06Oktober
2019

Die Golden Week (Teil 2)

Der nächste Morgen sollte früh beginnen. Gegen 9 Uhr nahmen wir einen Bus Richtung Kaiping und man soll es kaum glauben, aber im Gegensatz zur letzten Busfahrt war diese wirklich angenehm. Leise erreichten wir nach 3,5 Stunden unser Ziel. Es wurde ins Hotel eingecheckt und nach einiger Recherche fanden wir heraus: Ok, in diesem Stadtzentrum gibt es wirklich nichts zu sehen. Auch die Hotelrezeptionistin war überfordert uns einen Ratschlag zu geben. Also, so stellten wir fest, eine ziemlich unansehnliche Stadt. Doch außerhalb von Kaiping gab es einige Dörfer in denen es die berühmten Diaolou Häuser zu sehen gab. Ich zitiere meinen Lonely Planet: „mehrstöckige Wachtürme und befestigte Wohnhäuser, die durch die Mischung ihrer Baustile aus Europa und China sowie maurische Einflüsse auffallen. Die Mehrheit wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einigen Dorfbewohnern bebaut.“ Zwar bestand unser Plan darin diese erst am nächsten Tag zu besuchen, jedoch waren die Dörfer sehr verstreut weshalb wir uns entschieden ein Dorf schon am heutigen Tag zu besichtigen. Dabei handelte es sich um ein nicht besonders touristisches Dorf, in dem auch noch einige Leute lebten. So waren dort nur zwei Diaolou für die Touristen zugänglich. Die Architektur war wirklich sehenswert doch auch der Weg dahin war wunderschön. Reisfelder, Bananenplantagen und nur vereinzelte Häuser: für mich als Naturmenschen tat es wirklich gut mal die Stadt zu verlassen.

Auch am nächsten Tag konnten wir die wirklich sehr schöne Natur weiter genießen. Am Morgen ging es mit dem Bus zur Zili Village, welches als das „Dorf to See“ bekannt ist. Dementsprechend   hoch war auch der Touristenandrang vor Ort. Auf dem Weg dahin bemerkten wir davon jedoch erstmal nichts. Aufgrund der rennfahrerartigen Fahrweise unseres Busfahrers verpassten wir unsere Busstation und wurden somit „gezwungen“  ein wenig zu unserem Ziel zu laufen, frische Luft zu tanken und die Natur in uns aufzusaugen. Ja ich stimme euch zu: Das ist schon eine wirkliche Strafe laughing Vorbei ging es an Reisfeldern und ziemlich alten und verlassenen Gebäuden. Auch der Ausblick auf die Diaolou war auf unserem Weg nicht zu verachten. Das Zili Dorf an sich war wirklich  eine Augenweide jedoch ziemlich überlaufen und nach einer Stunde hatte man auch alles besichtigt. Doch direkt am Anfang gelangten wir an einen sehenswerten Platz und wir ließen uns nieder um dort einen Tee zu trinken. Angesprochen wurden wir nach einiger Zeit von einem Jungen, dessen Englischkenntnisse das vieler Chinesen in den Schatten stellte. Und so kamen wir mit ihm und seinen Eltern ins Gespräch und unterhielten uns über das chinesische Schulsystem und die berühmten deutschen Autos, auf die ich hier in fast jeden chinesischen Gespräch angesprochen werde. Das Diaolou in dessen Nähe wir uns niedergelassen haben gehörte der Schwester der Mutter und so wurden wir zu einem Reisgericht mit Wurst und Speck eingeladen. Das Gericht schmeckte sehr interessant, aber zu meiner Leibspeise wird es wohl nicht werden. Nach dem Essen trennten wir uns, da sich die Familie auf den Heimweg machte und wir uns noch einige Dinge ansehen wollten. So kamen wir auf unserem Weg zur Bushaltestelle an einem interessant aussehenden Gebäude vorbei, welches sich als ein Tempel inklusive einem Tower herausstellte. Der Tempel wurde besichtigt, der Tower bestiegen und der Bus wurde daraufhin etwas später Richtung Li-Garten genommen. Dabei handelte es sich um ein Herrenhaus aus dem Jahre 1936, welches von einem reichen Sinoamerikaner erbaut wurde. (Ja, auch hierbei ist mir gerade mein Lonely Planet behilflich laughing) Die Diaolou sahen im Vergleich zu den vorherigen sehr westlich aus, waren gelb angemalt und wirklich noch gut erhalten. Es hatte einen kleinen italienischen Flair, ein kleiner Fluss floss durch das Gelände und wie mein Lonely Planet so schön feststellt: „die gesprenkelten Gehwege sind wirklich entzückend“. Da meine Mitbewohnerin leider kein „Museumsmensch“ ist, sind wir relativ schnell durch das Gelände gehetzt und haben uns dann auf den Rückweg zum Hotel gemacht. Nach einer kurzen Pause sind wir noch ein wenig durch die Innenstadt von Kaiping geschlendert, haben zu Abend gegessen und ein Bier in einer Bar in der Nähe vom Hotel getrunken. Das war wirklich ein Erlebnis, denn es gibt nur sehr sehr wenige Pubs in China. So wurde dies der erste chinesische Barbesuch in meinem Leben, welcher sich nicht besonders von einem deutschen Barbesuch unterschied (hierbei wird der schlechtere Biergeschmack des chinesischen Biers geflissentlich außer Acht gelassen). Müde fielen wir früh ins Bett, denn am nächsten Morgen ging es wieder Richtung Guangzhou. Und so erreichten wir am Samstag dem 5ten Oktober wieder die Stadt und es wurde kein ereignisreicher Tag mehr. Ich verfasste diesen Eintrag, ging Essen und nach einer sehr kleinen Joggingrunde fiel ich früh ins Bett. Die nächsten Tage muss ich mich ein wenig um meine universitären Verpflichtungen kümmern bevor ich dann am 11ten Oktober Keno in die Arme schließen kann.