01Februar
2020

Alte Stadt, alte Tempel, alte Touris...

Wie von Conni berichtet bestiegen wir am 29. Januar den Flieger nach Laos. Und ja, ich kann nicht leugnen eine gewisse Vorfreude verspürt zu haben. Für einen Luftfahrtenthusiasten wie mich (ich wollte früher ja mal Pilot werden ;)) war ein Flug von Siem Reap nach Luang Prabang durchaus ein spannendes und exotisches Vorhaben. Conni hingegen hatte, eine für mich in diesem Zusammenhang bereits gewohnte, Genervtheit was das Fliegen angeht. Wir hatten einen guten Flug mit Lao Airlines, wurden – um es im Lufthansa Jargon auszudrücken – mit einem „wertigen Sandwich“ am Platz beköstigt und hatten über den Wolken die Möglichkeit gemeinsam mit unserem ersten Beerlao (dem laotischen Bier) anzustoßen. Da wir praktisch keine Vorkenntnisse zu Laos hatten nutzen wir die Zeit vor dem Flug um ein wenig zu unserem Zielland zu recherchieren. Faktisch herrscht in Laos der Kommunismus und das Land gehört noch zu den „least developed countries“ der Erde. Die Analphabetismus Quote liegt bei der weiblichen Bevölkerung bei fast 75% und bei der männlichen auch bei ca. 50%. Hinzu kommt eine schlechte Infrastruktur im Hinblick auf die Wasserversorgung und die medizinische Versorgung, weshalb Malaria hier ein großes Problem ist. Nur 15% aller Laoten verfügen über Internetzugang lasen wir außerdem im Vorfeld. Tourismus ist in Laos erst ein recht junges Phänomen und tangiert in erster Linie nur Luang Prabang und die Hauptstadt Vientiane. Luang Prabang, unser Zielort, hat nur knapp 70.000 Einwohner ist ein Weltkultuerbe aufgrund seiner Altstadt mit extrem gut erhaltener französischer Kolonialarchitektur, tollen Tempeln und der malerischem Lage am Mekong Fluss. Dies war unser Wissensstand, als wir schließlich in Luang Prabang landeten und die Einreiseformalitäten vollzogen. Nach schneller Bearbeitung hatten wir ein weiteres Klebevisum im Reisepass und mit dem Auto ging es dann ins Hotel. Schnell stellten wir fest, dass Laos ganz anders ist als Kambodscha. Es war natürlich deutlich kälter, aber zu unserer abendlichen Uhrzeit auch deutlich dunkler. Elektrizität ist nicht so verbreitet und flächendeckend, was zu teilweise absurd dunklen Straßenzügen führt. Später lasen wir, dass knapp 10 % der Energie in Laos gar durch das Verbrennen von Holz gewonnen wird, was natürlich mit extremen Umweltschäden einhergeht. Wir erreichten unser Hotel und checkten ein. Unsere Gastgeberin empfahl uns ein Restaurant wo wir französisch bekocht wurden. Wir beschafften uns Bargeld (insbesondere im ländlichen Raum gibt es wohl auch keine Geldautomaten). Der größte Geldschein in Laos beträgt 100.000 Kip – was in etwa 10 Euro sind. Auf dem Land soll insbesondere der Tauschhandel noch praktiziert werden. Nach den Wochen in Kambodscha wo wir nur mit US-Dollar zu tun hatten, war das Hantieren mit einer lokalen Währung auch wieder eine interessante Erfahrung. 

Am nächsten Tag stand dann Luang Prabang auf der Agenda: wir besichtigten den früheren Königspalast (nach der französischen Kolonialzeit bis 1954 und bis zum Beginn des Kommunismus im Jahre 1975 was Laos ein Königreich) und unzählige bezaubernde Pagoden. Wir bestiegen den Berg im Ortszentrum, von wo wir einen tollen Blick über die Altstadt, die umliegenden Berge und den Mekong genießen konnten. Abends sollten wir hier ebenfalls wieder hochsteigen, um einen wunderschönen Sonnenuntergang anzusehen. Vorher waren wir jedoch noch an einer Bambusbrücke, aßen traditionell zu Mittag und schlenderten am Mekong entlang. Nach dem erwähnten Sonnenuntergang besuchten wir einen Food Market und kauften auf dem lokalen Markt ein paar T-Shirts und Kleider für sehr kleines Geld. Dann ging es für uns noch in die Utopia Bar, wo wir mit einem Bier den Tag ausklingen ließen. Bei all den Sightseeing-Highlights konnten wir einiges feststellen: Zumindest Luang Prabang als Touristen-Mekka in Laos ist weit entfernt vom Status „least developed country“. Vielmehr wirkte Luang Prabang auf uns wie „die Schweiz Asiens“. Alles war wahnsinnig sauber, ordentlich, ruhig und gepflegt. Ein ungewohnt großer Kontrast zu Vietnam oder Kambodscha. Auch die Preise in Luang Prabang waren sehr viel höher als alles zuvor in Asien. Vieles war auf deutschem Preisniveau. Das touristische Publikum in Luang Prabang ist zwar heterogen, jedoch mit einem starken Senioren-Tourismus. Oft hatten wir das Gefühl einer Studiosus Gruppenreise (gefühlt 97% aller Touristen hatten die Attitüde von pensionierten Lehrern) beizuwohnen, wenn wir mit den älteren Semestern durch die Straßen liefen. Wir waren nach dem was wir zuvor über Laos gelesen hatten, total überrascht von diesem Qualitätstourismus und dieser „Gelecktheit“ und Sauberkeit des Ortes. Neben dieser Beobachtung konnten wir nach dem Tag feststellen, dass Luang Prabang wunderschön und pittoresk ist und die französischen Häuschen einfach toll dort hinpassen (die putzige Architektur) führt schnell zu einer gewissen Verklärung der einstigen Kolonialzeit. Die Natur um Luang Prabang sah auch unglaublich toll aus – alles sehr viel ursprünglicher und unberührter, als in den Ländern die wir zuvor gesehen hatten. 

Am nächsten Tag ging es Conni durch eine leichte Lebensmittelvergiftung etwas schlechter (und auch mein Magen hatte einen kleinen Schuss vor den Bug bekommen) und so absolvierten wir ein etwas reduziertes Programm. Wir mieteten einen Roller und besichtigten einen beeindruckenden Wasserfall. Dort gab es zudem eine Bären-Rettungsstation zu sehen mit vielen über die Maßen süßen und kuscheligen Bären. Mittags hielten wir noch an einer Büffel-Farm und aßen dort ein wenig Käse (unsere Mägen galt es nach wie vor zu schonen). Den Nachmittag und Abend verbrachten wir zur Schonung in der Horizontalen – also liegend in unserem Hotelbett. Heute geht es Conni glücklicherweise wieder sehr viel besser und wir sitzen nun im Minibus nach Nong Khiaw. Wie bereits geschrieben, denken wir das Luang Prabang im Hinblick auf die Infrastruktur und den Tourismus ein Sonderfall in Laos ist. Nun sind wir gespannt, was das „wahre“, ländliche Laos uns zu bieten hat. Wenn wir nun aus dem Fenster des Vans schauen sehen wir eine beeindruckende, ursprüngliche Natur, gespickt von kleinen Hütten – teils nur aus Bambus – und die Vorfreude auf die Countryside wächst Meter für Meter. Wir werden berichten – sofern wir denn Internet haben ;).