26Februar
2020

Unsere malaiische Grenzerfahrung

Völlig unproblematisch erreichten wir Johor Bahru, oder auch JB, wie die Stadt auch leger von den Einheimischen genannt wird, nach ca. 3 Stunden Busfahrt. Nach Ankunft fuhren wir zu unserer Unterkunft. Erneut hatten wir uns für ein Apartment (ähnlich wie in Kuala Lumpur) entschieden. Dieses war auch wieder sehr schön, sauber, groß und für ein paar Tage bestens ausgestattet. Einziger Wermutstropfen war ein bisweilen bestialisch stinkender Duschabfluss (es hätte auch eine Leiche in der Badezimmerwand einbetoniert sein können…) jedoch wurde dies durch den sonstigen Komfort des Apartments und unsere begrenzte Aufenthaltszeit in JB kompensiert. Ausserdem hatte unsere Unterkunft einen Rooftop-Pool im 33. Stock, in welchem man sogar Bahnen schwimmen konnte. Wir nutzen die Infrastruktur unserer Unterkunft um Wäsche zu waschen und unsere Rucksäcke mal wieder grundlegend neu zu sortieren. Es war bereits früher Abend als wir loszogen um einen ersten Eindruck des Ortes zu bekommen. Und wieder zeigte sich: die Malaien lieben Shopping-Malls. Ein Phänomen welches angesichts der irren Temperaturen durchaus nachvollziehbar ist: allein um ein innerstädtisches Schleudern erträglich zu machen, sind die Vorteile von klimatisierten Malls nicht von der Hand zu weisen. Genau wie Muar war Johor Bahru wieder ziemlich muslimisch geprägt, sodass abends der Gesang verschiedener Muezzine durch die Straßen hallte. Auch (optisch als solche erkennbare) Touristen gab es praktisch keine. Wir landeten natürlich alsbald in einer Mall und kauften im Supermarkt Käse, Marmelade, Obst, Kaffee und Saft, denn wir planten (genauso wie wir es in Kuala Lumpur gehandhabt hatten) ein entspanntes Frühstück in den „eigenen vier Wänden“ am nächsten Morgen. In dem Einkaufszentrum aßen wir auch schließlich zu Abend - es gab fantastisches Hot-Pot. 

Am nächsten Morgen sollte dann das Vorhaben des Frühstücks umgesetzt werden. Beschwingt und dynamisch schwang ich mich aus dem Bett um, idealerweise frisches, Brot zu besorgen (Conni freute sich hingegen in gewohnter Manier über die Möglichkeit sich erneut zur Seite drehen zu können). Das Vorhaben des Brotkaufs erwies sich als weniger profan wie es zuerst anmutet. Nach einer Stunde kehrte ich verschwitzt, aber immerhin erfolgreich ins Apartment zurück. Der geneigte Leser mag sich nun fragen: Was ist dazwischen passiert? Die recherchierte Bäckerei hatte geschlossen, der Supermarkt sollte erst um 10 Uhr öffnen, Seven-Eleven hatte ausschließlich bizarre, ekelig synthetische Schoko-Gummi-Brötchen im Sortiment und auch sonst schien das Vorhaben Teigwaren in Johor Bahru (eine Millionenstadt wohlgemerkt) als völlig absurd und utopisch. Die Rettung war eine einfachste Bäckerei namens „Salahuddin“, dessen Eingangsschild, mit Halbmond und Stern versehen, eher an eine von Kinderhand gemalte muslimische Gebetstafel erinnerte. In einem rußgeschwärzten Loch in der Wand brannte noch das Feuer des Ofens und es roch herrlich nach Backwaren. Euphorisiert von dieser Entdeckung kehrte ich zurück - Conni war natürlich schon aufgestanden - und wir machten uns ans Frühstück. Zynischerweise war das von mir erworbene Brot eher mäßiger Natur (jedes Golden Toast hat mehr Geschmack) allerdings hatte wurde mein aufopferungsvoller Einsatz von Conni sehr gutgehießen und das ist in jedem Fall mehr wert als jedes Geschmackserlebnis. Das ich diese Brotkauf-Aktion derart ausführlich und episch beschreibe, liegt an der Tatsache, dass unser Tag in Johor Bahru sonst sehr unspektakulär war und der Ort bis auf wenige Malls und ein paar nette Moscheen wenig zu bieten hat. Der Park am örtlichen Palast (offenbar die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit) hatte, man könnte schon fast von Bösartigkeit sprechen, geschlossen und so verbrachten Conni und ich eine entspannte Zeit im Apartment, ließen uns nachmittags bei einer Thai-Massage verwöhnen und aßen abends ein paar Hong Kong Spezialitäten und frönten uns erneut dem Schachspielen - mir ist bewusst, dass man uns auch demographisch auf Mitte 70 einschätzen kann beim Lesen dieser Zeilen, aber Conni und ich wussten, dass uns in Singapur wieder ein paar „Power-Sightseeing-Tage“ bevorstehen würden, daher waren diese erholsamen Momente sicher nicht unabwegig. Am nächsten Tag sollte es dann in unser letztes Land der Reise gehen: Singapur und die Vorfreude war natürlich riesig!