16Dezember
2019

Einen Orientierungssinn zum umtauschen, bitte…

Nanjing – der letzte Ort meiner China-Reise. Ohne besonders viele Erwartungen kam  ich nach der Zugfahrt in dem Mark Young Hostel an. Dachte ich vorher noch, dass ich vieles schon gesehen habe wurde ich dort eines Besserem belehrt. Die detailreiche Dekoration  und die Einrichtung entsprachen den Bildern bei trip.com, doch was dort geflissentlich außer Acht gelassen wurde war, dass die Betten im Gemeinschaftsraum waren. Doch war das nicht genug wurden abends auf einer freien Fläche noch Matratzen ausgelegt und in einer Ecke im Raum Zelte aufgebaut. Das Ganze hatte eher etwas von einer riesigen „Sleepover Party“, als von einem Hostel Schlafsaal. Doch unerwarteter Weise war es von 24:00 bis ca. 9:00 wirklich sehr leise, sodass ich besser schlief als in den Nächten zuvor. Auch der unfassbar kitschige Weihnachtsmann mit einem Tannenbaum und die Merry Christmas Schilder überall sorgten für ein lustiges Bild. Hier war wenigstens mal zu merken (wenn auch in einer unterschiedlichen Art und Weise), dass Weihnachten bald vor der Tür steht. Sonst handelte es sich bei meiner Ecke um den Rockstar Bereich während ein weiterer Bereich die Charakterzüge eines Baumhauses annahmen. Trotz der doch geringen Privatsphäre hat es das Hostel durch die offene Atmosphäre und einem gemeinsamen UNO-Abend geschafft, mich von sich zu überzeugen. Solltet ihr mal in Nanjing ein Hostel suchen – Das Mark Young Hostel ist eine gute Wahl smile. War der erste Schock verdaut machte ich mich noch auf in die Stadt um in den letzten paar Stunden des Tages noch daran etwas Neues zu erkunden. Also fuhr ich in die Ecke die mein Lonely Planet als Kartenausschnitt der Stadt zeigte. Doch besonders außergewöhnlich fand ich diesen Teil der Stadt nicht. Eine asiatische Großstadt wie ich Sie inzwischen gewöhnt war. Alleinig die ungewöhnlich hohe Anzahl an Bäumen in der Stadt fand ich besonders ansprechend. Nach einiger Zeit des Herumirrens bin ich dann zu der Stadtmauer von Nanjing gelangt. Eine Stunde später nach einem Spaziergang auf der Mauer entlang des Xuanwu Sees, bin ich vor der Kälte zurück ins Hostel geflüchtet.

Der nächste Tag revidierte meine Ansicht von Nanjing vollkommen. Voller neuer Motivation startete ich in den Tag und nach einem Kaffee und einem Reiskuchen ging es  mit dem Bus zum Sun Yat-Sen Mausoleum. Angekommen fielen mir erst einmal die Massen an Touristen auf, die ich aufgrund der Nebensaison, nicht gewöhnt war. Jaja ich weiß, ich bin dahingegen wirklich sehr verwöhnt worden in den letzten Wochen… In einer Karawane ging es dann zum Eingang wo ich herausfand, dass man sich ein Ticket reservieren musste. Also hieß es dann zurück Marsch Marsch. Ein Ticket wurde reserviert und nach Eintritt besorgte ich mir einen englischen Audioguide welcher mich auf meiner Tour begleiten und über die historischen Hintergründe informieren sollte. Sun Yat-sen war Revolutionspionier der chinesischen bürgerlich-demokratischen Revolution, Gründer der Republik China sowie Initiator der "Drei Prinzipien des Volkes“ (Prinzip der Volksgemeinschaft, Prinzip der Volksrechte und das  Prinzip der Volkswohlfahrt). Das Sun-Yat-sen-Mausoleum ist das Grabmal für Sun Yat-Sen, dessen Leichnam hier in einem verschlossenen Sarg liegt. Da es, auch nach dem Besuch des Sun Yat-Sen Memorials noch relativ früh war machte ich mich auf dem Weg zur Linggue Scenic Area. Bzw. wollte ich mich auf den Weg machen. Voller Elan und guter Dinge den spannenden Besuch fortzuführen machte ich mich auf den Weg und entschied mich den Schildern zu folgen anstelle meines Google Maps. Dachte ich mir doch, dass die Leute die die Schilder gesetzt haben, doch den Weg besser wussten als so mancher Programmierer. Was ich jedoch nicht einkalkuliert hatte war, dass nach einiger Zeit urplötzlich keine Schilder mehr auftauchten. Da auch mein Orientierungssinn alles andere als hilfreich ist, irrte ich 1,5 Stunden im Kreis bis ich irgendwann wieder am Mausoleum angekommen war, wo ja auch meine Reise zur anderen Scenic Area begonnen hatte. Lieber Gott: Im nächsten Leben hätte ich gerne einen besseren Orientierungssinn! Doch ließ ich mich davon nicht aus der Fassung bringen und machte mich auf zum nächsten Stopp auf meiner Agenda: Das  Ming Xiaoling Mausoleum.  Dabei handelt es sich um das Grab des Kaisers Hongwu, des Begründers der Ming-Dynastie, und seiner Gattin Ma. Auch zu diesem Ort machte ich aufgrund mangelnden Orientierungssinns und einer unfassbar schlechten Beschilderung einen einstündigen Umweg doch irgendwann hatte ich dann auch das Ziel erreicht. Besonders beeindruckend war das Grabmal  ehrlich gesagt nicht, weshalb ich mich auf den Weg zurück in die Stadt machte. Ein Zwischenstopp wurde im Hostel eingelegt, denn der Akku meines Handys, mein lebensnotwendiger Begleiter in China, reduzierte sich drastisch und ich war mir sicher, dass er den Rest des Tages nicht mehr überleben würde.

Nach Studium meines Lonely Planets ging es zum Zhonghua Gate dem Nordtor von Nanjing. Angekommen stellte es sich doch heraus, dass dies auch noch ein Teil der Mauer war, welche ich am vorherigen Tag besucht hatte. Somit entschied ich  mir die Zeit zu sparen und mich lieber auf den Weg zum Konfuzius Tempel zu machen. Dieser war wirklich sehr schön angeleuchtet und die Lage war mitten in der Stadt. Somit konnte ich den Besuch des Tempels mit einer Besichtigung der Stadt verbinden. War der Tempel schön angeleuchtet gab es in der Stadt eine Menge zu Essen und ein Food Court folgte dem Nächsten. Einige kleine Gässchen mit Lichterketten und Windspielen waren auch zu finden. Das werde ich wirklich vermissen: Chinesische Altstädte die bis ins kleinste Detail dekoriert und einfach wunderschön anzusehen sind. So etwas habe ich innerhalb Europas noch nicht gesehen. Müde ging es zurück zum Hostel und ich war wirklich traurig, dass mein Flieger am nächsten Tag mit mir abheben sollte. So viel gab es noch in Nanjing zu entdecken, für diese Stadt hatte ich eindeutig zu wenig Zeit eingeplant. Also kleiner Tipp von mir: Plant bei eurem zukünftigen Besuch drei volle Tage ein. Vieles kann man in dieser Stadt unternehmen, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. 

Jetzt sitze ich auch schon wieder im Flieger und die 3,5 Wochen meiner China-Reise sind vorbei. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten war es wirklich eine wundervolle Reise. Aufgrund meiner Landeswahl (sind ausländische Touristen in China wirklich schwer zu finden und die englische Sprache nicht weit verbreitet) und der Tatsache, dass ich in der Nebensaison unterwegs war, musste ich erst einmal wieder lernen mit mir und meinen Gedanken alleine zu sein. Doch dadurch habe ich durch meine Reise neben einigen Fakten der chinesischen Kultur auch sehr viel über mich selber gelernt. Das ich diese Reise machen konnte, dafür bin ich unfassbar dankbar und ich würde es jederzeit (fast) genauso wiederholen (Aufgrund der Höhenlage würde ich das nächste Mal vorbereiteter Shangri-La besuchen laughing). Doch jedes Ende bedeutet auch ein Anfang und ich freue mich schon nach einer weiteren Woche Uni in Guangzhou auf meine Reise mit Keno durch Südostasien. Natürlich ist es viel schöner die  ganzen neuen Eindrücke, die man während so einer Reise erlebt, teilen zu können. Das ich das mit meinem Partner erleben darf ist einfach nur Perfekt. Auch werdet ihr dann wieder in Genuss von Kenos Schreibkünsten kommen, an welchem laut meiner Oma ein Schriftsteller verloren gegangen ist. Falls ich mich vorher nicht mehr melde wünsche ich euch allen eine wunderschöne, frohe und besinnliche Weihnachtszeit! In diesem Sinne: Merry Christmas!