13Februar
2020

Dem Tee auf der Spur

Nach einer ziemlich stressfreien Busfahrt (in Malaysia gibt es auch normale Sitzbusse und nicht nur ominöse Schlaf/Liegebusse) erreichten wir Tanah Rata, den Hauptort in den Cameron Highlands. Wie die Bezeichnung „Highlands“ bereits suggeriert, liegt die Region ziemlich hoch, sodass auch unser Ort über 1000 Meter Höhe gelegen war. Die umliegenden Berge erreichen gar Höhen von deutlich über 2000 Metern. Durch die frostigen Klimaanlagentemperaturen während unserer Busfahrt waren wir bereits sensibilisiert für die deutlich kühleren Wetterlagen die uns in Tanah Rata erwarteten. Bei ca. 20 Grad spuckte uns der Bus in dem kleinen Örtchen aus. Wir liefen zum Hostel, welches sich als sehr gute Wahl entpuppte. Sonderlich ästhetisch war Tanah Data als Ort nun wirklich nicht, wie wir bei einer ersten Ortsbegehung am frühen Abend feststellen durften, dafür gab es eine ziemlich ausgeprägte Infrastruktur und viele Restaurants. Wir beschlossen uns indisch essen zu gehen und tüftelten dabei unseren Plan für den folgenden Tag aus. Wir beschlossen auf eigene Faust die Highlands zu erkunden und keine der omnipräsenten Tourangebote (zu denen man auch sehr gedrängt wurde…) in Anspruch zu nehmen. 

So starteten wir am nächsten Morgen dynamisch in unseren mir zahlreichen Programmpunkten gespickten Tag. Mit einem halben Liter Kaffee im Magen liefen wir zum Rollerverleih um uns unser Gefährt für den Vormittag abzuholen. Bereits das dafür notwendige Überqueren der Straße stellte sich frühmorgens als intellektuelle Herausforderung dar, schließlich gilt in Malaysia aufgrund der früheren britischen Kolonialvergangenheit Linksverkehr. Todesmutig und gleichzeitig herausgefordert von der mentalen Challenge den Straßenverkehr gespiegelt zu bewältigen, übernahm ich den Roller und schon brausten wir die kurvige Bergstraße empor zu unserem ersten Ziel des Tages: Die Boh Tea Farm. Boh ist der bekannteste und größte malaiische Teehersteller. Die Plantage war sehr beeindruckend. Teilweise verhangen von tiefhängenden Wolken und leichtem Nebel, waren die mit Teepflanzen bewaldeten Berge und Hügel sehr beeindruckend. Die verschiedenen Grüntöne waren sehr schön anzusehen. Ein Teil der Produktion konnte mit einer „Führung“ (diese beschränkte sich auf 2 Minuten verbalen Input) angesehen werden. Die Teepflanzen können demnach alle 4 Wochen geerntet werden und dann erfolgt ein Trocknungsprozess der zu unserem Erstaunen wohl nur wenige Stunden dauert. Wir kauften ein wenig Tee im angrenzenden Shop, der äußerst erschwinglich war, schließlich hatten wir es hier mit einem Massenhersteller und weniger einem Luxusproduzenten zu tun. Dann gab es auf einer Terrasse noch einen Tee zu trinken, begleitet von leckerem Teegebäck. Erneut schwangen wir uns auf unseren mobilen Untersatz, und düsten durch die herrliche Natur wieder in Richtung Tanah Rata. Wir hielten mittags an einer Erdbeerfarm und nutzen die Gelegenheit frische Erdbeeren selbst pflücken zu können - ein Unterfangen bei dem Conni mit der Aussenwirkung einer langjährigen Biobäuerin mit Kennerblick nur die besten Früchte auswählte. Danach gab es bei dieser Farm für uns beide auch ein Mittagessen, welches ganz im Zeichen der Erdbeere stand. So gab es das traditionelle Essen Nasi Lemak (Hähnchen, natürlich halal, Reis, ein Spiegelei, geröstete Erdnüsse und eine scharfe Soße) in modifizierter Form mit einer Art Erdbeerreis als Beilage. Derart gestärkt gingen wir in den körperlich aktiven Part des Tages über und begaben uns an den Startpunkt unserer geplanten Wanderung. Bei mittlerweile wieder starken Sonnenschein stapften wir auf eine Bergspitze (immerhin ca. 1700 Meter ü.N.) und bestaunten den Ausblick auf die umliegende Natur und die Teeplantagen. Am späten Nachmittag ging es zu einer weiteren Teeplantage und zwar vom Label „Cameron Highlands Tea“. Dieser Hersteller ist (noch) günstiger als Boh Tea und die Teeplantage lag tiefer im Tal als jene die wir am Vormittag besucht hatten. Wir stärkten uns mit Masala Tee und Schwarztee und kamen überein, dass uns der Tee hier besser schmeckte als am Vormittag bei Boh Tea. Wir genossen erneut den tollen Ausblick auf die Berge und schlenderten dann noch eine weile durch die Teefelder. Dann ging es zurück nach Tanah Rata und nach einem Abendessen fielen wir müde ins Bett und ließen den Tag bei einem Film ausklingen. 

Nun sitzen wir wieder im Bus - es geht wieder an die Küste! Unsere nächste Destination, ganz im Nordwesten von Malaysia, ist Penang, welches auch Georgetown genannt wird. Dort wollen wir ein paar Tage verbringen um dann auf die Insel Langkawi weiterzufahren! Wir tauschen also die Teeberge wieder gegen das Meer ein, haben nun aber Highland Tee im Gepäck als schöne Erinnerung an diesen definitiv besuchenswerten Ort.