28November
2019

Bis ins kleinste Detail

Lijiang – Bevor ich die Altstadt erkundete waren mein Wissen und meine Erwartungen an diese Stadt minimal. Es beschränkte sich darauf, dass die Stadt damals ein Knotenpunkt des Handels war und es sich um ein UNESCO Weltkulturerbe handelt. Da ich noch Dinge im Internet erledigen musste, war es für mich diesmal unerlässlich in einem Hotel mit sehr gutem WLAN zu nächtigen. Der erste Versuch war leider direkt ein Reinfall. Plüschtiere gab es zwar an jeder Ecke im Innenhof  (die Einsamkeit wurde damit natürlich minimiertwink) und auch das künstliche Gras im Aufenthaltsbereich verstärkte den Kitschigkeitsfaktor, aber der wichtigste Aspekt konnte  nicht erfüllt werden: Das WLAN war in den letzten Tagen kaputt gegangen. Auch das brettharte Bett (an das Schlafen auf einem Brett habe ich mich immer noch nicht gewöhnt) erleichterte meine Entscheidung mir für die nächsten Tage ein anderes Hotel zu suchen. Die nächste Wahl war dafür ein voller Erfolg. Neben einer Heizung im Zimmer (wirklich eine Rarität), gab es eine Heizdecke und als riesigen Bonus sogar eine beheizte Klobrille. Die Beleuchtung am Abend (der Eingang diente bei Vorbeigehenden häufig als Fotokulisse) sorgte für eine wirklich wunderschöne und romantische Atmosphäre. Mit den Hoteleigentümern habe ich während meines Aufenthaltes ein Pläuschchen gehalten. Neben eines Rosentees baten Sie mir Küchlein gefüllt mit Rosenblättern an. Wirklich ein interessanter Geschmack und für jedes Leckermäulchen bestimmt ein großartiger Snack.  

Ruhige Tage habe ich in dieser wirklich wunderschönen Altstadt verbracht. Bis ins kleinste Detail war diese dekoriert. Blumen blühten überall, Lichterketten versprühten ihren eigenen Charme in der Nacht und die Renovierungen der Altstadt haben zum Erhalt der Atmosphäre beigetragen. Stundenlang bin ich durch die Gässchen geschlendert, habe Fotos gemacht und in den  Geschäften gestöbert. Eine Straße war voller Lampions und eine weitere hatte eine Decke aus asiatischen Schirmen. Fast schon kitschig, stellten sie eigentlich die perfekte Kulisse für Instagram Bilder da. Da mir der Fotograf für Bilder dieser Art fehlte machte ich mich an den Versuch die Straßen ohne jeglichen menschlichen  Einfluss abzulichten. Die große Fläche der Altstadt sorgte dafür, dass ich selbst am dritten Tag immer noch wunderschöne Kleinigkeiten der Stadt entdeckte. Beispielsweise die kleinen Glöckchen die ein „Flüsschen“ begleiteten oder ein Baum voller aufgeschriebener Wünsche. Die Blumen, die Wasserkanäle mit den 300 Brücken und die wirklich individuelle Architektur sorgten für eine Schönheit, die nicht in Worte zu fassen ist. Diese Schönheit lässt es auch zur Nebensache werden, dass die Altstadt ganz den Touristen gehört. Wie mir das Internet hinterher verrät, über 11 Millionen Besucher hat Lijiang in einem Jahr. Mitte/Ende November hatte ich jedoch Glück und aufgrund der Nebensaison traten die Horrorvorstellungen nicht ein. Zwar war es aus meinen deutschen Augen gut gefüllt, jedoch war nach Aussage meiner Herbergseltern gar nichts los. Ein Kaffee über den Dächern von Lijiang mit einem Himbeer-Käsekuchen, meinem Buch und Sonnenschein im Gesicht, diese Zeit wird mir wohl lange in positiver Erinnerung bleiben. Auch der Ausblick vom Heilongtan Sees auf die Bergkette des Yulong Xueshan (Jadedrachen Schneegebirge) mit dem Pavillon De Yue Lou („Garten des wiedergewonnenen Mondes“) ist eine weitere bleibende Erinnerung. Einiges an Zeit habe ich in dem Park verbracht, den Ausblick genossen und in „Crazy Asian Girlfriend“ die Geschichte von Rachel und Nick nachverfolgt. Wollte ich eigentlich an einem Morgen den Elephant Mountain besteigen, hat mich das Hinweisschild am Eingang, den Pfad nicht unter 4 Personen zu betreten und die Warnungen im Internet hinsichtlich vergangener Gewalttaten gegenüber Frauen davon abgehalten diesen Aufstieg zu wagen. So habe ich mich darauf beschränkt, traditionell bekleidete Frauen beim tanzen zuzusehen und vor schlecht singenden Karaokesängern zu fliehen. 

Schnell ging die Zeit in Lijiang vorbei. Der Charme der Altstadt hat mich dabei voll getroffen. Jedoch sorgte die Zeit im Hotel auch dafür, dass sich bei mir eine gewisse Einsamkeit einstellte. Glücklich darüber im nächsten Ort ein Hostel gebucht zu haben machte ich mich 27ten November morgens auf den Weg um nicht den Zug nach Dali zu verpassen.