30Sept
2019

Eine ganz „normale“ Woche

Schon wieder ist eine Woche vorbei und die Zeit hier in Guangzhou beginnt zu fliegen. Und ich muss euch enttäuschen. So langsam erscheinen mir die merkwürdigsten Dinge ziemlich normal: Professoren die laut ins Mikrofon schnaufen; Musik hören ohne Kopfhörer, Rotzen an jeder Straßenecke. Was man zuerst noch als höchst verwunderlich wahrnimmt beginnt langsam Normalität zu werden. Aber nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen: Meine deutschen Manieren stecken mir im Blut und ich werde mich hüten die chinesischen Gepflogenheiten zu übernehmen. Auch an das Essen habe ich mich gewöhnt, obwohl mir mein Magen die letzten Tage zum ersten Mal Probleme bereitet. Montag war ich Nudeln mit Erdnusssauce essen. Sehr sehr lecker, dass sage ich euch. Dienstag genoss ich den Sonnenuntergang bei einer kleinen Joggingrunde entlang des Pearl Rivers. Mittwoch stand dann das nächste Event an: Hot Pot Essen mit 10 anderen Austauschstudenten. Hot Pot ist eine fettigere und schärfere Variante des Fondues. Man packt Stöcke mit Pilzen, Fleisch, u.s.w. in einen Topf und lässt diese zusammen mit Nudeln und Sprossen köcheln. Dabei ist der Topf halbiert: Auf der einen Seite befindet sich die scharfe Brühe und auf der anderen Seite die normale Brühe. Nachdem das scharf gekochte Essen für so einige Schweißtropfen gesorgt hat sind die meisten von uns auf die andere Seite geschwenkt um nicht vollends an dem Hitzetod zu sterben. Das ganze Essen ist eine wirklich gemütliche Angelegenheit, welche sich über mehrere Stunden hinwegzieht. Weitergezogen sind wir an diesem Abend mit anderen 20 Austauschstudenten in einen Club in welchem wir als Promoter agierten. Wodka und drei VIP Tische bekamen wir dafür als „Bezahlung“. Und das war wirklich einer der verrücktesten Clubs den ich jemals besucht habe: Mädels die als Fächer verkleidet auf der Bühne tanzten, eine Art Lasershow, Konfetti und Champagnerflaschen die mit einer riesigen Aufmachung durch den Club getragen wurden. 

Folglich begann der Donnerstag etwas später und nach erfolgreich erledigter Gruppenarbeit hat mich Martin (Chinese) zu einem kleinen und sehr versteckten Restaurant in der Nähe der Uni gebracht. Zwar war die Reaktion auf Bilder meinerseits sehr einstimmig (Bah, das sieht ja ekelig aus. Was ist denn das?!), mein Magen erklärte mir doch, dass es ein wirklich sehr leckeres Essen ist. Zur Vorbereitung aufs Wochenende wurde Freitag ein Ausflug zum Liurong Tempel gemacht und anschließend machten Minot und ich eine kleine Wanderung durch den Xuexiu Park. Dabei traf uns erneut die Erkenntnis: Natur und Trecking ist nicht die Lieblingsbeschäftigung der Chinesen. Überall waren moderne Wege angelegt, ein Freizeitpark war im Park eingebaut und Touristenzüge brachten einen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem erfolgreich absolvierten Unitag sind wir mit den meisten Teilnehmern unseres Kurses am Samstag in ein Restaurant weitergezogen um den Abend ausklingen zu lassen. Dieser Abend war wirklich sehr gesellig und endete unerwartet spät. Somit startete auch der Sonntag relativ gemütlich und mittags ging es dann mit Jung Hoon Choi (Koreaner) zum Quinping Medicine Center. Eine interessante Erfahrung sollte uns dort erwarten. Ein Center, vergleichbar mit dem Textile Exchange Center voller roher Zutaten für die Chinesische Medizin. Getrocknete Fische, Wurzeln und Insekten in den verschiedensten Varianten gab es dort zu erwerben. Die Masse an Seesternen, Seepferdchen und Geweihen ist für uns als Europäer ein sehr unerwarteter und schockierender Anblick. Auch die Gerüche die dort vorherrschten waren für meinen Körper eine Abwechslung. Somit ging es voller neuer Eindrücke zurück in eine Shopping Mall in der dann zu Mittag gegessen wurde. Das Restaurant war jedoch wohl leider eine falsche Entscheidung. Denn mein Magen empfand diese Speise als gar nicht gut und auch heute (Montag dem 30ten September) hat dieser leider noch nicht ganz der Normalzustand erreicht. Vielleicht hilft die Massage zu der ich gleich aufbrechen werde ein wenig :) Morgen geht es dann (bis Sonntag) mit meiner Mitbewohnerin Anne-Claire nach Shenzhen und Kaiping. Die Golden Week (chinesische Feiertagswoche) kann kommen und ich bin bereit. Mal sehen was der Ausflug so bieten wird. Aber eines weiß ich ganz bestimmt: Langweilig wird es nicht.