03Januar
2020

Zwei Leuchten bei den Lampions

Momentan sitzen wir am Flughafen von Hoi An und in Bälde steht unser Flug nach Ho Chi Minh City an. Wieder geht es in die Lüfte mit meiner neuen Lieblingsairline Vietjet Air. Die letzten Tage haben wir in Hoi An verbracht, wo uns der Schlafbus zuvor hingebracht hatte. Hoi An – das ist das Synonym für Touristenmassen und Kitsch, aber auch Lampions und eine malerische, romantische Altstadt. Nach Ankunft suchten wir unser Hotel auf, wo wir die nächsten 3 Nächte verbringen wollten. Zwei Feiertage standen für diesen Zeitraum auf der Agenda: Silvester/ Neujahr und natürlich Connis Geburtstag. Unser Zimmer in der Unterkunft hatte einen herrlichen Balkon, von dem wir die Aussicht auf den naheliegenden Fluss genießen konnten und auch ein Pool durfte nicht fehlen. Abends zogen wir los um Essen zu fassen und da wir beide keine Lust auf vietnamesische Küche hatten, fiel die Wahl auf ein kleines Sushi-Restaurant. Wir genossen sehr leckeres Sushi (über die Qualität waren wir beide wirklich positiv überrascht!). Gestärkt für die Silvesternacht zogen wir weiter in die Altstadt von Hoi An. Im Strom der Touristenmassen wurde man von unzähligen Straßenhändlern angesprochen und sollte so zu allerlei Konsum motiviert werden. Wir wurden schnell durch die besondere Stimmung in den Gassen von Hoi An gefesselt: Tausende bunte Lampions leuchten um die Wette und die alten Gebäude, die Palmen und die warmen Temperaturen schaffen eine ganz spezielle Atmosphäre. Zwar feiern die Vietnamesen nicht den Jahreswechsel am 31.12., jedoch wurde für die vielen westlichen Touristen einiges geboten. Conni und ich ließen uns, berauscht von der exotischen Kitischigkeit des Ortes, dazu hinreißen zwei Papierblüten in denen eine Kerze montiert war, zu kaufen und diese auf dem Fluss der sich durch den Ort zieht auszusetzen. Anschließend genossen wir Cocktails und schneller als man sich versah war such schon Mitternacht. Mit einem Feuerwerk (wenn auch ein sehr kurzes und dezentes…) wurde das neue Jahr eingeläutet! Den Jahreswechsel gemeinsam verbringen zu können war natürlich wunderschön. Ich hatte im Konsumrausch Wunderkerzen erworben, welche wir nach Mitternacht mit großer Freude abfackelten. Nach weiteren Schlummerdrinks kehrten wir ins Hotel zurück. Am folgenden Morgen bedurfte es ein probates Gegenmittel, gegen die Drinks zum Jahreswechsel – da kam uns das Frühstück im Hotel sehr gelegen. Mit frischen Omeletts, Pancakes, Croissants und Obst starteten wir an diesem Morgen auf der Terrasse des Hotels in das Jahr 2020. Danach stand eine Endteckungstour durch Hoi An auf der Agenda. Der Eindruck der Silvesternacht bestätigte sich auch bei Tage: als eine sehr touristische, gleichzeitig auch wunderschöne und irgendwie besondere Stadt wusste sich Hoi An zu präsentieren. Wir kauften Lampions (Conni war wirklich sehr verzaubert von all den Lichtern) und nehmen so ein Stück von Vietnam und im speziellen Hoi An mit. Abends aßen wir am Flussufer und tranken dazu ein Larue Bier – die Feststellung das Vietnam ein überaus bieraffines Land ist wurde in Hoi An mehr und mehr manifestiert. Da wir von der Silvesternacht noch etwas geschwächt waren, ging es für uns deutlich vor Mitternacht ins Bett.

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Connis Geburtstag durfte gefeiert werden! In einer Nacht und Nebel Aktion hatte ich am Vortag Kerzen und Kuchen (in Form von abgepackten Supermarkt-Brownies) gekauft und bastelte am Morgen klammheimlich eine Art Geburtstagskuchen daraus, sodass Conni auch ein paar obligatorische Kerzen zum Auspusten hatte. Conni freute sich riesig über die Briefe der Lieben von zuhause und von meiner Wenigkeit, die Sie nun zum Geburtstag öffnen durfte. Nach dem Frühstück machten wir uns direkt mit unserem geliehenen Motorroller auf den Weg nach My Son. Unser Roadtrip an diesem Tag umfasste knapp 100 Kilometer auf unserem schnittigen Gefährt, welches ich mit infantiler Freude am Morgen in Empfang nahm. Wir brausten durch Hoi An und waren schnell außerhalb der Stadt im ländlichen Gebiet unterwegs. Außerhalb der Touristenpfade fanden wir es bemerkenswert wie visibel der Kommunismus war, in Form von großen Propagandaplakaten. Wir überholten Motorroller auf denen Waren jeder Art (von dutzenden Hühnern in Käfigen, über Holz, Stoffballen) transportiert wurden und adaptierten das vietnamesische Fahrverhalten, welches sich primär durch das exzessive Benutzen der Hupe auszeichnet. Angekommen in My Son parkten wir und machten uns auf zum Ticketschalter. My Son ist ein Unesco Weltkulturerbe. Die Anlage besteht aus vielen Tempelruinen aus dem 3 Jahrhundert. Wir waren gespannt was uns erwartet. Da ich die Toilette aufsuchte, widmete Conni sich dem Eintrittskartenkauf. Dort wurde sie Opfer eines Trickbetrugs. Der Eintritt betrug für uns beide 300.000 Dong. Conni gab der Dame im Schalter einen 500.000 Dong (ca. 20 EUR) Schein. In einem Moment der Unaufmerksamkeit muss diese den Schein durch einen 20.000 Dong Schein ausgetauscht haben. Diesen hielt sie dann Conni hin und behauptete nicht genug Geld erhalten zu haben. Conni gab im guten Glauben einen weiteren 500.000 Dong Schein um die Ticket zu kaufen. Die 20.000 und 500.000 Dong Scheine sind farblich und von der Größe sehr ähnlich, sodass ein Umtausch durch einen Moment der Unaufmerksamkeit durchaus unbemerkt bleiben konnte. Als wir uns wieder trafen erzählte mir Conni von ihrem Verdacht betrogen worden zu sein und ich bekräftige sie darin, da ich zuvor zufällig unsere „großen“ Scheine (500.000er) nachgezählt hatte, um einen Kassensturz zu machen. Wir waren allerdings bereits in dem Park eingetreten und konnten uns somit nicht unmittelbar beschweren. Conni brodelte jedoch vor Ärger und hatte (vielleicht auch weil ihr dieses Unrecht an ihrem Geburtstag wiederfahren war) kurzfristig schlechte Laune. Die erste Stunde in dem Park bestand darin, dass Conni sich bereits eine Wutrede zurechtlegte, welche sie der Dame am Ticketschalter beim Verlassen des Parks ins Gesicht motzen würde. Ich, der die ganze Angelegenheit sehr unproblematisch fand, schließlich war ich in Hanoi auch einem garstigen Taxifahrer aufgesessen, der mich um eine ähnliche Summe betrogen hatte, versuchte Conni zu beschwichtigen, ahnte aber bereits das der Dame beim Eintrittskartenverkauf göttlicher Furor drohte! Neben alledem gab es aber auch ein wenig Kultur zu sehen. Das Alter der Tempelanlagen war beeindruckend, der Erhaltungszustand jedoch sehr schlecht und die Restaurationsbemühungen von extrem schlechter Qualität. Auch wenn es für uns fraglich war, warum die Anlage den Status als Unesco Weltkulturerbe erhalten hat, so waren die Ruinen doch sehr sehenswert. Nach ein paar Stunden im Park ging es zurück zum Ausgang und Connis von langer Hand geplanter Auftritt stand bevor. Schnurstracks ging es zu dem Tickethäuschen und Conni konnte endlich ihre aufgestaute Wut verbalisieren. Jedoch hatte es einen Schichtwechsel gegeben und die Übeltäterin war wohl bereits im Feierabend. Nichtsdestotrotz war Conni sehr erleichtert ihrem Ärger Luft gemacht zu haben (Stichwort „Es geht ums Prinzip!“). Übers Ohr gehauen zu werden gehört beim Urlaub in exotischen Ländern definitiv dazu, beim Besuch des Unesco Weltkulturerbes hatten wir jedoch wirklich nicht damit gerechnet. Später lasen wir Online, dass bereits andere Besucher demselben Betrug aufgesessen waren. Wir schwangen uns wieder auf den Roller, stärkten uns unterwegs mit einem Snack und düsten zurück Richtung Hoi An. Dort besuchten wir noch die Pottery Village, ein Töpferdorf, welches ein absoluter Touristennepp war und allenfalls für Keramikwaren-Fanatiker empfehlenswert ist. Zurück im Hotel sprangen wir in den Pool – eine Wonne nach der langen Rollerfahrt durch zeitweile strömenden Regen. Wir machten uns fertig und gingen in die Altstadt. Bereits am Vortag hatten wir ein wunderschönes Restaurant, das „Secret Garden“, entdeckt, wo wir Connis Geburtstag mit einem schönen Essen gebührend feiern wollten. Ich freute mich sehr, meine Freundin dorthin ausführen zu dürfen und zu sehr leckerem Essen und süffigen, unverfänglichen Weißwein, genossen wir den lauen Abend in dem wunderschönen Innenhof des Restaurants. Glücklich ging es zurück ins Hotel und Conni telefonierte mit Ihren Liebsten in Deutschland – danach ging es für uns relativ schnell ins Bett, schließlich hatten wir wieder eine ganze Menge erlebt und einen fantastischen Tag gehabt.

Am heutigen Reisetag hatten wir noch einige Stunden in Hoi An und konnten erneut das leckere Frühstück und den Pool unseres Hotels genießen. Mittags ging es in eine Markthalle wo wir uns noch ein wenig stärkten um dann nachmittags Richtung Airport zu fahren. Nun heißt es für uns: Ab in den Süden nach Ho Chi Minh City, dem ehemaligen Saigon! Dort erwarten uns Temperaturen um die 30 Grad und sicherlich viele weitere spannende Eindrücke und Abendteuer!