12Dezember
2019

Die Stadt der Gärten

Suzhou – die Stadt, die mich auf meiner Reise bis jetzt ehrlich gesagt am meisten enttäuscht hat. Mein Lonely Planet berichtete mir vor der Reise, dass Suzhou historisch betrachtet für Eleganz und Hochkultur stand. Künstler, Gelehrte, Schriftsteller und Mitglieder der chinesischen High Society wurden von den erlesenen Kunstformen und der zarten Schönheit seiner Gärten angezogen. Doch Suzhou hat im Laufe seiner Historie viel Zerstörung erfahren und vieles wurde durch neue Architektur ersetzt. Trotz allem besitzt laut Lonely Planet die Stadt noch eine Menge Charme, die eine Besichtigung per Rad oder zu Fuß rechtfertigt. Die Gärten Suzhous stellen dabei die Hauptattraktion der Stadt dar. Und genau das war wahrscheinlich für mich das persönliche Todesurteil Suzhous. Aufgrund der Jahreszeit, herbstlich kalt mit 10-15°C, blühte nichts mehr in den Gärten und zwar waren einige Bäume in herbstlichen Farben, die fehlenden Blumen konnte dies jedoch nicht überdecken. 

Für meinen Sightseeingtag in Suzhou habe ich mir drei Gärten rausgesucht welche ich besichtigen wollte. Da jedoch das Ausschlafen nach einer unruhigen Nacht vorging habe ich letzten Endes noch zwei der drei Gärten geschafft. Zuerst ging es zum Garten der bescheidenen Beamten (Humble Administrator Garden). Er gehört zu den UNESCO-Welterben und ist einer der berühmtesten Gärten der Stadt. Der zweite Garten den ich an diesem Tag besuchte war der Garten des Verweilens (Lingering Garten). Auch dieser wurde 1997 in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Er ist in mehrere Teile untergliedert. Im östlichen Teil des Gartens befindet sich die Halle des Himmelsäquators, der größte Saal des Gartens. Im Westen kann man durch einen kunstvollen Steingarten spazieren. Im nördlichen Teil befand sich einst ein Gemüsegarten, welcher aber inzwischen vor allem von Topfpflanzen bewachsen ist. Doch zwar ist auch dieser Garten für seine Schönheit weit bekannt, konnte mich aber nicht von dieser vollends überzeugen. Ein erneuter Besuch im Sommer ist jedoch notwendig um ein vollendetes Urteil abgeben zu können laughing.

Des Weiteren standen an diesem Tage noch die „Pingjiang Straße“ und die „Shantang Straße“ auf meiner Agenda. Bei der Pingjiang Straße handelte es sich um die historische Kanalstraße Suzhous wovon ich ehrlich gesagt, durch den Spitznamen Sozhous „Venedig des Ostens“ ein paar mehr erwartet hätte. Entlang dieser Straße und ihren Gassen stehen Bauten mit gut erhaltener traditioneller Architektur, Geschäfte, Teehäuser, Pensionen und Wohnhäuser, die dem Ort eine authentische, historische Atmosphäre verleihen. Meiner Meinung nach war es „ganz nett“, bin ich jedoch (wenn ich ganz ehrlich zu mir selber binb) durch die Altstädte von Lijiang und Fenghuang inzwischen einfach höchst verwöhnt.Auch die Shantang Straße erfüllte meine nicht vorhandenen Erwartungen. Diese wird als die "erste Straße" bezeichnet, denn die 3600 Meter lange Straße weißt eine Geschichte von 1100 Jahren auf und ist die repräsentativste Straße für die Entwicklung der Straßen und Gassen in Suzhou. Doch zur Zeit meines Besuches befand sich auch diese Straße unter vollkommener Renovierung, sodass das hauptsächlich mir dargebotene Bild grüne Netze und Gerüste waren. 

Aufregend war jedoch diesmal die Unterkunft in der ich zwei Nächte verbracht habe. Es handelte sich um ein richtiges Kapselhostel und die Kapsel war aufgebaut wie ein kleines eigenes Raumschiff. Somit fühlte man sich wirklich fast wie im Weltall, wenn man sich zu Bett legte. Sogar die LED-Beleuchtung konnte man von pink, über grün auf blau ändern. Wirklich ein Abenteuer, doch habe ich gemerkt, dass ich offene Hostelbetten (mit einem Vorhang) präferiere, denn obwohl ich genügend Luft durch die Belüftungsanlage bekam führte der geringe Platz bei mir doch zu einem unruhigen Schlaf. 

Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Im Himmel ist das Paradies, auf Erden gibt es Suzhou und Hangzhou“. Die beiden Städte nahe von Shanghai gelten als älteste und als schönste Städte von ganz China – bis heute. Suzhou konnte mich bei meinem Besuch nicht überzeugen. Mal sehen ob Hangzhou für mich doch einen Teil des Sprichwortes bestätigen kann. Morgen werde ich es sehen und ich freue mich schon auf einen Tag am West Lake smile.