04Dezember
2019

Auf den Spuren der Na’vi

Die letzten 4 Tage sind wirklich wie im Flug vorbeigegangen und waren unfassbar anstrengend, atemberaubend und einfach nur wundervoll. Nach meiner doch ziemlich ermüdenden Zugfahrt bin ich in Zhangjiajie angekommen. Doch schon während der Zugfahrt habe ich herausgefunden, dass dies nicht meine Endstation der Reise darstellen wird. Und so nahm ich direkt im Anschluss einen Fernbus nach Wulinyuan, wo meine Reise zu den Na’vi begann. Dabei stellen die Na’vi im Film Avatar die humanoiden Bewohner des Mondes Pandora dar. Doch die Entdeckungstour sollte am Tag der Anreise noch nicht direkt losgehen, denn die Müdigkeit stand mir dafür doch ein wenig im Weg. So wurden nur noch Fried Nudels im Hostel gegessen, geduscht und dann war es auch schon Zeit schlafen zu gehen. Doch an diesem Abend traf ich auch im Gemeinschaftsraum des Hostels auf Jean-Phillippe, welcher am Tag vorher angekommen ist. Wir entschieden die Entdeckungstour am nächsten Tag gemeinsam anzutreten.

Nach ein paar Stunden Schlaf begann auch schon unser Ausflug in eine wirklich unvorstellbare Welt, die es schaffte mich auf jeder weiteren Aussichtsplattform aufs Neue zu begeistern. Zu Fuß ging es zum Eingang des Parks und die Tickets (gültig für drei Tage) wurden gekauft. Nach Eintritt ging es zu Beginn mit dem Bus zum Anfang des Wanderweges und da die Wettervoraussagen an diesem Tag noch wirklich relativ bescheiden waren (glücklicherweise aber kein Regen) entschieden wir uns an diesem Tag noch relativ weit unten am Berg zu bleiben. Doch kaum kamen wir nach ca. einer halben Stunde am Wanderweg der uns ausgewählten Region an, erwartete uns dort eine schlechte Nachricht: der Weg war gesperrt. Doch durch eine vorherige Internet Recherche ließen wir uns davon nicht beeindrucken, ignorierten das Schild und machten uns auf den Weg. Diese Entscheidung stellte sich nicht als falsch heraus. Zwar musste man manchmal über einige Bäume steigen und die Blätter waren nicht von den Wegen geräumt, sonst hinderte uns aber nichts daran den Weg entlangzulaufen und die Aussicht zu genießen. Einen Vorteil hatte die Sperrung der Wege auf jeden Fall: Obwohl es sich um eine der Top-Touristendestinationen Chinas handelte begegneten wir auf dem Weg keiner Menschenseele. Besonders der Hawk Beak Peak konnte an diesem Tag begeistern. Auf einem durch die Natur gebildeten Bogen ging es zu einer Plattform welche einen außergewöhnlichen Ausblick lieferte. Die eingeschränkte etwas nebelige Sicht an diesem Tage sorgte für ein mystische Atmosphäre und schon sehr früh am Tag konnte ich verstehen wovon James Cameron, der Regisseur von Avatar, in seinem Film beeinflusst wurde. Eine Atmosphäre wurde von den „Bergen“ versprüht, die weder in Bildern noch in Worten zu beschreiben ist. Am Nachmittag gegen 3 Uhr erreichten wir das Ende dieses Wanderweges waren zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr beschwingt den Nationalpark weiter zu entdecken. Und so machten wir uns auf den Weg um das Hyangshi Dorf zu erreichen. Doch der Weg stellte uns vor eine große Herausforderung. Hatten wir vorher schon einige hunderte Treppenstufen bestiegen ging es nun ca. 2 Stunden ohne Pause bergauf. In Hochhäusern gesprochen sind wir meiner Meinung nach mindestens in den 30ten Stock gestiegen. Doch wie Keno so schön sagen würde: Irgendwoher müssen meine neu entstandenen Hermes Beine ja auch herkommen. laughing Doch oben erwartete uns leider aufgrund des Nebels ein etwas eingeschränkter Ausblick. Doch glücklicherweise zog es sich erst nach ca. 5 Minuten ganz zu, sodass wir den mystischen Ausblick noch für eine kurze Zeit genießen konnten. Ein Abstieg war jedoch aufgrund der vorangeschrittenen Zeit unmöglich, weshalb wir mit der Gondel den Abstieg vornahmen. Nach einer Busfahrt nahmen wir ein Taxi mit zwei anderen Chinesinnen zurück zum Hostel. Völlig erschöpft fiel ich nach absolvierten 33.252 Schritten früh ins Bett um den nächsten Tag voller neuer Energie zu starten. 

Da wir die Hauptattraktion des Parks am darauffolgenden Tag besuchen wollten begann der Tag früh gegen 8 Uhr. Mit dem Parkbus ging es wieder ein Stück in den Park hinein und die erste halbe Stunde wiederholten wir den gestrigen Weg. Doch dieser sah aufgrund des blauen Himmels und der Sonne die uns beglückte ganz anders aus. Doch dann erfolgte eine andere Abbiegung und unsere Hoffnungen vergrößerten sich, endlich einen Navi zu entdecken. Doch wir trafen zu erst einmal auf fabelhafte Ausblicke, die eine Beschreibung meinerseits nur zu 100% übertreffen können. Das Gefühl dort an einer Plattform zu stehen und sich einerseits über den Dingen der Welt erhaben und andererseits unglaublich klein zu fühlen ist unvergleichbar. Und dann war es auch endlich so weit. Wir erspähten einen Hexapede. Zwar war dieser nur aus Eisen und die Farbe hat ein wenig unter den fotowütigen Touristen gelitten, doch kann die Expedition somit als erfolgreich absolviert betrachtet werden. Ich kann behaupten: Ich bin für eine kurze Zeit nach Pandora gereist. So langsam stellte sich das Hungergefühl ein und mit Kartoffeln wurde sich auf auf eine Treppenstufe gesetzt. Lange aßen wir das wirklich sehr sehr schlechte Essen (die Kartoffeln bestanden nur aus altem Fett – was meinem Magen übrigens dem Rest des Tages noch Probleme bereitete) in Ruhe. Doch kaum wollte ich den schrecklichen Geschmack mit einer Mandarine verbessern, kam ein scheinbar tollwütiger Affe auf uns zugeraunt. Dachten wir zuerst das er vielleicht die Fleischsticks von J.-P. wollte, fauchte er mich jedoch direkt an und kaum begann ich zu flüchten,  begann er die Verfolgungsjagd. Voller Angst schmiss ich ihm erst die Wasserflasche vor die Füße doch davon ließ er sich nicht beeindrucken. Er wollte meine Mandarine. Das sah ich dann auch als meinen letzten Ausweg und schmiss Ihm mein Essen vor die Füße. Zufrieden und mit einem gefälligem Grinsen im Gesicht ließ er mich  nach Erreichen seines Ziels in Ruhe. Eine Verfolgungsjagd mit einem Affen, dass kann auch nicht jeder von sich behaupten. Aufgebracht wurde der Weg fortgesetzt doch weitere 100 Treppenstufen später gelangte das Geschehene langsam in den Hintergrund und stattdessen trat die Erschöpfung in den Vordergrund. Nach dem Heaven Pillar (Hallelujah Mountain = Avatar Mountain) ging es zur weiteren Touristenattraktion der Greatest Natural Bridge. Doch diese konnte (vor allem auch durch die Vielzahl der Menschen) nicht besonders überzeugen. Mit dem Bus ging es nach Beendigung des Weges in die Yangjiajie Region. Vorbei ging es an unfassbaren Ausblicken und irgendwann  gelangten wir zu meinem Höhepunkt der gesamten Zeit im Nationalpark. Wir erreichten einen Felsen, den man mit einer Leiter besteigen konnte. Und von da oben hatte man einen Ausblick den es nur mit einem Wort zu beschreiben gibt: WOW! Fotos wurden geschossen und einfach das aufkommende Gefühl genossen. Nach dieser Erfahrung machten wir uns  an dem „Corridor in the Cliffs“ vorbei auf den Weg zurück zur Talstation der Yangjiajie Gondel. Doch der Weg war doch länger und mit mehr Stufen bestückt als wir gedacht haben und drei Stunden später erreichten wir mit schmerzenden Füßen und einer Tagesbilanz von 30.717 Schritten unser Ziel. Mit einigen Bussen und einem geteilten Taxi erreichten wir gegen halb 7 das Hostel. Nach dem Abendessen wurde ich von der Müdigkeit übermannt und machte mich kurz darauf schon auf den Weg ins Bett. 

Nach den über 60.000 Schritten der vergangenen zwei Tage hat meine Achillesferse doch ein wenig „Halt Stopp“ geschrien, weshalb wir einen chinesischen Touristentag einlegen wollten. Also fuhren wir nach Erreichen des Parks mit der Tianzi Mountain Gondel nach Oben auf den Tianzi Mountain und wurden nach einer kurzen Busfahrt übermannt von weiteren Ausblicken welche wieder einmal mit Worten unbeschreiblich sind. Und so ging es eigentlich den gesamten Tag weiter. Wir gelangten von einer Plattform zur nächsten und wurden jedes Mal aufs neue überwältigt. Allein die Bimmelbahn die wir am Ende nahmen und die uns an den schönsten Ausblicken vorbeiführen sollte war eine Enttäuschung. An unserem Fahrer war eine Karriere als Rennfahrer verloren gegangen und an das Genießen des Ausblicks war nicht zu denken. Ziel war ein Aussichtspunkt welcher an die Schönheit der Anderen nicht herankam und man sich für 20 Yuan fotografieren lassen konnte. Inzwischen war es jedoch auch schon 16:00 Uhr, weshalb wir uns langsam auf den Rückweg zum Hostel machen und drei Busse und eine Gondelfahrt später erreichten wir auch unser Ziel. Müde wurde noch zu Abend gegessen und wir stellen fest: Chinesische Touristen können wir nicht sein. Denn trotz aller Anstrengungen wenig zu laufen legten wir auch an diesem Tag 23.893 Schritte zurück.

Heute handelt es sich um einen reinen Transfertag, den meine Füße auch dringend benötigen. Ich habe in Ruhe ausgeschlafen und mich dann zum Busbahnhof begeben. Leider lag das Hostel mit der Abfahrtszeit des Busses ein wenig falsch, weshalb ich nun gegen 19:00 noch im Bus auf dem Weg nach Fenghuang sitze und hoffentlich gegen 21:00 das Hostel erreichen werde. Rückblickend muss ich sagen es waren anstrengende aber einfach wundervolle Tage. Dieser Nationalpark mit seiner Natur wird mir auf jeden Fall lange in Erinnerung bleiben.