21Januar
2020

Von der Traufe ins Paradies

Nach einer diesmal nicht so langen Reise mit der Khmer-Rikscha erreichten wir unsere gebuchte Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Begrüßt wurden wir von zwei Hunden mit denen sogar ich im Laufe der Zeit warm wurde und der eine sogar eine Streicheleinheit bekam. Im Gegensatz zu den Hunden waren wir von den französischen Gastgebern kein bisschen begeistert. Sie kümmerten sich um nichts, waren außerordentlich ungepflegt und verbrachten ihre ganze Zeit Ricard und Bier trinkend an der Theke mit einem Joint in der Hand. Genau diese Attitude spiegelte sich auch in der Unterkunft wieder. Hatten wir aufgrund wundervoller Bilder bei booking.com und top Bewertungen wirklich relativ hohe Erwartungen, wurden wir nach Ankunft enttäuscht. Es war ziemlich dreckig, das Bungalow-Zelt war schimmelig und weder ein Safe noch ein Schloss für die Tür waren vorhanden. Auch die Lage am Salzfeld hatten wir beide uns schöner vorgestellt. Doch die Müdigkeit übermannte uns nach der Ankunft und da wir aufgrund der abgeschiedenen Lage keine anderen Option hatten entschieden wir beide uns einen Burger zu essen, welcher auch wirklich lecker war. Nach zwei Bier und einigen Runden Youno (ich führe übrigens immer noch :D ) fielen Keno und ich müde nach einem sehr ereignisreichen Tag, welchen Keno ja bereits im vorherigen Blog beschrieben hat, ins Bett.

Auch der nächste Tag sollte ein rollerreicher Tag werden. Unser Ziel: der Preah Monivong Nationalpark. Dieser liegt ca. 20 km entfernt durch Kampot, im Süden Kambodschas und , so lasen wir, ist bekannt für seine reine und einzigartige Natur. Wie auch unsere Gastgeber und die Unterkunft war auch der Roller von keiner außerordentlich guten Qualität. Somit war bei mir die Stimmung hinten auf dem Roller relativ angespannt, was die Fahrt zum Bokor Hill Nationalpark etwas unentspannt machte. Nebenbei erwähnt ist Keno wirklich ein sehr guter Fahrer, auch wenn manchmal der kleine Junge rauskommt und das Gaspedal, meiner Meinung nach, ein wenig mehr gedrückt wird als es gedrückt werden muss. Unsere Erwartungen an den Nationalpark waren eine tolle Natur und eine Wanderung dessen anschließendes Ziel der Popovil Wasserfall sein sollte. Doch wie so häufig trafen unsere Erwartungen nicht ein. Mit dem Motorrad erreichten wir das Eingangstor schneller als erwartet und wir brausten noch ca. weitere 20 km über eine sehr gut erhaltene und fast menschenleere Straße, welche wir uns auch in Deutschland häufig wünschen, durch die Natur. Von Wanderwegen war weit und breit nichts zu sehen. Überrascht stiegen wir am Ziel, welches uns das Navi vorgab, von unserem Motorrad und standen vor einem Restaurant welches Brasilien BBQ anbot und eine chinesische Atmosphäre versprühte. Der Doller Eintritt (für uns Beide) inkl. 2 Wasser wurde gezahlt und wir sahen nach 20 Metern (das zum Thema Wanderung) ein ausgetrocknetes Flussbett. Das hätte man sich außerhalb der Regenzeit vielleicht auch denken können… Angetan von der wirklich mysteriösen Atmosphäre des Ortes stiegen wir erneut auf den Roller und fuhren über menschenleere Straßen zur Bokor Hill Station. Vorbei kamen wir dabei an den 100 Rice Fields. Dabei handelte es sich nur um eine ausgedörrte Fläche auf welcher Touristen Steintürme bauen. Dieser Ort stellte aufgrund seiner Atmosphäre und Verlassenheit einen sehr guten Foto Spot dar, bei welchem wir lustige Fotos schossen und auch ich meine ersten Meter auf unserem Geschoss fuhr. Doch nicht gerade traurig überließ ich Keno den Lenker und nach ca. 10 Minuten Fahrt erreichten wir die Station. Bokor Hill Station ist ein verlassener Ort und besitzt das Image einer Geisterstadt. Seit 2018 wird die Gegend dort renoviert und als Hotel geführt. Generell begegneten uns auf dem Weg sehr viele Baustellen, manche sahen aus als seien sie in Betrieb wohingegen andere aussahen als seien sie verlassen worden. Wir fragten uns: Welche Vision wird dort wohl verfolgt?!? Verwirrt sind wir darüber immer noch, denn welche Touristen diese Riesenkomplexe füllen sollen ist uns weiterhin noch sehr unklar. Zurück zum Bokor Hill. Der mystische Tempel und auch die Kirche aus der Französischen Kolonialzeit in der Nähe wurde noch ein Besuch abgestattet. Wohnten in dem buddhistischen Tempel noch Mönche, war die Kirche eine Ruine und den Figuren in der Krippe, welche sich noch im Innenraum befand, wurden entweder das Gesicht entnommen oder der Kopf abgehackt. Wir konnten aufgrund der totalen Abgeschiedenheit verstehen warum dieser Ort während der vietnamesischen Invasion 1979 von den Roten Khmer als Versteck genutzt wurde und  in den 1990er Jahren noch eine der letzten Hochburgen war. Unsere Mägen meldeten sich inzwischen und aufgrund fehlender Optionen vor Ort machten wir uns auf den Rückweg. An einer Art Autobahnraststätte noch innerhalb des Parks, machten wir Halt und unsere Mägen konnten mit Fried Rice und Fried Nudels gefüllt werden. Vor Ort konnten wir ein Zwischenfazit ziehen: Zwar erwarteten uns keine schönen Wanderwege doch war der Ort aufgrund seiner mystischen aber auch wirklich verwirrenden Atmosphäre einzigartig und höchst sehenswert. Wir haben den Ausflug und die Fahrt durch eine traumhafte und dschungelartige Natur sehr genossen und können zum Bokor Hill sagen: Es handelt sich unserer Meinung nach um den Perfekten Ort um einen Horrorfilm zu drehen. 

Halt machten wir nach ca. einstündiger Fahrt in Kampot selber. War der Ort mit einer Mischung aus französischer und asiatischer Architektur, seinen bunten Häusern und den Cafés wirklich sehenswert, gefiel uns das Publikum vor Ort leider überhaupt nicht. Viele alte Männer die offensichtlich darauf warteten, dass der Abend eintritt und sie ihren Gelüsten nachkommen können. Doch unsere Kaffeesucht sorgte dafür, dass wir uns in einem Café niederließen und bei einem Eiskaffee Billard spielten. Beide sind wir keine guten Spieler, trotzdem kam der Spaß dabei nicht zu kurz. Auch schmiedeten wir beide Pläne, was wir mit unserem Abend anfangen wollen. Von unseren Gasteltern (der einzige hilfreiche Tipp) haben wir die Empfehlung bekommen zum Greenhouse zu fahren, dort Kajak zu fahren und Abend zu essen. Nach einen Blick auf TripAdvisor und dessen guter Bewertungen entschieden wir uns auf die 20 minütige Fahrt zu begeben. Bereut haben wir es nicht: Auf der Fahrt dorthin ging es durchs ursprüngliche Kambodscha und wir genossen es uns den Fahrtwind um die Ohren wehen zu lassen. Auch das Greenhouse an sich zog uns direkt in den Bann. Gelegen war es an einem breiten Fluss und die Natur drumherum war wunderschön. Auch das Personal war sehr freundlich und unser 3 Gänge Menü für 15 Euro einfach unfassbar lecker. Wir waren dabei so angetan, dass wir von unserer bisherigen Planung absahen und für die darauffolgenden 2 Nächte dort einen kleinen Bungalow mieteten. 

So kam es, dass wir noch eine Nacht in unserem Zelt schliefen und am nächsten Tag mit der Khmer-Rikscha zum Greenhouse zurückkehrten. Was für eine perfekte Entscheidung: die nächsten 2 Tage verliefen wie im Paradies. Das Essen einfach unbeschreiblich gut, das Personal freundlich und unser Bungalow sehr gemütlich. Kein Wunsch blieb bei uns beiden offen. Den ersten Tag nutzten wir um im Fluss baden zu gehen und Keno und ich aktivierten unsere Motivation und schwammen von der einen Seite des Kampot River zur Anderen. Eine sportliche Betätigung die wir Beide etwas vermisst hatten. Sportlich ging es an diesem Tage auch weiter. Für eine Stunde mieteten wir uns ein Kajak und machten eine kleine Tour durch die Mangroven. Traumhaft schön, was dadurch nochmal verstärkt wurde, dass weit und breit keine Menschenseele zu sehen war. Diese sportliche Betätigung musste unser Körper erstmal verkraften und somit wurde die restliche Zeit lesend in einer Hängematte verbracht. Auch der nächste Tag sollte sportlich vonstatten gehen. Wir liehen uns zwei Stand-up paddle boards und wir beide sollten zum ersten mal uns mit diesem Geschoss aufs Wasser begeben. Keno bewies eindeutig mehr Geschick als ich, mein Koordinationssinn machte das ganze für mich doch ein wenig zu einer Herausforderung. Doch ein gutes Stück kamen wir voran, bis die Kinder aus uns beiden herauskamen und wir uns gegenseitig ins Wasser stießen. Nach einigen misslungenen Versuchen von Keno das Board wieder zu besteigen, kringelte ich mich bereits mit lautem Lachen auf meinem Board, welches ich zuvor erfolgreich bestiegen hatte. Doch es stellte sich heraus, dass Kenos Board eine Macke hatte und voller Wasser lief und somit das Besteigen unmöglich war: Unser Ausflug nahm somit die Wendung von einem harmonischen (vom Wasser stoßen abgesehen) Ausflug zu einer Teambuilding Maßnahme. Zuerst versuchten wir beide auf einem Board zu fahren, dies schlug jedoch fehl und wir fanden die optimale Möglichkeit, dass einer schwimmend neben dem Board und der andere paddelnd den Weg zurücklegte. Nachdem meine Kondition beim Schwimmen relativ schnell versagte bewies sich Keno als großer Held und Schwamm die gewaltige Strecke bis zum Greenhouse. Völlig fertig kamen wir dort an und ich entschloss mich mir eine Massage direkt am Fluss zu gönnen. Die perfekt gelegenen Massagehüttchen waren uns bereits wohlwollend in den letzten Tagen aufgefallen. Mit einem Boot wurde ich von einem sehr gutaussehenden Mann (das musste sogar Keno eingestehen), welcher auch im Traumschiff arbeiten konnte, abgeholt und nach einem Fußbad wurde ich ins Hüttchen geführt. Mich erwartete ein traumhaftes Erlebnis und nach 90 Minuten saß ich mit einem Ingwertee gestärkt wieder im Boot und wurde von Keno in Empfang genommen. Der Tag wurde sehr entspannt zu Ende gebracht und nach einem kleinen Ausflug nach Kampot lagen wir im Bett und sagten diesem wunderschönen Tag eine Gute Nacht. 

Am nächste Tag verabschiedeten wir uns nach einer erneuten Schwimmrunde schweren Herzens vom Greenhouse und stiegen in Kompot in einen Minivan, welcher uns zuerst nach Sihanoukville brachte und wir dann zwei Stunden später das Speatboat nach Koh Rong Salomoen nahmen. Beide Fahrten wurden wir von Rennfahrern herumkutschiert: Formel 1 und ein Speadboatrennen ist nichts dagegen. Mit über 80 km/h brausten wir über das Wasser und anstelle der 2 stündigen (wie im Internet angekündigt) Fahrt betraten wir nach 35 Minuten überglücklich die Insel. Hier werden wir nun die nächsten 5 Tage verbringen, denn wir beide haben uns entschieden vor Ort einen Tauchschein zu machen. Wir sind voller Vorfreude und ganz gespannt. Morgen geht es los und ihr könnt gespannt sein: Wir werden berichten! :)