06Februar
2020

Eine Rallye durch die Touriregion ohne Touristen

Wie beschrieben erreichten wir Vang Vieng ordentlich durchgeschüttelt nach 7 Stunden Fahrt im schnellsten Minibus der Welt. Glücklicherweise war ich an diesem Reisetag bereits weitgehend auskuriert von meinen doch sehr intensiven Magen-Darm Beschwerden des Vortages (an dieser Stelle muss ich um dem männlichen Stereotypen zu entsprechen auch noch mal darüber jammern…), sodass ich und Conni die Fahrt ohne weitere Schäden überstanden. Der einzige laotische Fahrgast vertrug den Rausch der Geschwindigkeit jedoch nicht so gut und machte intensiv Gebrauch von diversen Plastiktüten (in diesem Zusammenhang kann man von Glück sprechen, dass es diese in Asien noch gibt;)). 

Schnell stellten wir während des anbrechenden Abends der Ankunft fest, dass Vang Vieng kein schöner Ort ist und als Stadt praktisch keine Reize hat. Conni und ich resümierten, dass Vang Vieng wie der fehlgeschlagene Versuch wirkt, westlichen Partytourismus mit chinesischem Massentourismus zu kombinieren – keine allzu gute Idee… Gleichwohl hatte die westliche Orientierung auch Auswirkungen auf die kulinarischen Opportunitäten vor Ort. Da Conni und ich nach wie vor über etwas labile Mägen verfügten, beschlossen wir uns diese mit gewohnter Nahrung zu verwöhnen und aßen zu Abend eine leckere Pizza. Da wir nur einen vollen Tag für Vang Vieng eingeplant hatten, starten wir am nächsten Morgen unseren „Action-Day“. Die Agenda war prall gefüllt und umfasste im Prinzip alle „Must-Do`s“ für Vang Vieng. Wie bereits erwähnt, ist in Vang Vieng weniger der Ort sehenswert, als vielmehr die tolle Natur drumherum. Umgeben von spitzen, aber bewaldeten Bergen, Höhlen, Lagunen und Dschungel freuten wir uns auf einen spannenden Tag im Grünen. Unsere Tagesordnungspunkte lauteten: Roller leihen, zu einem Wasserfall fahren, eine Höhle besichtigen, eine weitere Höhle in welcher Wasser steht mit Tubes (große LKW-Reifen artige Gummiringe auf denen man liegen/ sitzen kann) durchqueren, zu einem Aussichtspunkt auf einem Berg wandern, eine Lagune ansehen und zuletzt eine weitere Höhle besichtigen. Bei einem solchen Programm kann man uns getrost Sensationslust attestieren, jedoch waren wir beide nach den etwas maladen Tagen, in welcher uns die Lebensmittelvergiftungen ausbremsten, hochmotiviert wieder richtig viel zu sehen. Nach einem Kaffee ging es dann endlich los! Wir brausten mit unserem Roller über eine herrlich unbefahrene, abenteuerliche Schotter- und Sandpiste zu dem Wasserfall. Mitten im Dschungel, umgeben von riesigen alten Bäumen und Lianen lag dieser gelegen, welcher nun in der Trockenzeit nur wenig Wasser führte. Es waren nur ganz wenige andere Touristen vor Ort. Wir vermuten, dass der chinesische Tourismus normalverweise extrem vorhanden ist in Vang Vieng und drumherum, da die touristische Infrastruktur, wie beispielsweise Restaurants auf riesige Massen ausgelegt war. Durch den aktuellen Virus dürften aber die meisten Chinesen wohl nicht das Land verlassen, was zu regelrecht ausgestorbenen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten vor Ort führte. So zynisch es klingen mag, war das für uns natürlich ein durchaus angenehmer Pluspunkt. Nach dem Wasserfall holperten wir weiter und hielten bei einer Höhle. Hier waren wir die einzigen Touristen und Conni bewies todesmutig Kompetenzen als Höhlenforscherin. Ich hingegen hatte mit Platzangst und absurden Ängsten – nach dem Motto „was wenn jetzt der Berg in sich zusammenstürzt“ zu kämpfen, weshalb wir auch relativ schnell die Höhle hinter uns ließen. Trotzdem waren die hohen Räume sehr beindruckend, genauso wie die funkelnden Stalaktiten. Um meine Ängste im Zusammenhang mit Höhlen weiter per Schocktherapie zu behandeln, fuhren wir eine Station weiter. Auf die nächste Höhle freute Conni sich besonders. Hier konnte man, auf einem Gummiring welcher im Wasser der gefluteten Höhle schwimmt liegend sich an Seilen durch die Gänge der Höhle ziehen. Das Unterfangen welches ich zu Beginn als absurden und gefährlichen Touri-Nepp abtat, stellte sich dann doch als lustiges Highlight heraus. Im Anschluss gab es ein kleines Mittagessen für uns Höhlenexperten bevor wir dann zu dem Berg fuhren, welchen wir zwecks Aussicht besteigen wollten. Nach einem kurzen und steilen Aufstieg (Conni sprintete regelrecht den Berg hoch, während ich keuchend und schweißtriefend hinterherlief) erreichten wir die Spitze und genossen den tollen Ausblick auf die faszinierende Umwelt. Die Höhe des Viewpoints, genauso wie die Komplexität der Wanderung war jedoch deutlich geringer als unsere Tour in Nong Khiaw ein paar Tage zuvor. Nachdem wir wieder abgestiegen waren, fuhren wir die Blaue Lagune an. Diese hatte zwar tolles blaues, klares Wasser, war jedoch eher ein Erlebnisbad für asiatische Klientel und weniger ein naturbelassenes Ziel im Grünen. Hier hielten wir uns nur kurz auf. Auf dem Areal der Lagune befand sich jedoch eine weitere Höhle, welche wir noch zuletzt besichtigen. In einem Raum mit bestimmt 50 Metern Deckenhöhe lag eine Buddhastatue – sehr beeindruckend auf jeden Fall! Danach war für mich – aber auch für Conni der Bedarf an Höhlenbesichtigungen völlig erschöpft. Der Abend brach an und da wir uns noch außerhalb der Stadt befanden, beschlossen wir uns spontan den Sonnenuntergang zu genießen. In einem kleinen Bistro am Rand der staubigen Piste, hatten wir einen kleinen Tisch und sahen am Horizont die rote Sonne hinter den mit Dschungel bewaldeten Bergen versinken – einfach ein traumhafter Moment für uns zwei und ein toller Abschluss dieses sehr ereignisreichen Tages.

Am nächsten Tag ging es dann nach Vientiane – und wie sollte es anders sein, fuhren wir wieder in einem Minibus, gesteuert von einem wahnsinnigen Fahrer! Die laotischen Minibusfahrer werden wir sicher nicht vermissen, die wunderschönen Sonnenuntergänge in der unberührten Natur hingegen ganz bestimmt!