15Januar
2020

Neues Land neue Abenteuer

Wieder lädt eine Busfahrt (diesmal sitzend = große Freude!) dazu ein, einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Jetzt sind wir in Kambodscha und haben bereits sehr viel zu sehen bekommen! 

Zur Wahrung einer chronologischen Erzählweise, bedarf es nun den Sprung drei Tage zurück. Mein erfolgreicher Besuch beim Kieferorthopäden, wo meine „Bezahlung“ aus einem vernachlässigbaren Unkostenbeitrag und gemeinsamen Fotos mit der Belegschaft bestand (die Fotos wurden von der Praxis bereits auf der Facebook Fanpage veröffentlicht – ich bin jetzt offiziell Testimonial einer vietnamesischen Zahnarzt- und Kieferorthopädiepraxis) galt es für Conni und mir Can Tho zu verlassen. Unser nächster und letzter Halt in Vietnam sollte Chau Doc sein. Dieser Ort ist Durchlaufstation, um dann wie von Conni im letzten Blogeintrag beschrieben, mit dem Speedboot weiter nach Kambodscha zu fahren. Bezüglich Chau Doc hatten wir keinerlei Erwartungen, jedoch wurden wir für die eine Nacht die wir dort verbringen wollten mit einem wirklich guten Hotel positiv überrascht. Mit Kennerblick stellte ich zu der Ausstattung und dem Interieur des Hotels große Parallelen zum deutschen Holiday Inn Express Standard fest, was unsere Erwartungen an diese Station übertraf. Und auch unser letzten Abendessen in Vietnam war eine Wonne: auf einer Terrasse direkt am Mekong River gab es für uns einen herrlichen Hot-Pot begleitet von Cocktails und zum Abschluss einem guten Ricard Pastis (dieser ist sehr verbreitet – eine der positiven Folgen der französischen Kolonialzeit in Vietnam;)).

Am nächsten Tag war es dann soweit: Wir fuhren nach Kambodscha. Über unser Hotel hatten wir am Vorabend bereits die Speedboottickets gebucht. Unser Rezeptionist hatte uns mitgeteilt, dass auch der Transfer zum Port inklusive sei. Was sich unseren schlaftrunkenen Augen am nächsten morgen um 6.45 Uhr (dramatisch früh!) bot, war jedoch ein dreirädriges Fahrrad mit einer hölzernen Sitzbank hinter dem Sattel des Fahrers. Unsere Bemühungen den alten, hageren Fahrradchauffeur dazu zu bringen nur das Gepäck zu befördern und uns laufen zu lassen wurden abgewiesen und so sassen wir müde auf der wahnsinnig engen und wackeligen Rikscha und wurden durch das gerade erwachende Chau Doc kutschiert. Müde und verschämt nach unserer unfreiwilligen Rikschafahrt erreichten wir den Hafen. Nachdem der Fahrer sein wohlverdientes Trinkgeld erhalten hatte betraten wir das schnittige Speedboot und kurz darauf düsten wir los. Wir folgten den Lauf des Mekong Flusses und an der Grenze zu Kambodscha wurde an einer Polizeistation auf einem Ponton festgemacht. Der Kapitän und der begleitende Guide kümmerten sich um die Pass Formalitäten und wir setzten unsere Fahrt fort, nur um 3 Minuten später auf kambodschanischen Staatsgebiet anzulegen und dort die Einreiseformalitäten zu erledigen. Als wir das Schiff verliessen, traf meine wohlplatzierte Pointe „Hier siehts direkt ganz anders aus“, bei Conni nur auf ein müdes lächeln. Ähnlich ermüdend wie mein Humor sollte sich das Einreisprozedere heraustellen. Dieses wurde überwiegend auch von der Schiffscrew erledigt, jedoch mussten bei den uniformierten Beamten noch Fingerabrdücke und ein Foto abgegeben werden. Dies sollte für alle Reisenden über eine Stunde dauern. Nachdem unsere Pässe den bunten Kambotscha Visums Sticker erhalten hatten ging es jedoch flott weiter mit unserem Speedboot. Nach weiteren 2,5 Stunden Fahrt erreichten wir Phnom Penh. 

Ein Blick aufs Handynavi zeigte uns, dass es vom Anleger zum Hotel nicht allzu weit war, darum schlugen wir die Angebote der aufdringlichen Tuk-Tuk Fahrer aus und stapften durch die stechende Hitze los Richtung Hotel. Und sehr schnell wurde uns klar, dass wir etwas vergleichbares zu Phnomh Penh noch nicht erlebt hatten. Die Stadt zeigte sich von Beginn an sehr anders, als alles was wir zuvor in Vietnam gesehen hatten. Wir erreichten unser Hotel (welches sich als eine Oase der Ruhe in dem irrsinnig chaotischen, bisweilen anarchischen, Phnom Penh herausstellen sollte) parkten unser Gepäck im Zimmer und gingen erstmal eine Kleinigkeit essen. Eine Besonderheit in Kambotscha betrifft die Währung: praktisch alle Geschäfte werden in US-Dollar abgewickelt, die eigene Währung ist hingegen unbeliebt und wird allenfalls als Wechselgeld für Beträge unter 1 USD verwendet. Dies führt bei Ungeübten erstmal zu holprigen Bezahlvorgängen. Hinzu kommt, dass in Kambodscha eine eigene Schrift existiert. Diese Schrift tangiert nicht nur die Buchstaben, sondern auch die Zahlen sehen anders aus als bei uns. Auf den Geldscheinen der eigenen Währung sind ebenfalls diese kambodschanischen Zahlen aufgedruckt und nur sehr klein und versteckt eine „Übersetzung“ mit den uns geläufigen Zahlen – erstmal gewöhnungsbedürftig. Nach der Stärkung ging es dann los: Wir liefen durch die sengende Hitze zum nahegelegenen Palast und der im Gelände liegenden Silberpagode. Unsere kulturelle Ambition wurde jedoch durch die „Palastwache“, einem gelangweilten Mann in einem Häuschen hinter einem völlig wirkungslosen Metalldetektor beendet, als dieser verkündete wir seien zu luftug angezogen und müssten die Knie bedecken um das Gelände zu betreten. Darum entschlossen wir uns um eine Vertagung dieser Programmpunkte und liefen weiter zum Unabhängigkeitsdenkmal. Dort angekommen stellte sich dieses als sehr unspektakulär heraus, da es eigentlich nur eine große Verkehrsinsel war. Geschafft von der Hitze bestellten wir per App ein Grab Tuk-Tuk und für uns folgte die erste gemeinsame Tuk-Tuk Fahrt überhaupt. Abends gingen wir essen und konnten in unserem authentischen Khmer (so nennen sich die Kambodschaner) Restaurant bestaunen wie Nudeln traditionell per Hand hergestellt wurden. Danach tranken wir noch einen Cocktail bei einem bunt erleuchteten Stand am sonst sehr dunklen Straßenrand. Von dort wurden wir Zeugen wie einem alten, westlichen Ehepaar von einem Motorroller aus die Digitalkamera gestohlen wurde. Ein krimineller Akt der in Millisekunden vonstatten ging und für uns beide eine eindringliche Warnung war, in Kambodscha noch mehr auf die Wertgegenstände aufzupassen als zuvor. Uns beide hat der Vorfall beschäftigt, weil wir zuvor die beiden sogar beobachtet hatten und ich bereits durch meinen Kommentar „Schön, dass es auch so alte Individualreisende in diesem Land gibt“ eine Art emotionale Bindung zu den Bestohlenen hergestellt hatte. Für Conni und mir ging der Abend zu Ende und völlig müde – wir waren am Morgen schließlich schon vor 6 Uhr aufgestanden, fielen wir ins Bett. Unser Fazit bis dato zu Phnom Penh: deutlich ärmer als alles was wir in Vietnam gesehen hatten, eine sehr dunkle Stadt (viel weniger Elektrizität, es waren mitten im Zentrum der Millionenstadt viele dunkle Ecken), ein völlig chaotisches Verkehrsaufkommen, so wie man es sich in Indien vorstellt, eine teilweise gesetzlose Mentalität und oftmals eine kollektive Lust- und Planlosigkeit die man einigen Menschen einfach unterstellen musste. Trotz allem: der erste Bettler der uns in Kambodscha ansprach war ein gestrandeter Deutscher Sextourist. Der Tourismus in Kambodscha ist viel weniger ausgeprägt als in Vietnam, ein ganz anderer Tourismus und insbesondere in Phnom Penh wie wir am Folgetag insbesondere feststellten, auch ein sehr spezieller Tourismus. 

Der nächste Tag sollte unser einziger volle Tag in Phnom Penh sein, dementsprechend umfangreich war unsere Agenda. Wir brachen relativ zeitig morgens auf und besuchten den Königspalast und die Silberpagode. Beides sehr beeindruckende, traditionelle Bauwerke die mit ihrem Prunk sehr aus der teilweise sehr offensichtlichen Armut die drumherum herrscht, herausstechen. Nach diesem obligatorischen Sightseeing-Punkt, zog ich mir wieder schnell eine kurze Hose an (bei 34 Grad ein ratsames Unterfangen) und bestellten uns ein Tuk-Tuk mit dem wir ca. 1 Stunde für 5 USD fuhren. Wir fuhren raus aus der Stadt zum Choeung Ek Gedenkzentrum. Hierbei handelt es sich um eines der Killing Fields. In den Killing Fields, welche es in ganz Kambodscha verteilt gab, fanden unter dem steinzeitkommunismus von Pol Pot Massenhinrichtungen statt. Ab 1975 war Choeung Ek einer der Orte wo im Zuge dieses Genozids zehntausende Menschen den Tod fanden. Insgesamt starben unter der Herschafft der Roten Khmer in Kabodscha 3 Millionen Menschen. Kamnodschaner töteten unter einem ideologischen Regime Kambodschaner. Choeung Ek ist das bedeutsamste Gedenkzentrum zu diesem extrem dunklen Kapitel der kambodschanen Geschichte. Ein unvorstellbarer Genozid in der jüngeren Geschichte. Conni und ich waren positiv angetan (wenn man das so sagen kann) von der würdevollen und erinnerungskulturell gelungenen Gedenkstätte. Es gab keine touristische Ausschlachtung und einen sehr hochwertigen mehrsprachigen Audioguide, der kurz und dennoch eindringlich die Geschehnisse dieser Zeit darstellte. In einer großen zentralen Gedenkstupa, liegen in Vitrinen zehntausende Schädel der Toten des Choeung Ek Killing Fields. Dies ist der zentrale Punkt dieser ehemaligen Massengräber. Conni und ich fanden den respektvollen Umgang mit dieser Tragödie löblich. In Vietnam hatten wir uns beispielsweise gegen den Besuch der Tunnel von Cu Chi entschieden (und stattdessen das Kriegsmuseum in Ho Chi Minh City besucht), wo viele Tausend bei dem Vietnamkrieg ihr Leben liessen, nachdem wir zuvor in Rezensionen von der makabren Inszenierung die dort für Touristen geboten wird, gelesen hatten. So gibt es dort eine Shooting Range, wo man selber mit den Waffen aus der damaligen Zeit schiessen darf und es können „lustige“ Fotos in den Schachteingängen geschossen werden. Im guten Widerspruch dazu stand die Erinnerungskultur bei der Gedenkstätte bei Phnom Penh. 

Nach diesem nachdenklich stimmenden Besuch fuhren wir zurück ins Stadtzentrum von Phnom Penh. Mittlerweile war der Nachmittag stark vorangeschritten und liefen noch ein wenig durch die Staßen der Innenstadt um das dortige Chaos auf uns wirken zu lassen. Dabei stellten wir auch, wie bereits erwähnt, einen relativ präsenten Sextourismus fest – was sich in die Präsenz einer eher speziellen Touristenklientel manifestierte (Stereotypisch weiße, alte, grimmige, eher ungepflegte, birnenförmige Männer). 

Heute setzten wir diesen Stadtrundgang fort, besuchten noch die Markthalle mit französischer post-kolonialer Architektur und Wat Phnom, eine schöne Pagode. Vor ein paar Stunden fuhr dann unser Bus los, welchen wir mit zwei Gedanken bordeten: 1. Wir haben in sehr kurzer Zeit wahnsinnig viel – und unser Meinung nach alles relevante – von Phnom Penh gesehen. 2. Wir freuen uns beide sehr auf die Natur. Die heiße und chaotische Stadt war zugegebenermaßen doch relativ anstrengend, jedoch auch super sehenswert. Jetzt freuen wir uns auf den Luftwechsel und die Strände von Kep! Sofern kein Sand vom Strand die Tastatur verklemmt, wird von dort der nächste Blogeintrag folgen :).