10Januar
2020

Sonne, Strand und Sprudelwasser

Erneut lädt eine Fahrt im Schlafbus (wieder mal am helllichten Tage – es bleibt ein Geheimnis der Vietnamesen, warum man nicht einfach normale Sitzbusse benutzt, sondern die Touristen mit den grässlichen Schlafbussen quält und demütigt) dazu ein, die letzten Tage Revue passieren zu lassen und einen Blogeintrag zu verfassen. Conni liegt neben mir in der Liege (dieses Mal im zweiten Stock des Busses, wo es besonders schauklig und unbequem ist) und hat sich soeben mit dem Schicksal abgefunden, die Fahrt liegend verbringen zu müssen, da ihre Rückenlehne defekt ist. Heute geht es wieder nach Ho Chi Minh City, was erstmal einfallslos klingt, da wir von dort aus auch nach Mui Ne gestartet sind. Jedoch werden wir abends ankommen, nur eine Nacht in Saigon verbringen und dann morgen in der Frühe weiter nach Can Tho, der größten Stadt im Mekong Delta, ganz im Süden von Vietnam, fahren. So vermeiden wir eine schlaflose Nacht im Schlafbus und kommen morgen Mittag ganz entspannt in Can Tho an. Mittelfristig wollen wir dann vom Mekong Delta über dem Wasserweg nach Kambodscha reisen. Nun gilt es aber erstmal die vergangenen 5 (Sonnen-)Tage in Mui Ne zu reflektieren.  

Nach unserer letzten Busfahrt, aus Saigon kommend, kamen wir abends an unserem Homestay an. Dort erhielten wir einen Bungalow für die nächsten zwei Nächte. Unser erster Eindruck von Mui Ne war eher zwiespältig. Die örtlichen Touristen kommen zum allergrößten Teil aus Asien und Russland. Der Anteil an Russen ist so hoch, dass die meisten Restaurants und Läden Anschläge auf kyrillisch haben und überall russische Übersetzungen zu lesen waren. Überhaupt stellten wir schnell fest, in einer absoluten Touristenhochburg gelandet zu sein, wenn auch in der Nebensaison. Mui Ne liegt an der Küste des südchinesischen Meers (dem Pazifik). Der ursprüngliche Ort liegt auf einer Landzunge (hier wohnen vor allem die Einheimischen wie wir am nächsten Tag herausfanden) und die Touristen tummeln sich an einigen Kilometern entlang der Küste. Dort kann man den Aufbau des Ortes am besten vom Wasser aus beschreiben: zuerst kommt der Strand, dann Hotels und Resorts, dann auf deren Vorderseite die Strasse und dann auf der anderen Straßenseite wieder Restaurants, Läden und einfachere Unterkünfte ohne Strandzugang. So zieht sich der Ort über viele Kilometer entlang der Küste. Der örtliche Tourismus zeigte sich in verschiedenen Ausprägungen: die Küche war sehr international – so gab es einige indische Restaurants, Pizzerien, Burgerbuden, aber auch  eine „Schweizer Hütte“ und ein deutsches Restaurant namens „Ratinger Löwe“. Nach einer kurzen Recherche stellten wir fest, dass die kulinarische Situation vor Ort etwas schwieriger war, als an den Orten zuvor, insbesondere was die Omnipräsenz guter vietnamesischer Küche anging. So landeten wir schliesslich bei einem indischen Restaurant. Nach einem scharfen Chicken Tikka Massala (bei mir von permanenten, schärfebedingten Schluckauf begleitet) zog es uns dann an den Strand. Dort wurde uns dann (trotz der nächtlichen Dunkelheit) der Reiz von Mui Ne deutlich. Wir wanderten am Strand entlang, tranken schließlich direkt an der Küste noch ein paar Biere als Schlummertrunk, konnten dabei die Wellen hören und den Ausblick auf die Palmen genießen. 

Am nächsten Tag starteten wir mit dem üblichen Entdecker-Spirit und liehen uns in unserer Unterkunft einen Roller für den Tag. Bei sehr warmen Temperaturen von bis zu 34 Grad, tat uns der Fahrtwind auf unserem Gefährt sehr gut. Wir düsten Richtung Mui Ne und fuhren durch den ursprünglichen Ort auf eine Landzunge. Dort landeten wir schliesslich am südlichsten Punkt wo wir die Füße ins Wasser streckten. Der Ausblick war zwischendurch einzigartig: Hunderte kleine, kunterbunte Fischerboote liegen im Hafen von Mui Ne verteilt, dazu strahlender Sonnenschein, Palmen und Sandstrände. 

Wir setzten unsere Tour fort und entschlossen uns dazu, die größte Sehenswürdigkeit von Mui Ne anzusteuern: die White Sands Dunes. Conni hatte im Vorfeld bereits viel über eine mögliche Falle auf der Fahrt zu den Dünen erzählt. Die Mui Ne Police Trap, ist das systematische Ausbeuten von Touristen durch korrupte Polizisten, die auf der Strecke zu den Dünen lauern und vermeidliche Verstöße von Rollerfahrern ahnden. Man muss dazu sagen, dass einige Touristen auch durchaus eine Strafe verdient hätten, angesichts der schlechten und gleichzeitig schnittigen Fahrweise (oftmals angetrunken und ohne Helm). Da Conni und ich jedoch nach Studium einschlägiger Blogs bereits wussten was uns auf der Strecke erwarten könnte hatten wir das Portemonnaie tief im Rucksack vergraben und ein paar US-Dollar griffbereit, um diese den Polizisten im Bedarfsfall zustecken zu können. Wir schwangen uns auf den Roller und sausten an der Küste entlang und genossen die traumhafte Aussicht auf einer fast menschenleeren Straße. Conni war angesichts der möglichen Polizeikontrolle etwas nervös, genauso wie meiner vermeintlich rasanten Fahrweise. Weder kam es jedoch zu einer Polizeikontrolle noch war meine Fahrweise zu zügig (Kommentar Conni: Bei der schnittigen Fahrweise handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung, die ich durch meine Kommentare von hinten jedoch deutlich eingedämmt habe). Im Gegenteil, wir genossen die Fahrt durch die herrliche Landschaft und den Fahrtwind der uns um die Nasen wehte. Wir erreichten die White Sands Dunes und ruhten uns nach der Fahrt erstmal in den bereitgestellten Hängematten aus. Danach zogen wir los und stapften durch den wüstenartigen Sand die Dünen empor. Die sengende Hitze knallte hier aufgrund nicht vorhandener Bäume besonders stark auf uns herab. Glücklicherweise hat Conni einen Fetisch für Sonnencreme, sodass wir zu jedem Zeitpunkt bestens eingecremt der Sonne trotzten. Die Dünen waren beeindruckend, jedoch wurde der Eindruck etwas getrübt durch zahlreiche Jeeps und Quads die durch die Dünen heizten. Wir waren jedoch zu einem recht frühen Zeitpunkt am Tage dort, sodass noch relativ wenig los war. Nach einer Stärkung traten wir den Rückweg an und machten dabei einen Abstecher zu den Red Sand Dunes. Eine ganz kleine Dünenformation, diesmal mit rotem Sand. Dort konnte man Plastikbretter ausleihen mit denen man die Dünen herunterrutschen konnte – ein Unterfangen dem Conni mit grosser Freude nachkam. Bei unserer Rückkehr war  es mittlerweile später Nachmittag geworden und wir schafften es gerade noch den Sonnenuntergang am Strand mit einem kühlen Bier in der Hand zu genießen. 

Am nächsten Tag stand ein Umzug in unser nächstes Hotel an. Dieses hatte ich am Vortag  aussondiert und befand sich unmittelbar am Meer (jedoch ohne Strand, was die Betreiber jedoch nicht von dem großspurigen Namenszusatz „Resort“ abhielt). Nach dem Frühstück und einer anschließenden Partie Tropical Minigolf (Conni gewinnt natürlich…) packten wir unsere Rucksäcke und checkten für 2 Nächte in diesem, nur wenige hundert Meter von unser vorherigen Unterkunft entfernten, Hotel ein. Wir hatten ein nettes Zimmer mit Balkon und  Palmen- und Meerblick und man konnte zu jedem Zeitpunkt die Brandung im Zimmer hören. Nachdem wir den Hotelpool testen zog es uns für den Nachmittag an den Strand. Dort verbrachten wir den restlichen Tag, beobachteten die zahllosen Kitesurfer – ein Sport dem wir uns auch gerne mal widmen wollen – und lasen und genoßen die Sonne in vollen Zügen. Abends gab es Burger für uns und die ein oder andere Youno Partie, wobei ich diese sogar für mich entscheiden konnte. Der nächste Tag, unser letzter voller Tag in Mui Ne, ist schnell erzählt: Frühstück, Strand, Füße hoch, Mittagssnack, Strand, Füße hoch, Abendessen. Das Abendessen war für Conni eine besondere Wohltat, denn es gab eine wirklich gute Pizza und sogar Sprudelwasser. Beides kulinarische Perlen, auf die sie während der China-Zeit verzichten musste. Derart gestärkt und erholt ging es wieder ins Resort.

Heute haben wir vormittags noch den „Fairy Stream“ mit dem Motorroller angesteuert. Dabei handelt es sich um ein Flüsschen/ Rinnsal, durch welches die Besucher waten können und dabei spannende Felsformationen bestaunen können. Ein wirklich schönes und besuchenswertes Ziel in der Natur. Unser Glück war, dass wir sehr früh am Tag dort waren und so von großen Menschenmassen verschont wurden. Nun sitzen wir wieder im Schlafbus um dann in ca. 3 Stunden in Saigon anzukommen und dann unsere Reise wie eingangs beschrieben fortzusetzen. Wir sind sehr gespannt, was uns dann am Mekong Delta erwartet!