22Oktober
2019

Wie man sich einen schweren Abschied leicht machen kann!

Die Bayun Mountains entpuppten sich als ein riesiges, weitgehend naturbelassenes Areal inmitten von Guangzhou. Trotz der vielen grünen Natur, lassen sich es die Chinesen nicht nehmen einem solchen Gebiet einen Hauch von Freizeitparkcharackter einzuhauchen. Bei Ankunft an den Bayun Mountains entschieden wir uns gegen die Komfortlösung in Form einer Seilbahn, sondern für den sportlichen, fussläufigen Ansatz, um in die Berge zu kommen. Alle Wege sind gepflastert und über viele Treppen  konnten wir immer weiter Höhe gewinnen. Trotz bester Infrastruktur (alle paar Hundert Meter gab es Kioske oder Restaurants) war der Aufstieg ganz schön anstrengend, belohnt wurden wir allerdings mit tollen Aussichten auf die Stadt. Nachmittags kehrten wir ein und genossen unser Essen einige hundert Meter über den Dächern der Stadt, bei bestem Wetter und herrlicher Aussicht. Derart kulinarisch gestärkt ging unsere Tour durch den Park weiter. Uns war direkt von vornherein bewusst, dass man nur einen Bruchteil des Parks und der Highlights darin an diesem Nachmittag zu sehen bekommen würde. Ein ganz besonderer Höhepunkt stand aber  noch auf unserer Agenda: die Bayun Mountains Zip-Line. Nach Connis Erzählungen hatte ich eine harmlose Seilbahn zum Einklinken vorm inneren Auge. Meine Imagination belief sich auf eine Größenordnung ungefähr auf Kinderspielplatz-Seilbahn Niveau. Beim Erreichen der Bergstation der Zip-Line und Betrachten des tatsächlichen Ausmaß wurden dann doch die Handflächen feucht (betont lässig habe ich mir natürlich nichts anmerken lassen). Mehrere Hundert Meter saust man an dem Seil entlang über verschiedene Täler, der Abstand zum Boden zwischendurch sicherlich über 200 Meter. Krampfhaft selbstbewusst (Conni war derart Feuer  und Flamme, dass eine andere Reaktion für mich nicht in Frage kam) bekundete ich meine Vorfreude auf den nahenden Adrenalinkick. Bei der Kasse ignorierte ich geflissentlich den Sicherheitshinweis, dass die Anlage für Personen von maximal 1,85 Meter Körpergröße zugelassen war. Die Betreiber der Anlage versuchten jedoch zu suggerieren das Sicherheit bei diesem Unterfangen durchaus eine Rolle spielt und so mussten sich alle Teilnehmer auf einer Waage einer Gewichtskontrolle unterziehen. Dann ging es los. Das Sicherungsgeschirr wurde angelegt und nacheinander wurden die Teilnehmer in das Stahlseil eingeklinkt und auf die Reise geschickt. Kritisch observierte ich jeden Handgriff des Sicherungspersonals und war eifrig darum bemüht mir selber im Geiste meine aufkommenden Zweifel auszureden. Gegenüber Conni versuchte ich mich mit lässigem Zynismus zu profilieren (selbst bei meiner unerschrockenen Freundin sollte sich eine gewisse Aufregung einstellen). Ich dachte noch an die wenig vertrauenserweckende Bauqualität  unseres Hotels in Longji und stellte mir gerade die Frage, warum die Zip-Line baulich solider sein sollte, als ich auch schon in das Seil eingeklinkt wurde. Aufgrund dessen, dass diese Zeilen entstanden sind, kann sich der Leser den positiven Ausgang dieses Adrenalinkicks denken. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht über die Täler zu rauschen und mit einem dümmlichen Dauergrinsen konnte ich Conni danach absolut Recht geben: es war wie von ihr die ganze Zeit artikuliert „richtig cool“! Wie so oft hatte Conni wieder Recht!

Die Abenddämmerung setzte ein und als es dunkel wurde besuchten wir noch eine Art Lichterpark in dem Bayun Mountain Areal. Dort war es über alle Maßen kitschig, aber dennoch schön. In dem Park wurde mit großen leuchtenden Skulpturen 70 Jahre China gefeiert und mit stereotypen Szenen (Pandas durften natürlich nicht fehlen) dargestellt. Abends gab es für uns Nudelsuppe und später, sehr zu Connis Freude, noch ein Glas von  dem von mir aus der alten Welt mitgebrachten Weißwein.

Am nächsten Tag hatte Conni ganztägig Uni. Dieser Montag war mein letzter voller Tag in Guangzhou. Ich zog los und kaufte ein paar Mitbringsel ein und schlenderte durch verschiedene kleine Parks in der Innenstadt und bekam so unter anderem das Sun-Yat-Sen Memorial zu sehen. Abends genossen Conni und ich ein sehr ausführliches Hot-Pot Essen und gingen dann noch in eine der rar gesäten Bars in Guangzhou. Die von uns gewählte Bar war fussläufig vom Hotel und wirklich sehr angenehm. Leckeres Bier, die Musik auf einer Lautstärke die Gespräche zulässt - wirklich eine Wonne!

Am nächsten Morgen frühstückten wir im Hotel (wir hatten beim Check-In Gutscheine dazu bekommen) und bereiteten langsam aber sicher meinen Abflug am Abend vor. Dazu gehörte auch eine traditionelle chinesische Massage die wir uns am Nachmittag gönnten. 40 Minuten kosteten umgerechnet gerade mal 5 Euro. Befreit von etwaigen muskulären Verspannungen fühlte ich mich gewappnet für die engen Flugzeugsitze die mir nun bevorstanden. Conni brachte mich nachmittags noch zum Flughafen. Der Abschied fiel natürlich schwer, aber die Aussicht sich in 2 Monaten wiederzusehen (und das in Hanoi!) ist eine absolut wundervolle! Ich hätte Conni an ihrer Auslandssemester-Destination überall auf der Welt besucht. Das es auf China hinauslief, war für mich eine große Freude! Ich durfte Bruchstücke eines aufregenden, abwechslungsreichen Land kennenlernen - mit Conni als wundervolle Expertin vor Ort war es wirklich eine unvergessliche Zeit. Nun sitze ich am Flughafen und lasse all die Momente der letzten Tage Revue passieren. Es war großartig und das großartigste ist die Aussicht, sehr bald wieder gemeinsam Asien unsicher machen zu können!