02Sept
2019

Ein schwieriges Unterfangen

Die Wohnungssuche in Guangzhou, was kann man dazu noch sagen. Es ist anstrengend, schwierig und einfach nur zum Kopf schütteln. Nachdem mein Buddy mich am Hotel abgeholt hat sind wir zu einem Dim Sum Restaurant frühstücken gegangen. Denn in China gibt es leider kein Käsebrot zum Frühstück sondern warme gefüllte Teigtaschen, Reis und Suppe. Die so genannten Dim Sum waren sehr lecker. Es gab normale Teigtaschen mit Shrimps, frittierte  Teigtaschen mit Shrimps umwickelt mit Speck und Reis, sehr süße Teigtaschen gefüllt mit einer zuckersüßen Sauce (zu süß für mich) und einem Nachtisch, der die Konsistenz von Wackelpudding hatte und aus Kokkus und Mango bestand.


 

Nach der Stärkung konnte die Wohnungssuche ja eigentlich nur gut verlaufen. Und so machten wir uns auf den Weg um eine Wohnung zu finden. Doch es stellte sich fast als ein schier unmögliches Unterfangen heraus. So wollte keiner eine Wohnung für 4 Monate vermieten oder die Wohnungen waren zu heruntergekommen. Doch am späten Nachmittag haben wir dann eine gefunden, die wir gerne mieten wollten: Modern, relativ sauber und topp ausgestattet. Nachdem dann der Preis um ca. 200 Euro pro Monat noch einmal angestiegen ist, da andere internationale Studenten die Wohnung auch haben wollten, stellte sich jedoch heraus, dass der Landlord keine Steuern gezahlt hat. Dies stellt sich besonders für uns als unmögliches Problem dar, da wir dann nicht in der Lage sind, eine Temporary Residence zu beantragen, welches für uns verpflichtend ist. Da der Landlord zu große Angst vor Strafgeldern hatte, entschied dieser sich uns die Wohnung nicht zu vermieten. Die Agentur der Wohnungsvermittlung hatte nach der Absage ein weiteres Apartment für uns herausgesucht, doch als wir dieses betreten haben, bekamen wir erst mal einen Schock. Das Apartment war unfassbar dreckig, einiges war kaputt und vor allem: es waren keine Möbel in der Wohnung. Es wurde jedoch versprochen, dass am nächsten Tag alles fertig sein sollte. Da wir inzwischen schon verzweifelt waren, die Lage perfekt und die Umgebung wunderschön war (direkt am Pearl River, ein Swimming Pool vor der Haustür, Lampions, eine ruhige Lage,…) haben wir zugesagt uns das Apartment am nächsten Tag nochmal anzuschauen und es dann anzumieten. 

Am nächsten Tag gingen wir morgens zu einer weiteren Agentur um notfalls einen Plan B zu haben. Doch es stellte inzwischen ein fast unmögliches Unterfangen dar, da die passenden Wohnungen zumeist schon vergriffen waren. Da wir ja auch noch unseren Plan A hatten, haben wir uns entschieden eine Mittagspause zu machen. Während dieser bin ich mit Minot und Jenny essen gewesen und wir sind am Pearl River spazieren gegangen. Und dann war es auch so weit und uns erwartete der nächste Schock. Nichts hatte sich während der letzten Stunden getan. Das Apartment sah genauso aus, wie am vorherigen Abend. Nach einiger Diskussion gaben wir dem Landlord weitere 2 Stunden Zeit um die Sachen in die Gänge zu bringen. Während Minot im Apartment blieb um die Fortschritte der Arbeit zu beobachten, sind Anne-Claire und ich zu einer weiteren Agenturen gegangen. Doch auch bei dieser schien unsere Wohnungssuche ein schier unmögliches Unterfangen zu werden. Da Minot uns jedoch berichtete, dass im Apartment gute Arbeit geleistet wird, haben wir uns entschieden dieses Apartment zu mieten und schon mal alle notwendigen Dinge in die Wege zu Leiten. So wurde Bettzeug gekauft und das benötigte Geld für die Kaution und die erste Miete abgehoben. Nach einigen Stunden konnte der Vertrag unterschrieben werden und um ca. 22:00 Uhr verließen wir die Agentur als Mieter eines Apartments in Guangzhou. Darauf wurde erst mal mit einem Bier in der Anlage des Apartments angestoßen, bevor es dann mit dem Taxi ins Hotel ging. Denn am nächsten Tag trafen wir uns sehr früh, um vor der Einführungsveranstaltung der Universität unsere Koffer in die Wohnung zu packen. 

Gesagt getan. Gegen 8:00 Uhr trafen wir uns am Apartment, brachten die Schlüssel zur Agentur (es mussten noch einige Sachen repariert werden) und machten uns auf den Weg zur Universität. Nach einer informativen Einführung (Transportmittel, Kurse, Sicherheit in GZ,…) machten wir uns wieder auf den Weg zur Agentur um, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist, uns innerhalb der nächsten 24 Stunden bei der Polizei zu melden und eine Temporary Residence zu erhalten. Bevor es jedoch wirklich dahin ging, gab es einige Schwierigkeiten mit der Kommunikation mit dem Landlord. Dadurch hatten wir ca. 2 Stunden nichts zu tun und trafen uns mit einer Freundin von Anne-Claire aus Frankreich (die jedoch ursprünglich aus GZ kommt und zur Zeit auch vor Ort ist). Das Essen war wirklich sehr sehr lecker, auch wenn das Restaurant vor Ort wirklich dreckig und keinerlei ansprechend aussah smile. Gestärkt ging es wieder zurück zur Agentur und weiter Richtung Polizei. Kaum angekommen traf uns der nächste Schock. Die Polizei verweigerte uns die Temporary Residence auszustellen, da auch dieser Landlord keine Steuern gezahlt hat. Unter Schock und großer Aufregung ging es zum Haizhu Chiang Government Affairs Center, einer Art Finanzamt, um die Angelegenheit zu klären. Nach unserem Zugeständnis die Steuern in Höhe von ca. 40 Euro zu übernehmen und einen neuen Mietvertrag unterschrieben wurde, bekamen wir die Erlaubnis zur Polizei zurückzukehren, welche uns dann ohne Probleme die Temporary Residence ausstellte. Das musste gefeiert werden. Somit ging es abends darum meine großen Singkünste zu beweisen und zu zeigen, dass nicht alle Hunde sterben, wenn ich zum Singen den Mund aufmache :D. Mit einem Taxi fuhren wir zum Central Business District (CBD). Dort konnte man Räume zum Karaokesingen für eine verschiedene Anzahl von Personen mieten und es gab Bier und Essen zu bestellen. Da wir vorher durch eine Nudelsuppe unsere Kehlen geschliffen haben galt es für uns nur ein wenig Mut anzutrinken und Spaß zu haben: Lady Gaga und Ed Shereen warteten auf uns. Nach drei Stunden Singerei ging es müde zurück ins Apartment. Glücklich konnten wir in den Schlaf fallen, denn das Unmögliche war geschafft: Wir haben ein Dach über dem Kopf.