern die Vietnamesen nicht den Jahreswechsel am 31.12., jedoch wurde für die vielen westlichen Touristen einiges geboten. Conni und ich ließen uns, berauscht von der exotischen Kitischigkeit des Ortes, dazu hinreißen zwei Papierblüten in denen eine Kerze montiert war, zu kaufen und diese auf dem Fluss der sich durch den Ort zieht auszusetzen. Anschließend genossen wir Cocktails und schneller als man sich versah war such schon Mitternacht. Mit einem Feuerwerk (wenn auch ein sehr kurzes und dezentes…) wurde das neue Jahr eingeläutet! Den Jahreswechsel gemeinsam verbringen zu können war natürlich wunderschön. Ich hatte im Konsumrausch Wunderkerzen erworben, welche wir nach Mitternacht mit großer Freude abfackelten. Nach weiteren Schlummerdrinks kehrten wir ins Hotel zurück. Am folgenden Morgen bedurfte es ein probates Gegenmittel, gegen die Drinks zum Jahreswechsel – da kam uns das Frühstück im Hotel sehr gelegen. Mit frischen Omeletts, Pancakes, Croissants und Obst starteten wir an diesem Morgen auf der Terrasse des Hotels in das Jahr 2020. Danach stand eine Endteckungstour durch Hoi An auf der Agenda. Der Eindruck der Silvesternacht bestätigte sich auch bei Tage: als eine sehr touristische, gleichzeitig auch wunderschöne und irgendwie besondere Stadt wusste sich Hoi An zu präsentieren. Wir kauften Lampions (Conni war wirklich sehr verzaubert von all den Lichtern) und nehmen so ein Stück von Vietnam und im speziellen Hoi An mit. Abends aßen wir am Flussufer und tranken dazu ein Larue Bier – die Feststellung das Vietnam ein überaus bieraffines Land ist wurde in Hoi An mehr und mehr manifestiert. Da wir von der Silvesternacht noch etwas geschwächt waren, ging es für uns deutlich vor Mitternacht ins Bett.

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Connis Geburtstag durfte gefeiert werden! In einer Nacht und Nebel Aktion hatte ich am Vortag Kerzen und Kuchen (in Form von abgepackten Supermarkt-Brownies) gekauft und bastelte am Morgen klammheimlich eine Art Geburtstagskuchen daraus, sodass Conni auch ein paar obligatorische Kerzen zum Auspusten hatte. Conni freute sich riesig über die Briefe der Lieben von zuhause und von meiner Wenigkeit, die Sie nun zum Geburtstag öffnen durfte. Nach dem Frühstück machten wir uns direkt mit unserem geliehenen Motorroller auf den Weg nach My Son. Unser Roadtrip an diesem Tag umfasste knapp 100 Kilometer auf unserem schnittigen Gefährt, welches ich mit infantiler Freude am Morgen in Empfang nahm. Wir brausten durch Hoi An und waren schnell außerhalb der Stadt im ländlichen Gebiet unterwegs. Außerhalb der Touristenpfade fanden wir es bemerkenswert wie visibel der Kommunismus war, in Form von großen Propagandaplakaten. Wir überholten Motorroller auf denen Waren jeder Art (von dutzenden Hühnern in Käfigen, über Holz, Stoffballen) transportiert wurden und adaptierten das vietnamesische Fahrverhalten, welches sich primär durch das exzessive Benutzen der Hupe auszeichnet. Angekommen in My Son parkten wir und machten uns auf zum Ticketschalter. My Son ist ein Unesco Weltkulturerbe. Die Anlage besteht aus vielen Tempelruinen aus dem 3 Jahrhundert. Wir waren gespannt was uns erwartet. Da ich die Toilette aufsuchte, widmete Conni sich dem Eintrittskartenkauf. Dort wurde sie Opfer eines Trickbetrugs. Der Eintritt betrug für uns beide 300.000 Dong. Conni gab der Dame im Schalter einen 500.000 Dong (ca. 20 EUR) Schein. In einem Moment der Unaufmerksamkeit muss diese den Schein durch einen 20.000 Dong Schein ausgetauscht haben. Diesen hielt sie dann Conni hin und behauptete nicht genug Geld erhalten zu haben. Conni gab im guten Glauben einen weiteren 500.000 Dong Schein um die Ticket zu kaufen. Die 20.000 und 500.000 Dong Scheine sind farblich und von der Größe sehr ähnlich, sodass ein Umtausch durch einen Moment der Unaufmerksamkeit durchaus unbemerkt bleiben konnte. Als wir uns wieder trafen erzählte mir Conni von ihrem Verdacht betrogen worden zu sein und ich bekräftige sie darin, da ich zuvor zufällig unsere „großen“ Scheine (500.000er) nachgezählt hatte, um einen Kassensturz zu machen. Wir waren allerdings bereits in dem Park eingetreten und konnten uns somit nicht unmittelbar beschweren. Conni brodelte jedoch vor Ärger und hatte (vielleicht auch weil ihr dieses Unrecht an ihrem Geburtstag wiederfahren war) kurzfristig schlechte Laune. Die erste Stunde in dem Park bestand darin, dass Conni sich bereits eine Wutrede zurechtlegte, welche sie der Dame am Ticketschalter beim Verlassen des Parks ins Gesicht motzen würde. Ich, der die ganze Angelegenheit sehr unproblematisch fand, schließlich war ich in Hanoi auch einem garstigen Taxifahrer aufgesessen, der mich um eine ähnliche Summe betrogen hatte, versuchte Conni zu beschwichtigen, ahnte aber bereits das der Dame beim Eintrittskartenverkauf göttlicher Furor drohte! Neben alledem gab es aber auch ein wenig Kultur zu sehen. Das Alter der Tempelanlagen war beeindruckend, der Erhaltungszustand jedoch sehr schlecht und die Restaurationsbemühungen von extrem schlechter Qualität. Auch wenn es für uns fraglich war, warum die Anlage den Status als Unesco Weltkulturerbe erhalten hat, so waren die Ruinen doch sehr sehenswert. Nach ein paar Stunden im Park ging es zurück zum Ausgang und Connis von langer Hand geplanter Auftritt stand bevor. Schnurstracks ging es zu dem Tickethäuschen und Conni konnte endlich ihre aufgestaute Wut verbalisieren. Jedoch hatte es einen Schichtwechsel gegeben und die Übeltäterin war wohl bereits im Feierabend. Nichtsdestotrotz war Conni sehr erleichtert ihrem Ärger Luft gemacht zu haben (Stichwort „Es geht ums Prinzip!“). Übers Ohr gehauen zu werden gehört beim Urlaub in exotischen Ländern definitiv dazu, beim Besuch des Unesco Weltkulturerbes hatten wir jedoch wirklich nicht damit gerechnet. Später lasen wir Online, dass bereits andere Besucher demselben Betrug aufgesessen waren. Wir schwangen uns wieder auf den Roller, stärkten uns unterwegs mit einem Snack und düsten zurück Richtung Hoi An. Dort besuchten wir noch die Pottery Village, ein Töpferdorf, welches ein absoluter Touristennepp war und allenfalls für Keramikwaren-Fanatiker empfehlenswert ist. Zurück im Hotel sprangen wir in den Pool – eine Wonne nach der langen Rollerfahrt durch zeitweile strömenden Regen. Wir machten uns fertig und gingen in die Altstadt. Bereits am Vortag hatten wir ein wunderschönes Restaurant, das „Secret Garden“, entdeckt, wo wir Connis Geburtstag mit einem schönen Essen gebührend feiern wollten. Ich freute mich sehr, meine Freundin dorthin ausführen zu dürfen und zu sehr leckerem Essen und süffigen, unverfänglichen Weißwein, genossen wir den lauen Abend in dem wunderschönen Innenhof des Restaurants. Glücklich ging es zurück ins Hotel und Conni telefonierte mit Ihren Liebsten in Deutschland – danach ging es für uns relativ schnell ins Bett, schließlich hatten wir wieder eine ganze Menge erlebt und einen fantastischen Tag gehabt.

Am heutigen Reisetag hatten wir noch einige Stunden in Hoi An und konnten erneut das leckere Frühstück und den Pool unseres Hotels genießen. Mittags ging es in eine Markthalle wo wir uns noch ein wenig stärkten um dann nachmittags Richtung Airport zu fahren. Nun heißt es für uns: Ab in den Süden nach Ho Chi Minh City, dem ehemaligen Saigon! Dort erwarten uns Temperaturen um die 30 Grad und sicherlich viele weitere spannende Eindrücke und Abendteuer!