11Dezember
2019

Ein wunderschönes Wiedersehen

Shanghai – die Stadt die neben Peking auch jeder Nicht-Chinese kennt. Es ist die bedeutendste Industriestadt Chinas und hat rund 24,2 Millionen Einwohner. Damit gehört Shanghai neben Peking mit 21,5 Millionen Einwohnern und Chongqing mit unglaublichen 32 Millionen Einwohnern zu den Megacitys in China. Im Kontrast dazu wirkt Guangzhou mit seinen 12,7 Millionen Einwohnern wirklich klein. Kaum am Flughafen gelandet stürzte ich mich auch direkt ins Getümmel und fuhr mit der U-Bahn zu  Ninas vorübergehender Bleibe. Glücklicherweise hatten wir nach Ankunft noch ein wenig Zeit, bis wir mit den Freunden Ninas zum Essen verabredet waren und natürlich haben wir erst einmal unsere Geschichten ausgetauscht. Da sowohl Nina als auch ich aber so einiges zu erzählen hatten, war die Zeit natürlich noch viel zu kurz, doch es sollte sich in den nächsten 3 Tagen noch genügend Zeit ergeben in denen wir uns auf den aktuellen Stand der Dinge bringen konnten.  Gegen sieben Uhr ging es dann zum Abendessen und es war wirklich sehr lecker. Herrschte zu Beginn noch eine gewisse Skepsis über die Qualität des Essens, waren wir nach Füllung der Mägen doch vollends begeistert. Ein anschließendes Bier in einem Pub rundete den rundum gelungenen Abend ab. Es war wirklich sehr schön Ninas Leute in Shanghai kennenzulernen, denn Erzählungen mit Gesichtern vorm inneren Auge sind direkt immer gelungener und besser zu visualisieren.  

Der nächste Tag, wie auch die darauffolgenden, wurde nach einer langen Nacht gemächlich gestartet. Ein Kaffee wurde getrunken und mit einer Frucht in den Tag gestartet. An Apple a Day keeps the doctor away – vielleicht klappt dies ja auch mit einer Pomelo. Auch dabei stirbt die Hoffnung zuletzt. Voller gesunder Vitamine ging es los um die Stadt zu erkunden. Aufgrund meines vorherigen Besuchs von Shanghai vor zwei Jahren war es nicht von Nöten die größten Touristenattraktionen zu besuchen. Somit begannen wir mit einem Besuch des Heiratsmarktes am People’s Park. Dieser findet jeden Sonntag statt und verzweifelte Mütter befinden sich dabei auf der Suche nach den perfekten  Schwiegereltern. Denn im Park werden Frauen und Männer zur Heirat angeboten. Alter, Größe, Gewicht und Einkommen all diese Informationen werden auf einem Zettel dargeboten. Die Eltern oder Großeltern verhandeln über die angebotenen Personen. Mache bieten professionell an, manche sehr einfach. Auch ein Foto ist nicht immer dabei. Meiner Ansicht nach fraglich wie eine  Entscheidung ohne Foto getroffen werden kann (Das Aussehen ist meiner Meinung nach doch eine nicht ganz irrelevante Nebensache laughing). Es ist wirklich lustiger und gleichermaßen auch ein wenig verstörender Anblick, wie Personen fast ein wenig verschachert werden. 

Doch trotz vorherigem Besuch der Touristenattraktionen durfte ein Besuch des Bunds natürlich nicht fehlen. Aufgrund des Wochentags (Sonntags) war sehr viel los doch ein Fotospot wurde gefunden und das obligatorische Shanghai-Foto geschossen. Ein Kaffee rundete den Besuch des Bundes ab welcher dadurch versüßt wurde, dass es sich bei dem Café um einen der leisesten Orte handelte, die ich in China bis jetzt gefunden habe. 

Anschließend folgte ein Besuch des Shanghai Towers und nach einem erfolgreichen Ticketkauf haben wir den Aufstieg mit dem Aufzug gewagt. Der Shanghai Tower ist 632 Meter hoch und der Aufzug wurde vom Guiness Buch der Weltrekorde als einer der schnellsten Aufzüge ausgezeichnet. Für unseren Besuch haben wir dabei den perfekten Zeitpunkt gewählt. Den Sonnenuntergang konnten wir vom 180sten Stock beobachten und dachten wir vorher noch, dass es sich um Smog handelte welcher uns die Sicht versperrte stellte es sich hinterher als eine Reflexion der Sonne heraus. Da wir auch die vollkommen beleuchtete Skyline sehen wollten warteten wir noch eine Stunde und genossen anschließend den tollen Ausblick der uns dargeboten wurde (nicht das er vorher auch schon wundervoll war smile). 

Habe ich vor meinem Besuch noch nicht ganz so viel davon mitbekommen, dass es sich momentan um die Vorweihnachtszeit handelt, ist bei mir in Shanghai ein klein wenig Weihnachtsfeeling aufgekommen. Jeder der mich kennt weiß, dass ich normalerweise, kaum dass weihnachtliche Stimmung aufkommt, auf dem Weihnachtsmarkt mit einer  Tasse Glühwein in der Hand, zu finden bin. Als Nina mir erzählte, dass in Shanghai einen echten Christkindlmarkt zu finden ist war ich als zertifizierter Glühweinprofi natürlich Feuer und Flamme. Zwar war der Weihnachtsmarkt ziemlich klein, doch konnte man ihn von einem deutschen Weihnachtsmarkt kaum unterscheiden. Alleinig die Musik sorgte für einen kleinen Stimmungsbrecher, ist Helene Fischer beispielsweise auf einem Kölner Weihnachtsmarkt schwer zu finden. Doch der Geschmack des Glühweins war unverfälscht, weshalb aus einem Glühwein dann doch drei Lühli wurden und wir angetrunken nach einer Portion Duplings nach einem wirklich sehr schönen Tag ins Bett fielen.  

Die nächsten zwei Tage begannen erneut in aller Ruhe. Ganz in Ruhe wurde aufgestanden und der Tag mit einem Kaffee und der zweiten Hälfte der Pomelo begonnen. Doch da es nach einem ganz gemächlichen Morgen auch schon 12 Uhr war, liefen wir zu einem kleinen Restaurant, welches Nina als sehr empfehlenswert empfand. Von außen her unscheinbar besagte alleine die Schlange vor dem Restaurant dass dort gutes Essen zu finden ist. Nach Nudeln mit Semsampaste und einer Art Schnitzel kann ich der Schlange und der Michelin Empfehlung von 2019 zustimmen: Super lecker und eine deutliche Empfehlung ist dieses Restaurant wert. Genauso wie die Soup Dumplings die wir am anderen Tag zu Mittag aßen. Ein kleiner unscheinbarer Laden mit einer Schlange vor der Tür ist immer ein gutes Zeichen um ein gelungenes Mittag-/Abendessen zu sich zu nehmen. 

Sonst verbrachten Nina und ich die Tage damit durch die French Concession zu schlendern, Tianzifang zu erkunden und einfach nur die gemeinsame Zeit zu genießen.  In der French Concession galt über viele Jahrzehnte ausschließlich französisches Recht und Frankreich stellte hier die Polizei und die zivile Verwaltung. So sind noch heute zahlreiche Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert erhalten geblieben und der französische Flair ist meiner Meinung nach noch heute deutlich zu spüren. Tianzifang befindet sich innerhalb der French Concession und ist ein Künstlerviertel in Form einer Fußgängerzone. Es ist bekannt für seine engen Gassen, in denen Künstlergeschäfte, Designerstudios, Galerien, Boutiquen, Bars und Cafés zu finden sind. Hatte Nina am Montag Abend noch die Verpflichtung ihre Vorlesung zu besuchen, habe ich diese Zeit genutzt um ein wenig meine weitere Reise zu organisieren. Denn Dienstag Nachmittag machte ich mich schon auf den Weg um den Zug Richtung Suzhou zu erreichen. Es waren wirklich sehr schöne Tage in Shanghai und ich persönlich habe es sehr genossen ein wohl bekanntes Gesicht wiederzusehen. Danke für die tolle Zeit Nina! Ich bin gespannt auf alle weiteren Berichte wenn wir uns im März in Köln wiedersehen!