31Dezember
2019

Auf ein Bier mit den Königen

Conni hat in ihrem letzten Blogeintrag damit geendet, dass ich mich „wie ein kleines Kind“ auf den Flug nach Hue freuen würde. Diese Vorfreude auf ein abenteuerliches südostasiatisches Flugerlebnis sollte sich auch als gerechtfertigt erweisen- Unser Flug wurde von VietjetAir durchgeführt, eine stark expandierende Airline mit reichlich Kapazitätsengpässen in der Flotte. So kam es das wir mit 2 Stunden Verspätung unser Flugzeug bordeten. Die rustikale Maschine und ihre Crew hatte die vietnamesische Fluggesellschaft aus Moldawien geleast. Angesichts soviel Globalisierungs-Exotik verlief der Flug dann ziemlich ruhig, denoch gehören Conni und ich nun zu den wenigen Menschen die Ihren ersten gemeinsamen Flug mit einer Airline aus Moldau verbringen durften. Unser Homestay hatte einen Fahrer organisiert, welcher uns am Flughafen in Hue abholen sollte. Dieser stand dann auch am Ausgang der Ankunftsebene mit einem mit unseren Namen versehenen Pappschild bereit. Mit einem Augenzwinkern stellten wir fest, dass wir wohl ziemliche VIPs sind und fuhren anschliessend zu unserem Homestay. Da es durch die Verspätung des Fluges mittlerweile spät war, stand die Suche nach Essbaren ganz oben auf unserer Agenda, nachdem wir in unserer Unterkunft eingecheckt hatten. Dabei stellten wir schnell fest, dass die kulinarischen Möglichkeiten (zumindest in fussläufiger Nähe zu unserem Homestay) doch stark divergierten zu dem was beispielsweise Hanoi geboten hatte. Die meisten Lokale firmierten unter dem Motto „Beer and Coffee“. Die Affinität zum Alkohol- und insbesondere Bierkonsum fiel uns in Hue besonders auf. Unsere erste Anlaufstelle war ein Lokal wo diese Auffälligkeit besonders ausgeprägt war. Ein Bistro aus dem laute selbstgemacht Musik erklang und dazu trunkene Männer sangen schien für Conni genau das richtige für ein zünftiges Abendessen. Da ich, bedingt durch die latente Reizüberflutung, zu träge war rechtzeitig Einwände zu erheben (und Conni darauf hinzuweisen, dass der Boden unter dem Tisch zweier Männer unweit des Lokaleingangs über und über mit zerdrückten Bierdosen übersät war) zog mich Conni auch schon in das Bistro. Spätestens als dann tatsächlich unser geordertes Essen gebracht wurde zeigte sich, dass meine Skepsis durchaus angebracht gewesen war und so zogen wir nach wenigen Bissen des kaum geniessbaren Essens weiter. Aufgrund des niedrigen Preisniveaus sind derartige (kulinarische) Fehltritte kein Problem. Da unsere Mägen immer noch knurrten gelangten wir an einen Strassenstand, wo wir auf winzigen Plastikmöbeln hockend weitere Speisen (diesmal lecker) zu uns nahmen. Danach ging es ins Hotel um in den nächsten Tag (unser einziger vollständiger Tag in Hue) mehr oder weniger ausgeschlafen rein zu starten. 

Am nächsten Tag galt es für uns das Unesco Weltkulturerbe von Hue zu erforschen – nämlich die ehemaligen Palastanlagen aus dem frühen 19. Jahrhundert (die Nguyen Dynastie hauste hier unter anderem). Auch wenn Hue während des Vietnamkriegs massiv zerbombt wurde, so ist doch noch einiges von diesem faszinierenden historischen Gesamtkomplex erhalten. Wir bestaunten die früheren Palastanlagen, die Zitadelle, Pagoden und die Mauer der historischen Palastanlage. Parallelen zum Römerdorf in Xanten (welches ich zu meiner grossen Freude in der Vergangenheit bereits besichtigen durfte) können durchaus gezogen werden, was die Größe des riesigen Areals betrifft. In den Seen der Gärten innerhalb des Palastes schwammen Koi-Karpfen. Für 5000 Dong konnte man Futter erwerben und die bisweilen riesigen Fische füttern – was wir beide mit grossem Vergnügen taten! smile

Nach einigen Stunden im Palast zog es uns danach in das moderne Stadtzentrum von Hue. Wir überquerten den Parfümfluss und tranken einen Kaffee in der „Boulangerie Francaise“ – was ein durchaus treffender Name für einen französischen Bäcker ist. Dort gab es für mich auch ein delikates Schokocroissant, wobei der Genuss mit der Entdeckung einer riesigen Ratte in den Räumlichkeiten des Cafes zumindest ein wenig getrübt wurde. Da ebenso das Wetter ziemlich trüb wurde (ein ständiger Nieselregen begleitete uns an diesem Tag) entschieden wir uns für eine Pause in unserem Homestay. Abends ging es für uns noch in ein wirklich leckeres Bistro, wo wir Banh Khoai und New Lim aßen. Ersteres sind Schweinefleischspiesse die im Zitronengrass gewickelt sind, zweiteres sind Reispfannkuchen mit Ei und Shrimps. Heute packten wir nach unserem Frühstück im Homestay unsere Rucksäcke und gegen Mittag ging es in unseren Nachtbus welcher uns nach Hoi An bringen wird. Der Nachtbus verfügt über Betten, welche wir eigentlich nicht brauchen, da wir nur 3,5 Stunden unterwegs sind – dazu noch mitten am Tag. Momentan „liege“ ich in einem dieser „Betten“ und schreibe diesen Blogeintrag. Der Bus ist so konstruiert, dass sich allenfalls 1,50 m grosse Asiaten darin wohlfühlen. Ich hingegen fühle mich wie ein Käfer den man auf den Rücken gedreht hat. Auch Conni bekundete ihre Freude darüber, dass wir anders als andere Mitreisende keine 16 Stunden in diesem Gefährt verbringen müssen. Wir freuen uns beide sehr auf den Küstenort Hoi An wo wir heute – hoffentlich vielleicht sogar am Strand – Silvester feiern werden! Allen Lesern wünschen wir einen ganz schönen Jahreswechsel und für 2020 alles Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg! Auch im neuen Jahr wird es Blogeinträge geben. wink