24November
2019

3200 Meter und die Auswirkungen auf meinen Körper

Shangri-La ist eine überwiegend von Tibetern und Naxi bewohnte kreisfreie Stadt im Nordwesten der chinsesischen Provinz Yunnan und Regierungssitz des Autonomen Bezirks Dêquên der Tibeter. Shangri-La hat circa 130.000 Einwohner und liegt auf einer Höhe von 3200 Metern. 3200 Meter Höhe – Da kann die Höhenkrankheit auftreten? Aber doch nicht bei einem gesunden jungen Menschen, oder? Das dachte ich zumindest als ich mich auf den Weg nach Shangri-La machte. Schon im Nachtzug ging es mir nicht so gut, was ich jedoch eher auf die lange Fahrt schob und im Bus verbesserte sich mein Magen auch nicht gerade. Doch ein kleines Nickerchen wird es wohl richten, dass dachte ich zumindest. Kaum bin ich nach einer wirklich ermüdeten Fahrt im Hotel angekommen traf mich der Schock: Es waren gefühlte -1°C im Hotelzimmer. Verzweifelt wurde die Hoteleigentümerin angeschrieben, ob man das Zimmer ein wenig aufheizen könnte. Und Glück haben, dass kann ich ja. Für 5 Euro die Nacht konnte ich mir einen Heizlüfter leihen, welcher die Temperaturen doch ein wenig verbesserte und auch die Heizdecke sorgte dafür, dass ich in der Nacht keinen Kältetod starb. Auch heißes Wasser gab es im Hotel und das Zimmer an sich war wirklich sehr schön. Für 10 Euro die Nacht hatte ich ein riesiges Doppelbett, viel Platz und ein eigenes, sauberes Bad. Doch nach einer heißen Dusche übermannte mich eine Schlappheit, die ich als aktive Person sonst sehr selten kenne. Den restlichen Tag verbrachte ich deswegen als Serienjunkie und Leseratte im Hotelzimmer und versuchte zu schlafen. 

Am nächsten Morgen wollte ich voller neuer Energie loslegen. So war zumindest der Plan. Und wirklich, zwar war ich noch ein wenig geschwächte, fühlte mich aber bereit den Tag zu starten. Und so ging ich los um die Altstadt und den Tempel ganz in der Nähe des Hotels zu erkunden. Das Hotel, so sollte ich im Laufe des Tages noch herausfinden, hatte auch wirklich eine sehr außergewöhnliche Lage. Vom Innenhof konnte man die Treppenstufen hochsteigen und hatte genau unter dem Tempel eine Liegefläche mit Aussicht auf die Dächer von Shangri-La. Wirklich traumhaft schön. Auch der Spaziergang durch die Altstadt war ein Erlebnis. Zwar ist Shangri-La 2014 durch ein Feuer ziemlich zerstört worden, jedoch sind in den letzten Jahren viele Renovierungen vorgenommen worden. Holzhäuser mit einer individuellen Architektur versprühten ihren eigenen Charme. Das es sich um eine chinesische Touristenstadt handelte, wurde einem nach dem ersten Überblick jedoch auch immer deutlicher. Chinesinnen mit Stöckelschuhen und dünnen Kleidern die versuchten die Treppenstufen des Tempels zu besteigen, war ein allgegenwärtiges Bild. Genauso wie die Touristenstände die sich alle 5 Meter wiederholten und jeglichen Schnick Schnack verkauften. Und dann wagte ich mich an den Aufstieg des Guishan-Tempels. Das Kloster liegt zentral in der Stadt und erstreckt sich über den Schildkrötenberg. Dieser hat mit 21 Metern die größte Gebetsmühle der Welt welche mindestens 6 Leute benötigt um in Gang gebracht zu werden.

 

Normalerweise wäre dieser Aufstieg ein Klacks. Ein paar vereinzelte Stufen nach oben und dann ist es schon geschafft. Doch die dünne Luft die hier vorherrschte, machte das ganze doch zu einem schwierigerem Vorhaben. Luft habe ich gefühlt keine bekommen und die Erschöpfung trat schon nach 10 Stufen ein. Doch es hat sich gelohnt. Oben wartete eine atemberaubende Architektur auf mich und zum ersten Mal sah ich tibetische Gebetsfahnen. Die Fotokulisse war wie aus einem Bilderbuch und die spirituelle Atmosphäre mit nichts zu vergleichen was ich bisher erlebt habe. Doch die Erschöpfung trat nach dem Abstieg vollkommen ein, sodass eine Mittagspause im Hotel anstand. Die Hoteleigentümerin war mir wirklich eine große Hilfe und organisierte mir eine Fahrt zum Songazalin Tempel. 1679 hatte der fünfte Dalai Lama – Ngawang Lobsang Gyatso – den chinesischen Kaiser Kangxi um die Genehmigung gebeten, hatte selbst den Ort ausgewählt, den Tempel aufgebaut und ihm seinen Namen gegeben.  Und so einen Tempel habe ich noch nie gesehen und ist wirklich mit nichts zu vergleichen, was ich bis dahin kannte. Groß und wirklich beeindruckend war schon die Kulisse am Horizont. Und alles was ich dann sah raubte mir den Atem und kann nicht in Worte gefasst werden. Ich hoffe die Bilder können euch ein besseres Bild vermitteln, was mir hier eindeutig nicht gelingt. Voller spiritueller Atmosphäre erfüllt wollte ich noch eine Runde um den See drehen um die Natur ein wenig zu erkunden. Doch was mich auf dem Weg erwartete, war ein reiner Nervenkitzel. Auf dem Weg gab es freilaufende Yaks und eines muss man sagen, die Hörner der Tiere und auch ihre aggressive Außenwirkung machte es nicht gerade zu einer schönen Vorstellung an diesen Tieren ohne jeglichen Schutz vorbeizulaufen. Doch da die Tiere meine Anwesenheit wohl sehr genossen war ich irgendwann eingekesselt und dann dachte ich mir: Augen zu und durch. Einen Rückweg gibt es jetzt sowieso nicht mehr. Also wurde mein Mut zusammengefasst, die Hörner der Tiere ignoriert und wagemutig bin ich an den Tieren vorbeigelaufen. Liebe Yaks, ich danke euch hiermit vielmals, dass ihr eure Hörner nicht an mir ausgetestet habt! Nach meinem Spaziergang bin ich dann mit dem Bus zum Hotel gefahren und da es mir wirklich relativ gut ging habe ich mich entschieden etwas nicht so fettiges essen zu gehen und entschied mich für einen Yak Hot-Pot (Ja, vielleicht auch als Strafe für die grauen Haare, die die se Tiere mir an diesem Tage beschert haben laughing). 

Doch in der Nacht verschlechterte sich mein Zustand wieder etwas, sodass ich mich am nächsten Morgen entschied nicht zum dritten Tempel Shangri-Las hochzulaufen und stattdessen  die Höhenmeter zu reduzieren und den Bus zurück nach Lijiang zu nehmen. Und schon jetzt merke ich wie sich während der Busfahrt mein Zustand verbessert. Also das nächste Mal, wenn ich wieder über 3000 Höhenmeter fahre, werde ich mich auf jeden Fall besser akklimatisieren. Doch trotz aller Wiederstände hat sich der Ausflug mehr als gelohnt. Die spirituelle Atmosphäre und die Einzigartigkeit der Stadt hat mich vollends mitgenommen und wird mir immer in Erinnerung bleiben!